Von meinstutensee.de-Reporter Sebastian Raviol

Bürgermeister Matthias Ehrlein„Ich fahre an der Weiche nicht mehr geradeaus, sondern biege jetzt rechts ab“, sagt Dr. Matthias Ehrlein. Als Bürgermeister war Ehrlein 16 Jahre lang für das Stadtbauamt in Stutensee zuständig – nun endet seine Amtszeit. Bereits im Januar hatte meinstutensee berichtet, dass der 58-jährige CDU-Politiker keine dritte Amtszeit anstrebt. Als amtsmüde möchte sich Ehrlein nicht bezeichnen. „Aber ich habe viele Projekte sehr eng begleitet oder selbst geführt. Das kostet einfach viel Zeit.“ Eine Mischung habe den Ausschlag für das Aufhören gegeben: „Die hohe Arbeitslast und die Ansprüche, die meine Familie jetzt stellt.“

Bau der Stadtbahn besonders wichtig: „Ohne den wären viele Menschen nicht hergezogen“

In Stutensee ist Ehrlein als kompetenter und gründlicher Mitarbeiter bekannt. Dafür habe er täglich viel Zeit investiert, häufig zwischen 13 und 16 Stunden. „Meine Qualität war es, mich in vielen Projekten detailliert auszukennen und sie zu steuern.“ Als Leiter des Dezernats II war Ehrlein für Bauthemen und die Stadtentwicklung in Stutensee verantwortlich. Häufig sei das auch mit dem Bereich Bildung verknüpft gewesen, erklärt Ehrlein: „Das Schulzentrum in Blankenloch hat unheimlich viele Facetten. Da sind Millionen reingeflossen.“ Da waren etwa der Neubau der Mensa 2004, die neue Freisportanlage, der Sporthallen-Neubau 2010 oder die Sanierung der ersten Sporthalle. Nun sei das Schulzentrum „ein ganz zentraler und wichtiger Standortfaktor“ für unsere Stadt.

„Es sind viele große Projekte, die mich in meiner Amtszeit begleitet haben.“ Der Arbeitsablauf ist oftmals ähnlich. Man sucht einen Planer, oftmals sind Zuschüsse zu aquirieren. Anschließend geht es in die Feinplanung, ehe mit dem Bau an sich begonnen werden kann. Das wichtigste Projekt sei der Bau der Stadtbahn gewesen. „Ohne die Stadtbahn wären viele Menschen und Gewerbetreibende nicht hergezogen.“

Ehrlein schwärmt: „Die Lebensqualität in Stutensee ist sehr hoch“

Bürgermeister Matthias EhrleinSo aber gerät Ehrlein regelrecht ins Schwärmen, wenn er über Stutensee spricht. „Die Stadt hat sich sehr gut entwickelt. Stutensee ist in den letzten 20 Jahren um 3000 Menschen angewachsen. Es gibt neue interessante Wohngebiete und Betriebe. Wir haben heute 9000 Arbeitsplätze vor Ort.“ Insgesamt sei die Lebensqualität sehr hoch. Der gebürtige Aalener arbeitete vor seiner Tätigkeit als Bürgermeister in Stutensee in der Landesverwaltung Baden-Württemberg, unter anderem als persönlicher Referent von Umweltminister Erwin Vetter und im Innenministerium. Danach landete Ehrlein in Stutensee. Ein Rückschritt? Keineswegs. „Als Bürgermeister ist man ganz nahe am Menschen dran und hat die Möglichkeit, was zu steuern. Diese Möglichkeit ist nirgends so groß wie in einer Kommune.“

Einzig: Oberbürgermeister wurde Ehrlein nie. „Das hätte ich mir zugetraut.“ 2008 hat es der CDU-Politiker in Vaihingen an der Enz versucht, musste sich mit 23,48 Prozent der Stimmen geschlagen geben. „Es ist eine Lebenserfahrung, ich habe an Niederlagen aber immer auch Positives erkennen können. Im Nachhinein bedaure ich es nicht mehr.“ In Stutensee als Oberbürgermeister zu kandidieren, kam für Ehrlein nie infrage. Das Amt hat Klaus Demal als dienstältester Oberbürgermeister in Baden-Württemberg seit 1991 inne. „Mir war klar, dass ich nicht gegen Herrn Demal antrete“, sagt Ehrlein, „also hat es sich in Stutensee nicht angeboten.“

Oberbürgermeister Demal kündigt Abschiedsfeier für Ehrlein an

Sylvia Tröger, Matthias Ehrlein (Montage)

Sylvia Tröger, Matthias Ehrlein (Montage)

Ehrlein wird auch nach Ende seiner Tätigkeit als Bürgermeister mit seiner Familie in Blankenloch wohnen bleiben. „Ich nehme am gesellschaftlichen Leben teil, werde mich aber nicht in die kommunale Politik einmischen.“ Ruhestand kommt für ihn indes nicht infrage, er habe schon Anfragen. „Ich bin nicht der Mensch, der jetzt Rasen mäht und die Füße hochlegt.“ Sein Amt fortführen wird Sylvia Tröger, die vom Gemeinderat Ende Mai als Nachfolgerin Ehrleins gewählt wurde. „Sie ist von Haus aus Architektin“, weiß Ehrlein, „und auch als Führungskraft erfahren.“ Von Vorteil sei, dass sie bereits viele verschiedene Tätigkeiten ausgeübt habe. „Ich freue mich, ich glaube das war eine gute Wahl des Gemeinderats. Ich habe ein hohes Interesse daran, dass meine Arbeit gut weitergeführt wird. Das traue ich ihr zu.“

Generell sei für das Amt des Bürgermeisters Erfahrung wichtig, denn: „Man wird nicht als Bürgermeister geboren.“ Mit seiner Erfahrung habe er „Mitarbeiter koordiniert und schwierige Stellen umschifft“. Ihm sei klar gewesen, dass er mindestens zwei Amtszeiten angehen wolle. Sein Resümee? „Ich denke, die Leute waren mit meiner Arbeit zufrieden.“ Schließlich sei er vom Gemeinderat wiedergewählt worden. Bestätigung erhält er von Oberbürgermeister Klaus Demal, der Ehrlein als Bürgermeister mit „hohem Sachverstand und großem Engagement“ bezeichnet und gegenüber meinstutensee ankündigt: „Diese Arbeit soll nochmals im Rahmen einer offiziellen Verabschiedung nach der Sommerpause gewürdigt werden.“ Diese Feier werde wohl Mitte Oktober stattfinden.

Bildquellen

  • Bürgermeister Matthias Ehrlein: Dirk Gebhardt
  • Bürgermeister Matthias Ehrlein: Dirk Gebhardt
  • Sylvia Tröger, Matthias Ehrlein: Landratsamt Karlsruhe/CDU Stutensee/meinstutensee.de
  • Bürgermeister Matthias Ehrlein: Dirk Gebhardt
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