Von meinstutensee.de-Reporter Martin Strohal

Mitte März 2015 hat das Bundesverkehrsministerium den Abschlussbericht zur „Korridorstudie Mittelrhein“ veröffentlicht. Dabei geht es darum, dass der Güterverkehr zwischen den großen Umschlaghäfen in Rotterdam und Genua in den nächsten Jahren deutlich zunehmen wird. Für den Korridor zwischen Köln und Karlsruhe werden zudem für die nächsten Jahre erhebliche Verkehrszuwächse erwartet, auch im Personenverkehr. In der Schweiz wurden große neue Alpentunnel dafür gebaut, auch die Niederlande haben in ihr Netz investiert. Deutschland ist jetzt der Flaschenhals, wobei an einigen Stellen schon begonnen wurde.

Auf Anfrage des Landtagsabgeordneten Johannes Stober (SPD) teilte das Landesverkehrsministerium mit, dass mit eine Verdopplung des Güterverkehraufkommens von 200 auf 400 Fahrten pro Tag gerechnet wird.

Varianten im Raum Karlsruhe

Die Studie untersucht verschiedene Varianten der Streckenführung, linksrheinisch und rechtsrheinisch. So werden Strecken durch die Pfalz beleuchtet („Große und kleine Pfalzlösung“) ab Mainz über Ludwigshafen, Germersheim und Wörth nach Karlsruhe bzw. von Bingen/Rhein über Neustadt/Weinstraße nach Karlsruhe. Für diese Varianten wäre der Bau der „Dammerstocker Kurve“ bei Oberreut erforderlich.

Bereits im Verkehrswegeplan 2003 wurden 480 Mio. EUR vorgesehen, um die Kapazität der Nord-Süd-Strecke zwischen Graben-Neudorf und Karlsruhe zu erhöhen. Die Strecke Heidelberg – Bruchsal soll ertüchtigt werden für Fahrten bis 200 km/h.

Vorzug für rechtsrheinische Variante

Weil die große und kleine Pfalzlösung nicht die erforderliche Kapazität bringen, empfehlen die Autoren der Korridorstudie klar den vierspurigen Ausbau der Strecke zwischen Mannheim über Graben-Neudorf nach Karlsruhe. Für die geplante Dammerstocker Kurve besteht deswegen vermutlich keine Notwendigkeit mehr.

Der Regionalverband Mittlerer Oberrhein erkennt, dass die Strecke durch Ortschaften (Friedrichstal, Blankenloch und Hagsfeld) führt und sich der Ausbau auf vier Gleise „aufgrund der benötigten Fläche für zusätzliche Gleisanlagen schwierig gestalten“ würde. Dazu kommt steigende Lärmbelastung der Anwohner durch den vermehrten Güterverkehr.

Reaktionen aus der Region

Als einzige Reaktion aus der Region führt der Regionalverband in seiner Sitzungsvorlage vom 25.2.2015 die Stellungnahme des Landkreises Germersheim an. Germersheim lehnte die linksrheinische Variante durch eigenes Gebiet ab und plädierte für die Variante Mannheim-Graben-Neudorf-Karlsruhe, der jetzt auch der Vorzug gegeben wird.

Diese Woche positionierte sich der Regionalverband Mittlerer Oberrhein und begrüßte grundsätzlich die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene. Um die Akzeptanz der Menschen zu finden, wird optimaler Lärmschutz entlang des Korridors gefordert. Alle Interessierte lädt die Region zu einem offenen Dialog ein. „Es ist schwer vorstellbar, wie ein vierspuriger Ausbau der Schienenstrecke zwischen Graben-Neudorf und Karlsruhe realisiert werden soll“, so der Verbandsvorsitzende, Landrat Christoph Schnaudigel. Es wird betont, dass es sich lediglich um eine Bedarfsstudie ohne konkrete Trassenfestlegung handle.

Derweil bittet das Bundesverkehrsministerium betroffene Bürger bis Mitte Mai um Stellungnahmen zu der Studie unter der E-Mail-Adresse Mittelrheinstudie@bmvi.bund.de. Die Ergebnisse der Studie werden zusammen mit den eingegangenen Kommentaren Grundlage für die Bewertung von Maßnahmen zur Optimierung des Mittelrheinkorridors im neuen Bundesverkehrswegeplan sein.

Reaktionen aus Stutensee und Hagsfeld

Angesichts des aktuellen Standes und der Frist zur Stellungnahme bis Mitte Mai regt sich Widerstand bei den Streckenanliegern. Zumindest in Hagsfeld. Dort hat sich eine Bürgerinitiative gegründet. Deren Sprecher Björn Stieler wundert sich, dass in Stutensee bislang nichts passiert, wo doch insbesondere Friedrichstal noch stärker betroffen sei als Hagsfeld.

Die Bürgerinitiative in Hagsfeld geht von einer Umsetzung der Maßnahme nach Konsultation von Experten um das Jahr 2030, also in 15 Jahren, aus. Die aktuelle Studie spricht sich klar für den viergleisigen Ausbau der Strecke zwischen Graben-Neudorf und Karlsruhe aus. Es ist zwar fraglich, ob sich daran noch etwas ändern lasse, aber wenn man es versuchen wolle, dann müsse man die Frist zur Stellungnahme nutzen. Deshalb habe die Bürgerinitiative eine Stellungnahme in dieser Woche an das Bundesverkehrsministerium geschickt. Unterstützung aus Stutensee sei jederzeit willkommen. Informationen dazu unter www.hagsfeld-zweigleisig.de.

In Stutensee hingegen ist das Thema noch bei keiner Partei auf der Agenda vertreten,

Korrektur/Ergänzung (17.4.2015, 13.45 Uhr):

Der Oberbürgermeister legt wert auf die Feststellung, dass er den Gemeinderat in einer Mitteilung vom 13.3. über die Thematik informiert habe. Nach Erkundigungen beim Regionalverband/bei Abgeordneten war es zu diesem Zeitpunkt noch zu früh, um abschließend beurteilen zu können, wie der Eisenbahnverkehr im Raum-Korridor ausgebaut werde. Dies sei auch derzeit noch offen; der Gleisausbau könne beispielsweise auch entlang der Autobahn erfolgen, so OB Demal. Er werde sich auch in den Gremien, z.B. des Regionalverbandes, für eine gute Lösung einsetzen. Die tatsächliche Umsetzung des Projekts sei Abgeordneten zufolge frühestens in 15 Jahren zu erwarten, erklärte Demal. Die verschiedenen Stufen im langjährigen Planungsprozess gelte es intensiv zu nutzen.

Bildquellen

  • Bahnstrecke Karlsruhe – Mannheim: Martin Strohal
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