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Krötenwanderung am Blankenlocher Gewerbegebiet

Bild: Jessica Reichert

Von Jessica Reichert | 24.02.2021 19:23 | 5 Kommentare

Mit Schubkarre, Hammer, Schaufel und Spaten bewaffnet, haben sich am Samstag, den 20.02.2021 etwa 25 freiwillige Helfer:innen mit Mitgliedern der Agendagruppe Natur und Umwelt Stutensee am Waldrand am Blankenlocher Gewerbegebiet 1 getroffen.

Das gemeinsame Ziel von Dagmar Mittag, die zusammen mit ihrem Mann, Stadtrat Karl Mittag, Gründerin der Agenda-Gruppe ist, war es, wie jeden Frühling, einen Schutzzaun für die Kröten zu errichten. Die Erdkröten erwachen ab etwa 8 Grad  aus ihrem Winterschlaf und wollen sich zu ihrem Laichsee begeben. In Blankenloch ist das der nahe gelegene, aber durch das Gewerbegebiet abgetrennte, Baggersee.

Auffangkasten

Der Bauhof der Stadt Stutensee unterstützt das Vorhaben. Er ist dafür zuständig, die Auffangkästen in die Erde einzugraben.Die freiwilligen Helfer stellten den Zaun entlang der Kästen auf einer Länge von etwa 300 Metern auf. Nach Abschluss dieser Arbeiten ist es die Aufgabe der Freiwilligen, jeden Morgen zu überprüfen, ob sich Kröten in den Auffangkästen befinden. Diese werden dann nach Geschlecht aufgeteilt, sofern sie noch keinen Partner gefunden haben, und in Eimern zum Baggersee transportiert.

“Leider verringert sich der Bestand der Erdkröte bis heute weiter”, so Dagmar Mittag. 2012 seien noch 600 Stück geschätzt worden, aktuell liege der geschätzte Bestand am Blankenlocher Gewerbegebiet zwischen 200 und 300 Tieren.

Korrektur 25.02.2021, 7.53 Uhr: Wir haben klargestellt, dass Kröten, die bereits einen Partner gefunden werden, nicht für den Transport getrennt werden.

Bildquellen

  • Krötenschutzzaun: Jessica Reichert
  • Aufbau Krötenschutzzaun: Jessica Reichert

Kommentare

-kwg-

Ein Bekannter von mir, hat mir vor langer Zeit einmal erklärt, dass das eigentliche Fortpflanzungsritual der Bufo-Bufo, darin besteht, dass die Krötenfrauen, ihre Krötenmännchen auf dem Rücken bis zum Laichgewässer tragen. Weiterhin sollen in der Nacht die Fressfeinde der Kröten, an den schlauchartigen Leitfolien und den Sammelbunkern regelrecht entlang patrouillieren. Dass man nun diese männlichen Rucksack-Touristen, wieder vom Weibchen trennt, kommt mir persönlich jedoch grausam vor. Jetzt hat das Weib endlich mal einen liebevollen Kameraden gefunden, und schwupps finden sie sich, morgens in aller Frühe, in zwei getrennten Eimern wieder. Ohne jetzt groß darauf eingehen zu wollen ob das nun im Fortpflanzungsverfahren nach wissenschaftlicher Meinung eine Rolle spielt oder nicht, möchte ich hier erwähnen, dass ich die Arbeit die speziell hier geleistet wird von all den vielen Menschen und Helfer um Frau Mittag, großartig und ehrenhaft finde. Ich stelle mir nur vor, wenn ich jetzt der verliebte Kröterich wär, und mir meine Liebste genommen wird, da wär ich ganz schön sauer auf Frau Mittag. Aber ehrlich. Das ist ja wie wenn man einen Reiter von seinem Pferd holt, und er muss dann zum Baden nach Hause laufen. Für all meine Kritiker- ich meine es spaßig. Aber je länger ich darüber nachdenke………Vielleicht gibt es außer 10 Zoll-Reifen und zu kurz gedachter, menschlicher Fehlplanungsentwicklungen noch weitere Gründe, die gegen einen Eingriff in über Jahrhunderte übliche natürliche Abläufe sprechen. Wie würde die logistische Unterstützung denn ausgehen, wenn die Kröte sprechen könnte und sagt, dass sie unbedingt ohne fremde Hilfe zum Baggersee laufen möchte. Ungeachtet der Gefahren die lauern.

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Hallo -kwg-, Kröten, die bereits einen Partner gefunden haben, werden nicht für den Transport getrennt. Danke für den Hinweis, wir haben den Text entsprechend ergänzt.

-kwg-

Vielen Dank für den dezenten Hinweis. Das verändert natürlich die von mir angesprochene Grausamkeit beim Krötentransport erheblich und bringt die Geschichte den treuen Weibern von Weinsberg nahe, die das bei den Kröten abgeschaut, und vor fast 900 Jahren ihre Männer vor der Hinrichtung retteten, indem sie dieselben von der jetzigen Burg Weibertreu nach Hause trugen. Nicht weil die Männer zu viel getrunken hatten, sondern weil König Konrad III. ihnen erlaubte, “dass jede Frau von der Burg forttragen dürfe, was sie auf ihren Schultern zu tragen vermöchte”. Die treuen Frauen entschieden sich sodann für ihre auf der Burg im Kampf gefangenen Männer. Später soll die Erfindung des Rucksacks, der Rücktransport der SpaceShuttles-Raumfähren von Kalifornien nach Florida, auf dem Rücken einer Boeing 747, sowie das politische Huckepackverfahren der Krötentransportlogistik zugeschrieben worden sein. Im letzten Fall werden dabei männliche Bundestagsabgeordnete von den wenigen Frauen im Bundestag zu Abstimmungen getragen. Ob nun durch die Trennung bei den Baggersee-Kröten, von Weib und Mann, auch der Effekt des Ertrinkens vieler Weibchen verhindert werden soll, indem teilweise 4-5 Männchen bei der Paarung die Damen zu lange unter Wasser drücken, wäre auch noch spannend zu erfahren. Deshalb: Gibt es noch keine Schwimmflügel für Krötenweibchen? Aber um das zu klären, könnte ich ja nächstes Jahr als aktiver Krötenhelfer die Agendagruppe um Frau Mittag bei ihrer Arbeit um den Blankenlocher Krötenschutz unterstützen, falls so eine Motzkugel wie ich gebraucht werde. Alles Gute und viel Erfolg – wünsche ich allen an dem Projekt beteiligten Helfer*Innen aus ganzem Herzen.

jeleli

Hallo – kwg-, soweit mir bekannt ist, werden noch Freiwillige Helfer/innen für den Abbau des Zaunes gebraucht,evtl wäre das ja auch was für Sie? :-)

-kwg-

Wenn ich jetzt dazukomme wird mein Geheimdienststatus decodiert. Nächstes Jahr – unauffällig – ist mir lieber.