Von meinstutensee.de-Reporter Olaf Matthei-Socha

Tänzerinnen in Tusche, Farbenexplosion in Acryl, steinerne Köpfe und monochrome Momentaufnahmen – Zum Himmelfahrtswochenende verwandelt sich die Stafforter Dreschhalle in eine Kunstgalerie. Wo sonst allerlei Feste und Konzerte stattfinden, eröffneten Ortsvorsteher Ludwig-Wilhelm Heidt und Oberbürgermeister Klaus Demal am 5. Mai die sechste Ausstellung Stafforter Künstler und Sammler. Die im Zweijahresrhythmus stattfindende Veranstaltung soll lokalen Kunstschaffenden eine Möglichkeit geben, ihre Werke zu präsentieren und miteinander in Kontakt zu kommen. Der jüngste von ihnen ist gerade einmal sieben Jahre alt.

Am Liebsten malt Noah Niebergall mit dem Spachtel, lässt Farben und Formen von alleine kommen. Zum Malen kam der gelassene Siebenjährige, der bereits zum zweiten Mal an der Ausstellung teilnimmt, durch seine Großmutter Ortrun Langer-Teksözlü. Die stolze Oma stellt in Staffort ebenfalls aus. Zwar betreibt sie die Malerei als Hobby und beschenkt mit ihren Bildern vor allem Freunde und Bekannte. Als gelernte Technische Zeichnerin im Maschinenbau hat sie aber bereits früh gelernt, präzise mit dem Zeichenwerkzeug umzugehen und nimmt seit vielen Jahren professionellen Unterricht. „Beim Malen kann ich mich einfach gehen lassen, dann übernimmt meine Hand die Führung“, erklärt Langer-Teksözlü, deren große Leidenschaft die abstrakte Kunst ist.

Stark realitätsnah aber dennoch sehr stimmungsgeladen sind die Bilder von Lydia Pfeiffer. Zum Malen kam die Russlanddeutsche ganz zufällig im Urlaub. Jahrelanger Unterricht spiegelt sich aber mittlerweile im technischen Können der Hobbymalerin wider. Mit freieren Formen beschäftigt sich die Maschinenbauingenieurin jedoch erst seit kurzem. Als größte Herausforderung sieht sie es, Dynamik gekonnt in Bilder umzusetzen. Körper in Bewegung sind das Thema einer ganzen Reihe von Tuschezeichnungen der Gastronomin Paulina Strauch. Bevor sie 1993 nach Deutschland kam, war sie 18 Jahre lang als Plakatmalerin in Kasachstan tätig. Für sie ist es die erste Ausstellung ihrer Werke. Darunter sind neben Gemälden und Zeichnungen auch Skulpturen aus Tuffstein, so etwa die eindrucksvolle Vergrößerung einer Matrjoschka-Puppe.

Die eigenen Stimmungen und Gedanken mit Bildern ausdrücken ist Monika Kühnes künstlerische Motivation. Nach der Trennung schenkte ihr die Tochter vor acht Jahren einen Malkurs. Seitdem nimmt die Mechanikerin regelmäßig Unterricht, in dessen Rahmen sie sich auch im Gegenständlichen ausprobiert. Das Abstrakte gewähre aber mehr freie Möglichkeiten. „Der Engel war auf einmal da, einfach so“, erklärt sie vor einem Bild, das ganz in Rottönen gehalten ist. Nebenan wird gerade Kunst live produziert. Viola Mangold kniet vor einem einfachen Stuhl und verwandelt ihn mittels Zeitungspapier und Kleister vor den Augen des Publikums in ein Phantasiegebilde. Den Anfang machte ein Giraffenstuhl, heute ihr Lieblingssitzmöbel. Im Hintergrund sind weitere Arbeiten der jungen Erzieherin und Kunsttherapeutin zu sehen. Eine Fotoserie zeigt die von oben bis unten grün, gold oder bunt eingefärbte Künstlerin in verschiedenen Haltungen, Malereien und Skulpturen entführen in mythische Welten.

Märchenhaft erscheinen auch die kleinen Filzkunstwerke von Katja Amolsch. Die Elfen, Nixen und  Tiere fertigt die Tiersitterin aus Staffort an, seit ihre Kinder auf der Welt sind. In der Dreschhalle sitzt sie aber konzentriert an einem Seidenbild, ihrer ursprünglichen Leidenschaft, die durch einen Malkurs im Karibi-Feriendorf geweckt wurde. „Seide verzeiht nichts, da ist das Filzen mit zwei lebhaften Kindern viel unkomplizierter“, erklärt Amolsch lächelnd. Eine ruhige Hand benötigt auch Karl-Friedrich Schöpp. Der ehemalige kaufmännische Angestellte und Betriebsrat widmet sich im Ruhestand voll und ganz seinem Hobby, der Fotografie. Die Badischen Neuesten Nachrichten beliefert er schon seit geraumer Zeit mit Bildern aus Stutensee. Sein Können versucht er seit kurzem im Fotoclub Graben-Neudorf kritisch zu vervollkommnen. Zu sehen sind Momentaufnahmen in Schwarz-Weiß. Da dampft eine alte Lokomotive, ist der mächtige Kopf eines Wisentes zu sehen oder schaut ein Schimpanse nachdenklich in die Ferne.

Ortsvorsteher Ludwig-Wilhelm Heidt sieht Künstler und Sammler vor allem auch als Bewahrer und unterstreicht den Wert, der ihnen seiner Meinung nach für die Gemeinschaft zukommt. „Vielleicht tragen auch die vielen kleinen, unscheinbaren Dinge zur Freude des Menschen bei, Dinge, die aus längst vergangenen Zeiten stammen und bewahrt, aufbewahrt und aufbereitet wurden“, erläutert er in seiner Eröffnungsrede. Martin Offenhäuser nimmt das Bewahren und Aufbereiten wörtlich. Was einst mit einem bescheidenen Herz aus Holz anfing, dass er als Geschenk für seine Frau anfertigte, ist inzwischen eine lebensfüllende Aufgabe. Der Elektromechaniker bearbeitet Holzschnitt, alte Möbel und Messergriffe. Er bohrt, sägt, schleift, poliert und verleiht den Stücken mit Pflanzenteilen, Kunstharz und Zinn neues Leben. Sehenswert sind auch die Fundstücke von Jutta und Wolfgang Lindner. Die kleinen und großen Steine werden ihrer Form entsprechend verarbeitet. Mal wachsen aus den rohen Blöcken schemenhafte Köpfe hervor, mal wird ein gestochen scharfes Gesichtsprofil vom versteinerten Schneckenhaus geziert.

Die Schau ist noch bis Sonntag den 8. Mai zu sehen. Am Sonntag bieten die Stafforter LandFrauen wie auch zur Eröffnung selbst gebackenen Kuchen und Kaffee.

Liste der AusstellerInnen:

Katja Amolsch, Natascha Brohm, Marion Kühne, Ortrun Langer-Teksözlü, Wolfgang Lindner, Viola Mangold, Emanuel Meier, Noah Niebergall, Martin Offenhäuser, Lydia Pfeiffer, Traudel Reuter, Sonja Scherer, Karl-Friedrich Schöpp, Marlies Schöpp, Paulina Strauch.

Öffnungszeiten:
7. Mai von 15.00 – 20.00 Uhr
8. Mai von 11.00 – 17.00 Uhr

Bildquellen

  • 6. Ausstellung Stafforter Künstler und Sammler: Olaf Matthei-Socha
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