meinstutensee.de


Leserbrief: Zur Schließung der Volksbank-Filiale Staffort

Volksbank-Filiale Staffort

Bild: Nicole Barié

Von Prof. Dr. Manfred Raupp | 02.04.2020 21:49 | 2 Kommentare

Bei dem folgenden Text handelt es sich um den Leserbrief von Prof. Dr. Manfred Raupp, Mitglied der Volksbank Stutensee-Weingarten und Mitglied im Seniorenbeirat der Stadt Stutensee. Der Inhalt gibt die Meinung des Verfassers wieder, nicht die der Redaktion.

Die Volksbank Stutensee-Weingarten beginnt Fusionsgespräche mit der Volksbank Bruchsal-Bretten und garantiert dabei die Erhaltung der Filialen der Bank, lasen wir in der Zeitung. Die Bankfiliale Staffort soll geschlossen werden erfuhren wir mit Brief – Einspruch!

Vor mehr als 50 Jahren wurde ich wie viele Altersgenossen Kunde und Mitglied im Genossenschaftswesen in Staffort, das letztlich in der Volksbank Stutensee-Weingarten aufging.

Jetzt steht die Bank Filiale Staffort offensichtlich vor der Schließung, was mich auch als Mitglied im Seniorenbeirat der Stadt Stutensee aufgeschreckt hat. Hat doch die Volksbank eine satzungsmäßige Sozialverpflichtung. Staffort ohne Bank ist speziell für die Mitglieder, die damals den Bau der Gebäude im Ortskern finanzierten, kaum vorstellbar!

Hat der Aufsichtsrat seine satzungsgemäße Sozialpflicht übersehen oder bewusst diese unterdrückt? Eine Einladung zu einem Zukunftsgespräch mit den Stafforter Mitgliedern ist mir nicht bekannt – jetzt diskutieren die Stafforter Mitglieder zurecht die Arbeit und Kommunikation des Aufsichtsrats.

Das Genossenschaftsgebäude in Staffort wurde mit persönlichem und finanziellem Engagement der Genossenschafts-Mitglieder erbaut. Die Gebäude waren Jahrzehnte in der Ortsmitte ein beliebter Treffpunkt. Für die Genossenschaftsmitglieder meines Alters stellt sich nun die Frage wie künftig die Geldgeschäfte abwickelt werden sollen.

Noch vor kurzem beschwor der Aufsichtsratsvorsitzende der Bank bei einer Beerdigung eines früheren Aufsichtsratsmitgliedes in Staffort den Genossenschaftsgrundsatz „Einer für alle, alle für einen“. Er tat dies, obwohl die Ankündigung der Schließung der Bankfiliale bereits auf dem Weg zu den Mitgliedern war. Ist das nicht zutiefst zynisch? Ist nicht gerade der Grundsatz von Raiffeisen und Schulze-Delitzsch den schwächeren Genossen beizustehen?! War der Aufsichtsrat pflichtvergessen oder was war der Grund vor den anstehenden Fusionsgesprächen diese Entscheidung zu fällen?

Die am Bankautomat überforderten Genossen sollen künftig direkt besucht werden – allein mir fehlt der Glaube dazu; Senioren mit Rollator sollen ins 2 Km entfernte Büchenau, um an ihr Geld zu kommen – eine öffentliche Busverbindung gibt es nicht, wie kann und soll das gehen?

Die Filialleiterin soll künftig in der Telefonzentrale der Bank arbeiten, das sollte im Zeitalter der Digitalisierung auch von der Filiale Staffort aus möglich sein!

Ich appelliere an den Vorstand und Aufsichtsrat der VB Stutensee-Weingarten die veröffentlichte Zusage, wonach eine Fusion mit Bruchsal-Bretten keine Schließung von Filialen mit sich bringen würde, auch auf die Filiale Staffort anzuwenden! Jeder Beschluss kann revidiert werden!

Die in der Gemeinde entstandene Unruhe könnte sonst zu einer ungewollten Diskussion führen. Vertrauen in ihr Leitungsgremium ist das wichtigste Kapital von Genossenschaften speziell in schwierigen Zeiten! Vor Verlust dieses Vertrauens sei gewarnt!

Gez. Dr. Manfred Raupp

Bildquellen

  • Volksbank-Filiale Staffort: Nicole Barié

Kommentare

Ludwig-Wilhelm Heidt

Ich bleibe dabei, dass ich die Auflösung der Volksbankfiliale in Staffort, und zwar innerhalb weniger Wochen, in Verbindung bringe mit der beabsichtigten Fusion der beiden Banken Stutensee-Weingarten und Bruchsal- Bretten. Schlussfolgernd bleibe ich auch dabei, dass dabei Staffort zum „Bauernopfer“ gemacht wurde. Den Versuch einer Rechtfertigung durch den Aufsichtsratsvorsitzenden in den BNN am 1. April halte ich, nach dem Lesen der Presseveröffentlichung im „Kurier“ (2. April), eher für einen misslungenen Aprilscherz! Das war sicherlich ein verzweifelter Versuch, der am Ende allerdings in einen Schuss ins eigene Knie mündete.

„Der Kurier“ veröffentlichte am Donnerstag, 2. April 2020, die nachfolgende Pressemitteilung. Die Genehmigung zur Veröffentlichung des Kurier an dieser Stelle liegt mir genauso vor, wie die Originalmitteilung der Volksbank auch. „Genossenschaftsbanken wollen fusionieren
Gemeinsam in die Zukunft
Bretten (pm). Kräfte nutzen und dort bündeln wo es sinnvoll ist. Das ist die Intention der Volksbank Bruchsal-Bretten und der Volksbank Stutensee-Weingarten. Zwei leistungsstarke und moderne Genossenschaften wollen sich verbinden, um gemeinsam die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Dies haben die Vorstände und Aufsichtsräte der beiden Banken im März beschlossen.
Ganz nach dem genossenschaftlichen Prinzip „Viele schaffen mehr“ streben die beiden Volksbanken eine gemeinsame Fusion an. Sie bieten damit ihren Mitgliedern, Kunden und Mitarbeitern die Chance, von gewachsenen Netzwerken zu profitieren. „In einer Gemeinschaft steckt immer viel Kraft. Vereint man zwei starke Gemeinschaften wie die unseren, so werden ganz neue Kräfte sichtbar. Diese wollen wir nutzen, um weiterhin zukunfts- und wettbewerbsfähig zu sein.“, so Roland Schäfer, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Bruchsal-Bretten.
Bereits seit einigen Jahren arbeiten die beiden Nachbargenossenschaften – nicht nur wegen ihrer räumlichen Nähe, sondern auch wegen der guten partnerschaftlichen Beziehung zueinander – in einzelnen Strategieprojekten zusammen. „Im vergangenen Jahr haben wir gemeinsam mit Mitgliedern und Mitarbeitern unsere KundenServiceCenter auf den Prüfstand gestellt und in einem agilen Prozess Ideen für die zukünftige Gestaltung erarbeitet.“, so Juan Baltrock, Vorstand der Volksbank Stutensee-Weingarten.
Die Ideen, die aus diesem Prozess entstanden sind, zeigten wie gut die Zusammenarbeit der Mitglieder und Mitarbeiter der beiden Banken funktioniert und seien für beide Häuser überaus wertvoll gewesen. Für die Vorstände der Genossenschaftsbanken ein klares Argument für den Zusammenschluss. „Unser urgenossenschaftlicher Gedanke und unser genossenschaftliches Wertesystem verbinden unsere beiden Häuser.“, erklärt Andreas Hahn, Vorstand der Volksbank Stutensee-Weingarten.
Transparenz, Vertrauen, Verantwortung und Engagement seien Werte, die in beiden Genossenschaften fest verankert sind und gelebt werden. Weitere Informationen gibt es auf der Seite http://www.vb-bruchsal-bretten.de im Internet.(Ende des Kurier-Berichts).
Abschließend bedanke ich mich herzlich bei allen, die sich auch in dieser Angelegenheit engagieren, um die Versorgungssicherheit unseres Stadtteils einigermaßen stabil zu halten. Ich freue mich sehr, dass sich insbesondere auch Mitglieder des Seniorenbeirates Stutensee einbringen, um ihrem Auftrag gerecht zu werden, zumindest keine Minimierung von Qualitätsstandards hinzunehmen, sondern diese weiter zu optimieren!

Johannes Rüggeberg

Stellungnahme des Seniorenbeirats

Der Seniorenbeirat der Stadt Stutensee setzt sich für die Beibehaltung der Filiale der Volksbank Stutensee-Weingarten in Staffort ein.

Aufgeschreckt durch einen Brief ihres Mitglieds Prof. Dr. Raupp hat sich der Seniorenbeirat in Stutensee mit der geplanten Schließung der Bankfiliale in Staffort befasst, denn dann verlören viele ältere Menschen in diesem Ortsteil einen wichtigen Ansprechpartner in finanziellen Angelegenheiten. Die augenblickliche Krise macht deutlich, dass insbesondere in ihrer Mobilität eingeschränkte Ältere auf Beratung und Hilfe vor Ort angewiesen sind.

Für diese Einwohner, die zu den häufigsten und treuesten Kontoinhabern der örtlichen Volksbank gehören, ist die Filiale in Staffort unverzichtbar. Dies sollte dazu führen, dass Vorstand und Aufsichtsrat der VB Stutensee-Weingarten ihren angekündigten Entschluss neu überdenken!

Im Namen des Stutenseer Seniorenbeirats
gez. Bernd Heß und Johannes Rüggeberg