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Antworten der OB-Kandidaten auf Bürger-Fragen

Podium bei Kandidatenvorstellung (Foto: Sebastian Raviol)

Bild: Sebastian Raviol

Von Sebastian Raviol | 29.01.2015 19:18 | 2 Kommentare

Nach jeweils zehn Minuten Vorstellungsreden war es dann soweit: Die Bürger durften sich bei der Veranstaltung zur Oberbürgermeister-Wahl am vergangenen Dienstag in Blankenloch zu Wort melden. Eine dreiviertel Stunde lang stellten die Anwesenden in drei Fragerunden den Kandidaten Klaus Demal (Freie Wähler) und Susanne Enderle (Die Partei) Fragen. Beide Politiker durften antworten, die Reihenfolge bestimmte der Fragende.

 

Leitbild

Bürger aus Büchig: “Wenn Sie eine Gemeindeverwaltung leiten wollen über Jahre hinaus, brauchen Sie Gedanken und ein Leitbild, das Sie trägt. Könnten Sie dazu noch einige Gedanken vortragen?”

Enderle: “Das ist eine interessante Frage, aber ich glaube, so ein Leitbild ist auf zwei, drei Worte nicht zu kürzen. Unser Ziel ist unter anderem mehr Wahlbeteiligung, wir wollen die Jugendlichen aus ihrer Lethargie, nicht wählen zu wollen, herausholen, Jugendliche und natürlich alle anderen Mitbürger auffordern, wählen zu gehen. Wir wollen eine Alternative schaffen, zu dem, was jetzt ist. Ich würde sagen, unser Leitbild ist zukunftsorientiert und vielleicht mit einer nicht ganz ernsten Miene, sondern tatsächlich mit viel Spaß Politik zu betreiben. Da stechen wir als “Die Partei” etwas heraus. Wir machen ab und zu auch mal ein Scherzchen, wo andere sagen: “Ein bisschen Ernsthaftigkeit gehört doch dazu”. Wir haben auch ernsthafte Ziele, aber bei einem Leitbild in zwei, drei Worten muss ich jetzt passen. Den Vorrang hat jetzt momentan für uns, die Menschen aus der Reserve zu locken und für das Wählen zu begeistern.”

Demal: “Für mich steht bei einem Leitbild der Mensch im Mittelpunkt. Das ist ein Slogan, den ich schon immer habe. Wir gehen auf jeden Fall wirtschaftlich und zielorientiert, aber auch innovativ mit den Mitteln, die Sie uns anvertrauen, um und wir sind auf jeden Fall drittens eine bürgernahe und sehr kompetente Verwaltung.”

 

Wohnen

Bürgerin aus Friedrichstal: “Ich habe die Haushaltsdebatte verfolgt – da ging es darum, dass günstiger Wohnraum in ganz Deutschland sehr knapp ist. In diesem Zusammenhang ist der Ausdruck Eigenbetrieb gefallen. Frau Enderle, können Sie mir sagen, was das bedeutet?”

Enderle: “Das Wort Eigenbetrieb, sage ich Ihnen ganz ehrlich, habe ich so noch nicht gehört. Ich kann Ihnen aber sagen, dass es tatsächlich eine Tatsache ist, dass Wohnraum momentan ein problematisches Thema ist, da wir große Zuwanderungszahlen, gerade aus dem Kraichgau und auch dem Odenwald haben. Durch diese große Zuwanderung steigen die Mietpreise gerade auf horrende Summen. Wir haben teilweise Preise von bis zu 700 Euro pro Quadratmeter. Da muss man sich natürlich überlegen, ob man da ein bisschen familienfreundlichere und bezahlbare Wohnkonzepte angeht.”

Demal: “Der Markt macht die Preise. Deswegen, Stutensee ist eine tolle Stadt, sind die Preise hier etwas höher. Aber wir sind dran, ich habe hier schon Zusagen, auch vom Land, über eine große Menge. Es werden über 25 000 Quadratmeter, die ich dem Gemeinderat in Kürze offerieren werde. Wir werden natürlich Möglichkeiten finden, wie wir es finanzieren. Es gibt eine Verwaltungsvorschrift, da haben wir beide mit dem Minister Schmid (Anm. d. Red.: Nils Schmid,  stellvertr. Ministerpräsident Baden-Württemberg und Minister für Finanzen und Wirtschaft) gesprochen und es gibt eine, kann man fast schon sagen, Zusage. Das Stichwort Eigenbetrieb: Es ist eine organisatorisch selbstständige Einheit, gehört aber rechtlich zur Stadt Stutensee. Der Gemeinderat hat also die volle Verfügungsgewalt.”

 

Bürgerin aus Blankenloch: “Ich habe vor ein paar Tagen in der BNN gelesen, dass die Stadt Stutensee städtische, also eigene Grundstücke nach Höchstgebot vergibt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass junge Familien mit Kindern eine Chance haben. Wie ist das vereinbar mit dem Anspruch der Familienfreundlichkeit?”

Demal: “Wir haben sehr lange diskutiert, weil wir nur circa 20 Bauplätze hatten. Wir hatten über 200 Bewerbungen. Wenn jetzt hier jemand sitzt, der mir sagen kann, wie man das gerecht hätte machen müssen. Wenn wir gelost hätten, hätte irgendjemand das Los gewonnen, der vielleicht irgendwelche Bauplätze wo anders schon hat oder schon drei Mehr-Familienhäuser. Das hätten wir zwar abfragen können, es hätte uns aber niemand ehrlich geantwortet. Wir mussten versuchen, den Preis zu drücken. In Büchig haben wir diese 430 Euro hingeschrieben, auf dem privaten Markt geht es teilweise weit über 600 Euro hinaus. Sie sehen also, wir sind da schon etwas am Dämpfen. Ich habe 25 000 Quadratmeter, die wir in sehr kurzer Zeit schon für kostengünstiges Wohnen bereit stellen werden für die Menschen, die es sich wirklich nicht leisten können. Wir sind eine attraktive Stadt, deswegen die Preise. Wir wären höchst ungerecht, wenn wir diese 20 Grundstücke zum Beispiel für den Preis von 430 Euro vergeben hätten und 190 hätten in den Mond geschaut.”

 

Internet

Bürger aus Blankenloch: “Ich habe vor Kurzem in einem Gespräch etwas gehört, womit ich nichts anfangen konnte. Da ging es um FTTB und Backbone in Verbindung mit den Kommunen. Um was geht es da?”

Enderle: “Da muss ich Ihnen ganz ehrlich sagen: Das sind zwei Begriffe, von denen ich noch nicht gehört habe. Ich mache mich da gerne kundig oder vielleicht weiß der Herr Demal da eine ausführliche Antwort darauf. Da muss ich leider passen.”

Demal: “FTTB heißt Fiber to the Building. Das bedeutet schnelle Glasfaseranbindung direkt ins Gebäude. Ich habe mich vorhin dafür ausgesprochen, dass wir mit dem Straßenbau Glasfaser verlegen wollen – für unsere Wirtschaft, für die Bürger als Daseinsvorsorge. Backbone ist das Rückrat, das vom Landkreis zurzeit geschaffen wird. Ich bin ja im Kreistag, wir haben alle Beschlüsse dafür gefasst, dass den Städten auch dieses Backbone, diese schnelle Daten-Autobahn, zugeführt wird. Dort werden sie in sogenannte Pops, Point of Presence, verteilt und wir nehmen es dann ab und geben es dann weiter – mit zum Beispiel der EnBW und Anderen und geben es dann weiter ans Gewerbe und an Sie, die Menschen hier.”

 

Senioren

Bürger aus Friedrichstal: “Die Zahl der älteren Bürger in Stutensee steigt stetig. Welche Möglichkeiten sehen Sie, diesen Menschen einen Verbleib in ihrer gewohnen Umgebung, ihrem eigenen Haushalt, zu gewährleisten?”

Enderle: “Da kann ich jetzt auch mal eine Zahl nennen. Wir haben mittlerweile über 20 Prozent Senioren ortsansässig in Stutensee. Ich bin die letzten Haushaltsreden durchgegangen und ich weiß, dass es Pläne für Seniorenheime gibt. Es gibt mit Sicherheit viele bestehende Pläne, die wir natürlich nicht vernichten wollen, sondern auch produktiv und zukunftsorientiert weiterführen wollen – natürlich auch im Sinne der Senioren.”

Demal: “Laut BNN haben wir beste Chancen, einen Pflegestützpunkt zu bekommen. Wir haben unsere Spitzen-Beratung im Rathaus noch weiter optimiert. Ich denke, wir sind jetzt ganz neu dabei beim Projekt ambulante 24-Stunden-Pflege. Das heißt, selbst schwer Pflegebedürftige können zu Hause bleiben und es kommt nachts jemand. Da sind wir jetzt dabei, Sie können das beantragen, wenn das die Eltern wollten, sie können in der Wohnung bleiben. Ich werde stadtteilweise die neuen ambulanten Wohnformen auf jeden Fall strategisch sehr stark mit dem Gemeinderat anpacken und zwar in Kürze – und wir werden mit einem Hilfe-Mix aus Profis, Semi-Professionellen und Ehrenamtlichen dann diese Möglichkeiten pro Stadtteil so ausbauen, dass die älteren Menschen sich wohl fühlen.”

 

Jugendbetreuung

Bürger aus Blankenloch: “Die Stadt tut ja im Bezug auf Kinder- und Jugendbetreuung bekanntlich sehr viel. Welche Möglichkeiten sehen Sie bei der Suchtvorbeugung gerade bei Jugendlichen und welche Maßnahmen sehen Sie als geeignet, wieder mehr Jugendliche für Vereinsarbeit zu begeistern?”

Enderle: “Das ist ein ganz wichtiger Punkt, mit dem ich mich auch in den letzten Tagen beschäftigt habe. Im Moment haben wir eine sehr dünne Personaldecke, was die Jugendarbeit betrifft. Meines Erachtens ist ein ganz wichtiges Ziel, dass da wieder aufgestockt wird, dass Jugendliche besser betreut werden – gerade Jugendliche, die Suchtprobleme haben oder eine zielorientierte Betreuung brauchen. Da werden wir auch Einiges dran setzen, das kann ich Ihnen versprechen.”

Demal: “Wir unterstützen die Vereine schon sehr lange bei der Suchtvorbeugung. Wir haben Jugendschutz-Teams bei großen Veranstaltungen zur Unterstützung und zwei Ehrenamtliche, die unsere Arbeit ergänzen. Wir haben einen Runden Tisch “Suchtvorbeugung” in Stutensee. Ich bin schon lange ehrenamtlich beim Landkreis, eigentlich seit ich hier bin, für diese Dinge zuständig und habe viele der Ideen, die ich dort entwickelt habe, natürlich zuerst in Stutensee ausprobiert. Der Runde Tisch funktioniert bestens zwischen Bevölkerung, Vereinen und Stadtverwaltung. Uns ist zum Beispiel gelungen, die Spielhallen, die es wo anders zuhauf gibt, hier fernzuhalten. Wir haben den Verein “Sicheres Stutensee”, der arbeitet optimal mit, mehr Jugendliche einzubringen. Da bin ich Vorsitzender, ehrenamtlich natürlich.”

 

Flüchtlinge

Bürgerin aus Blankenloch: “Wie sehen Sie die Zukunft von Stutensee als Stadt, die Flüchtlinge aufnimmt – gerade in Bezug auf Friedrichstal?”

Demal: “Die Flüchtlingsthematik liegt mir deshalb sehr am Herzen, weil wir in anderen Städten ganz erhebliche Probleme haben. In Stutensee gab es keine Probleme, als wir  die Asylbewerber in der Gemeinschaftsunterkunft in Friedrichstal aufgenommen haben. Wir werden jetzt natürlich dafür sorgen, dass die Menschen dann nach und nach in der Anschlussunterbringung auch wirklich menschenwürdige Unterbringungen finden hier in Stutensee. Wir kümmern uns mit einem Integrationsprogramm. Ich habe etwa 55 000 Euro vom Land organisieren können, wo wir die besten Ideen hatten, die stecken wir in die Integration rein. Ich bin vollkommen davon überzeugt, dass die Bevölkerung in Stutensee mit uns, wenn wir es ihnen weiterhin so gut erklären wie in Friedrichstal, die Dinge weiter voran bringen.”

Enderle: “Ich finde, das größte Problem ist nicht einmal die Integration der Zuwanderer. Das Hauptproblem ist meines Erachtens, dass man in letzter Zeit gar nicht mehr wusste, wo man sie unterbringen soll. Da weiß ich, dass es Pläne gibt für ein Obdachlosen- und Asylbewerberheim. Ich bin natürlich nicht so tief drin in der Materie, um zu wissen, ob das schon in der Umsetzung ist oder ob das noch in Planung ist. Aber gerade wenn die Frage von Schülern kommt, bin ich großer Hoffnung, dass man die Integration da weiter führen kann, indem auch Schüler mit gleichaltrigen Immigranten ins Gespräch kommen und ein Stück weit mithelfen, dass die Zuwanderer sich schnell hier in Stutensee wohl fühlen.”

 

Verkehr

Bürger aus Blankenloch: “In der Eggensteiner Straße Richtung Industriegebiet ist eine wunderschöne Straße neben der Bahn. Aber leider fehlt auf etwa 800 Metern ein Gehweg. Da läuft man immer gegen den Verkehr und wird in der Kurve zur Eggensteiner Straße erst auf zehn Metern gesehen. Da sollte was passieren in den nächsten zwei, drei Jahren. Sonst gibt es da Unfälle.”

Demal: “Ich komme gerne noch direkt auf Sie zu. Das ist eine segensreiche Straße, die wir da geschaffen haben. Gerade für die Menschen, die zum Einkaufen mit dem Rad öfter fahren. Wir werden dort in absehbarer Zeit für Gehwege sorgen.”

Enderle: “Sie haben das jetzt auf die nächsten zwei, drei Jahre als Ziel gesetzt. Wenn es tatsächlich Stellen in den Orten gibt, an denen Fußgänger so gefährdet sind, wie sie es jetzt sagen, finde ich, dass zwei, drei Jahre viel zu weit gedacht ist. Da würde ich sagen, das sind Probleme, die man tatsächlich so schnell wie möglich angehen muss – und das in den nächsten Monaten.”

 

Bürger aus Blankenloch: “Als wir vor vielen Jahren aus Karlsruhe hergezogen sind, war neben anderen Argumenten auch die Nähe und die gute Anbindung nach Karlsruhe ein Grund. ÖPNV (Öffentlicher Personen-Nahverkehr) ist nicht ganz billig. Ich weiß auch, dass die Fahrpreise die Kosten bei weitem nicht decken. Deswegen würde mich interessieren: Was kostet die Stadt Stutensee eigentlich die Unterhaltung dieser S-Bahn-Linie und des Bus-Verkehrs und welchen Anteil macht das am Haushalt aus? Ist das ein Kraftakt oder kann das durchaus gestemmt werden? Es war mal im Gespräch, die Trasse weiter zu führen über Karlsdorf, Neuthard bis nach Bruchsal. Sind die Pläne noch aktuell oder erst einmal ad acta gelegt?”

Enderle: “Ich bin mir ziemlich sicher, dass es durchaus ein Kraftakt ist. Ich denke, sonst hätte man schon längst mal etwas getan, dass eine Stadtbahn auch nach Staffort fährt. Aber mehr kann ich dazu nicht sagen, da ich noch nicht für die Stadt Stutensee arbeite und noch nicht die Einblicke habe, wie viel Gelder wohin hinfließen.”

Demal: “Wir haben einen Spitzen-ÖPNV und zahlen dafür natürlich viel Geld – nämlich 830 000 Euro mittlerweile per anno plus unseren Anteil über die Kreisumlage. Aber wir stehen aktuell finanziell sehr gut da. Wir haben 7,5 Millionen Euro Schulden bei einer Rücklage von 13,5 Millionen. Das heißt, unsere millionenschweren Investitionen, die in nächster Zeit kommen – vom Hallenbad über Straßen bis zum Internet – sind gut finanziert. Wir hätten auch die Weiterführung (Anm. d. Red.: der Bahn) finanzieren können, leider wurde diese auch aufgrund fehlender Mittel des Landes ad acta gelegt. Zu Staffort kann ich sagen, der Ortsvorsteher sitzt hier, wird es ihnen allen sicher gerne persönlich bestätigen: Die Busverbindung auf der einen Seite Richtung Weingarten und Durlach Hauptbahnhof, auf der anderen Seite hierher nach Blankenloch ist sehr gut. Die Stafforter sind wirklich sehr zufrieden.”

 

Bürger aus Blankenloch: “Ich habe eine Frage zur Verkehrsproblematik hier in Blankenloch. Da spreche ich insbesondere den Ortseingang/-ausgang Süd an. Da hat es in letzter Zeit auch oftmals Eingänge in der Stadtverwaltung gegeben. Bisher hat sich aber bis auf einige wenige Kontrollen nichts ergeben. Da es dort auch direkt Übergänge zur Stadtbahn gibt, stellt es aus meiner Ansicht ein Gefährdungspotential für die Fußgänger dar. Da wird sehr oft mit überhöhter Geschwindigkeit gefahren. Wie würden Sie die Situation beurteilen und was würden Sie gedenken, da zu tun?”

Enderle: “Das ist ein mir bekanntes Problem. Da kann ich Ihnen sagen, dass es natürlich mein Plan ist, in den kommenden Wochen und Monaten erst einmal mit allen Bürgern und Bürgerinnen, mit Vereinen, Firmen und Kirchen ins Gespräch zu kommen, um solche direkten Probleme zu besprechen. Lösungsvorschläge kann ich Ihnen heute direkt keine bieten. Da muss ich mich natürlich auch erst einmal in die Materie einarbeiten, um Ihnen eine genaue Antwort zu geben.”

Demal: “Am Ortseingang Süd gibt es Tempo 30. Ich habe dafür gesorgt, dass in ganz Stutensee Tempo 30 gilt – außer in Gewerbegebieten und ganz wenigen Teilen noch. Wo anders wird über Tempo 30 noch lange diskutiert. Ich werde dafür sorgen, dass wir mit einem Verkehrsexperten und mit unserem Ordnungsamt die Themen intensiv besprechen. Ich glaube, wir können es schaffen, zum Beispiel an allen Ortseingängen ein großes Schild aufzustellen: “In Stutensee ist Tempo 30 spitze” – mit der Doppelbedeutung und darunter “Hier gilt rechts vor links”, sodass Jeder weiß, hier muss er auf sein “Heilig´s Blechle” noch stärker achten. Wir sind sehr weit mit Tempo 30, die Anderen müssen erst nachziehen.”

 

 

Verwaltung

Bürger aus Blankenloch: “Das Amt als Oberbürgermeister einer großen Kreisstadt ist ja nicht nur das Amt einer Politikerin, sondern es ist auch das Amt eines Verwaltungsbeamten. Frau Enderle, Sie leiten als Oberbürgermeisterin eine große Verwaltungsbehörde. Haben Sie sich schon Vorstellungen gemacht, was auf Sie als Spitze einer großen Verwaltungsbehörde zukommt?”

Enderle: “Ich mache mir da sehr viele Gedanken, das können Sie sich sicher vorstellen. Ich habe die letzten Wochen nicht mehr geschlafen. Jeder, der Oberbürgermeister werden möchte, macht das dann zum ersten Mal, wie in jedem anderen Beruf auch. Ich erhoffe mir dann natürlich auch eine tatkräftige Unterstützung von den Mitarbeitern des Rathauses und auch eine gute Zusammenarbeit mit den Verwaltungsfachleuten, mit den Spezialisten vor Ort, die mir dann in den ersten Monaten unter die Schultern greifen und mich unterstützen.”

Demal: “Ich kann als Diplomverwaltungswirt und Magister der Verwaltungswissenschaften ab 9. Februar nathlos die gemeinsame Arbeit mit Ihnen fortsetzen und das will ich tun.”

 

Wahlkampf

Bürger aus Blankenloch: “Irgendwann hat der Wahlkampf begonnen. Frau Enderle, vorhin habe ich gehört, Sie sind fair und kollegial. Eines Tages hängt da ein Plakat, wo tatsächlich drauf steht: “Weg mit dem alten Besen”. War das ernst gemeint von Ihnen? Ich finde das ein klein wenig unter der Gürtellinie, ist für mich persönlich.”

Enderle: “Ich sage Ihnen ganz ehrlich, ich habe mit dieser Frage ein bisschen gerechnet. Ich habe mir auch große Gedanken gemacht, was ich darauf antworte. Es ist zum einen so: Ich kandidiere für eine satirische Partei, für “Die Partei”. Das heißt, in manchen Dingen sind wir doch vielleicht ein bisschen schelmenhaft. Da gibt es ja den berühmten Satz: “Ein Schelm, wer böses denkt.” Da steckt überhaupt keine böse Absicht von uns dahinter. Wir hatten so circa 50 verschiedene Wahlplakat-Entwürfe. Wir haben abgestimmt, es war auch nicht immer ganz alleine meine Entscheidung. Da habe ich auch ein paar Kollegen, die da gerne ein bisschen necken. Ich denke, ein paar spitze Bemerkungen dürfen in einem Wahlkampf auch mal fallen. Aber wie gesagt, wir haben da keine bösen Absichten. Wir wollen keinen angreifen. Wir haben für Stutensee nur das Beste im Sinn, auch mal mit einem Schmunzeln.”

 

Wasser-Versorgung

Bürger aus Blankenloch: “Ich finde, das Wasser ist gut, aber in Blankenloch zu kalkhaltig. Da müssten wir noch was machen. An Sie, Herr Demal: Warum machen wir es nicht wie die Brettener, die Bodensee-Wasser holen oder wie die Weingartener, die filtern und damit den Kalk teilweise heraus holen?”

Demal: “Die Weingartener haben das ganze Thema wegen Nitrat und damit ganz erhebliche Probeme gehabt. Das haben sie dann letztlich auch vom Landkreis bezahlt bekommen. Wir würden es nicht bezahlt bekommen. Unser Wasser ist spitze. Und das für einen Preis von 91 Cent, das suchen Sie bitte mal landesweit. Wir prüfen derzeit aber eine zentrale Enthärtung über ein Membran-Filtrationsprinzip. Das ist ähnlich wie in Bruchsal und könnte kostenneutral sein. Das heißt auf der einen Seite weniger Waschmittel, auf der anderen Seite natürlich einen höheren Wasserpreis. Wir werden dazu die Bevölkerung zur Diskussion einladen.”

Enderle: “Ich weiß auch, dass eine Wasser-Enthärtungsanlage geplant ist. Wir wollen ja auch offen und ehrlich sein in unserem Sinne. Da möchte ich Ihnen sagen: Bei den Mehrkosten sprechen wir von 50 bis 70 Cent pro Kubikmeter.”

 

Pläne

Bürger aus Friedrichstal: “Herr Demal, Sie haben in ihrer Rede viel von Blankenloch geredet. Was haben Sie zum Beispiel für die anderen Stadtteile vor? Frau Enderle, was haben Sie denn in Friedrichstal oder Spöck vor, außer dem zweiten Bahnhof?”

Demal: “Es wurde das TMG (Anm. d. Red.: Thomas-Mann-Gymnasium in Blankenloch) angesprochen, das ist natürlich für ganz Stutensee da. Wir haben viele Millionen ins TMG rein gesteckt, ins Schulzentrum insgesamt. Wir werden selbstverständlich in Friedrichstal auch sehr viel tun. Das fängt an bei der Kinderbetreuung unter drei Jahre und über drei Jahre. Wir werden in der Schule, da ja jetzt dann praktisch wechselt in Richtung Spöck dann, ganz hervorragend neu aufstellen mit einer Mensa. Ich kann Ihnen sagen, dass wir von den Sporthallen und weiteren Möglichkeiten für Kinder bis hin zu den älteren Menschen etwas machen. Für das Seniorenheim in Friedrichstal haben wir in Kürze ein Gespräch, ob da Erweiterungen möglich sind und natürlich werden die modernen Wohnformen in allen Stadtteilen weiter gebracht. Also von der Wiege bis zur Bahre, wir kümmern uns millionenschwer, einschließlich Internet, was für die Jugend interessant ist.

Enderle: “Ich kann da Herrn Demal absolut zustimmen. Was jetzt Friedrichstal genau betrifft, weiß ich nur, dass wohl in Zukunft geplant ist, die L560 nach Graben auszubauen. Was die Jugend in Friedrichstal betrifft, ist es einer meiner Ziele mit euch, den Jung-Wählern, in nächster Zeit mal ins Gespräch zu kommen, um direkt von den Stutenseer Bürgern Probleme und Pläne erzählt bekomme und dadurch dazulerne und größtenteils daran setze, dass die Dinge, die gewünscht werden, umgesetzt werden.

 

Schulen

Bürgerin aus Blankenloch: “Die Grundschul-Empfehlung wurde abgeschafft und das Gymnasium hat einen Riesen-Zuwachs. Wie sehen Sie jetzt Zukunft? Wollen Sie dieses dreigeteilte Schul-System beibehalten und die Schulen in Spöck oder Blankenloch, Haupt- und Realschulen, unterstützen oder sehen Sie die Zukunft der Schulen in Blankenloch und Stutensee in einer Gemeinschaftsschule?

Demal: “Wir werden auch weiterhin alle Schulabschlüsse bei uns anbieten. Das Schulzentrum ist optimal aufgestellt, wir bauen derzeit einen Raum an. Es werden durch Raumtausch beide Schulen optimal befriedigt. Wir werden vom Land ein Zwei-System haben. Nämlich wird die Realschule künftig neu ausgebaut in Richtung Gemeinschaftsschule. Man wird an der Realschule künftig den Hauptschul-Abschluss in kürzester Zeit schon machen können. Wir haben für die Übergangszeit in Friedrichstal und Spöck unsere Pläne, die wir derzeit mit dem Schulamt besprechen. Aber alle anderen Themen sind optimal aufgestellt.

Enderle: “Was die Schüler von Stutensee betrifft, habe ich Informationen, dass wohl das Problem momentan besteht, dass immer mehr Schüler in umliegende Orte abwandern und dort auf die Schule gehen – sei es Weingarten oder sogar direkt nach Karlsruhe. Mein momentaner Stand, dass es zwischen 80 und 100 Schüler in der fünften Klasse momentan sind. Ob das dann geschickt ist, bei allen Schulen mehr Räumlichkeiten dazu zu bauen? Klar bestimmt, aber man sollte auch das Problem angehen, warum die Schüler abwandern. Da sollte man natürlich auch mit den älteren Schülern der zehnen und zwölften Klassen reden und fragen, warum sie den Abschluss nicht in Stutensee machen wollen.

Bildquellen

  • Podium bei Kandidatenvorstellung: Sebastian Raviol

Kommentare

Wieso hat der freundliche Mann, der so auf die Zukunft der Stadt fixiert ist, eigentlich nie öffentlich erwähnt, dass er ZU ALT ist um 8 Jahre um Amt zu bleiben und das der des auch NIE WOLLTE… Der wird die Stadt nach kurzer Zeit im Stich lassen und sich verpissen. Dann wird das Amt an den nächsten Sessel***** weitergereicht und dann?? das ist Demokratie oder was?
Eine Schande der Typ…

Eine “Schande” dürften eher Kommentare wie dieser sein. Sind Sie überhaupt von hier?
Das mit der Amtszeit ist in BNN und auch im Interview hier behandelt worden. Außerdem: Ob 2, 5, 8 oder x Jahre, hauptsache es wird gute Arbeit gemacht.
Und das ist bei diesem in der Tat freundlichen Mann seit 3 Amtszeiten der Fall. Klingt nicht nach “nach kurzer Zeit im Stich lassen”, oder?
Und das Amt wird nicht weitergereicht, sondern es wird in einer direkten (!) Volkswahl darüber entschieden. Auch Sie dürfen sich bewerben, und genau das ist Demokratie.


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