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Regionalplan: So könnte Stutensee wachsen

Symbolbild

Bild: stux/pixabay.com

Von Martin Strohal | 17.06.2021 20:50 | 3 Kommentare

Derzeit befindet sich ein neuer Regionalplan in Entwicklung. Ende 2016 ist das Verfahren zur Aktualisierung des Plans von 2003 gestartet worden. Wenn der Plan in der vorliegenden Form beschlossen wird, würde das den Stutenseer Stadtteilen ermöglichen, deutlich zu wachsen. Der Gemeinderat wird in seiner nächsten Sitzung am 21. Juni über dieses Thema sprechen.

Der neueste Entwurf des Regionalplans stammt vom 13. Januar. Er umfasst die ganze Region und enthält für alle Stutenseer Stadtteile mehr oder weniger große Flächen für Siedlungserweiterungen. Diese werden im Flächennutzungsplan des Nachbarschaftsverbands weiter konkretisiert. Dort dürfen nur Flächen aufgenommen werden, die auch im Regionalplan enthalten sind. Auf Basis des Flächennutzungsplans kann der Gemeinderat Baugebiete entwickeln. In Stutensee steht die Diskussion an, wo die im “Flächenpool” gesammelten zahlenmäßigen Flächen untergebracht werden – das ist nur an den Stellen möglich, die der Regionalplan zulässt.

Folgendermaßen sieht die Planung für die Stutenseer Stadtteile aus – Die Bestands-Siedlungsfläche ist generell rot unterlegt, dunkelgrau werden bestehende Gewerbegebiete dargestellt, Hellgrau sind “Gebiete für regionalplanerisch abgestimmte Siedlungserweiterungen”:

Blankenloch

In Blankenloch ist fast die gesamte Fläche westlich der Bahn betroffen. Lediglich der gelbe Streifen verbliebe für die Landwirtschaft. Im Umweltbericht zu den Flächen westlich der Bahn wird auf deren wertvolle Bedeutung für den Regionalwind hingewiesen. Als sogenannte “Vorrangflur Stufe I” handelt es sich hier zudem um sehr gute Böden für die Landwirtschaft. Auch für das Grundwasser seien die Flächen bedeutsam. Es handelt sich um Trinkwasserschutzgebiete und um Gebiete mit hoher Grundwasserneubildung.

Grün gestreift ist in der Karte eine Radschnellweg-Strecke eingezeichnet, die die Bahnhofstraße entlang führen soll. Hierbei handelt es sich nicht um den von Stadtverwaltung und Gemeinderat bevorzugten Streckenverlauf.

Das rote Sechseck zeigt ein Vorranggebiet (integrierte Lage) entlang der Hauptstraße an. Eine Ergänzung befindet sich im Gewerbegebiet (roter Kreis). Eine Realisierung von Einzelhandelsgroßprojekten mit nahversorgungsrelevanten Hauptsortimenten sei auch außerhalb dieser Lagen möglich, wenn nachweislich keine Standorte verfügbar sind, erläutert die Stadtverwaltung in der Vorlage zur Gemeinderatssitzung. Nahversorgungsrelevanter Einzelhandel könne deshalb auch im Süden von Blankenloch bei Bedarf realisiert werden.

In der Karte ist eine südliche Erweiterung von Blankenloch bzw. ein Eingriff in die Grünzäsur zwischen Blankenloch und Büchig zwar nicht vorgesehen. Die Stadt habe aber bereits in Gesprächen mit dem Regionalverband die Zustimmung erhalten, dass eine bauliche Entwicklung südlich von Blankenloch unter gewissen Vorgaben grundsätzlich möglich sei, so die Verwaltung.

Büchig

In Büchig ist keine Siedlungserweiterung vorgesehen. Im Bild zu sehen ist auch hier der Radschnellweg, den Stadtverwaltung und Gemeinderat aber lieber über die Friedrichstaler Allee durch den Hardtwald führen würden.

Friedrichstal

In Friedrichstal sind größere Siedlungserweiterungen im Teil östlich der Bahn eingeplant und zwar südlich des aktuellen Neubaugebiets “Wohnen mit der Sonne”, aber auch jenseits der Wallonenstraße am Kreisel. Dazu kommen Flächen im Norden des Stadtteils bis zur L558.

Im Umweltbericht sind die Flächen als sogenannte “Vorrangflur Stufe I” eingeordnet. Dabei handelt es sich um sehr gute Böden für die Landwirtschaft. Die Flächen im Norden werden als wertvoll für die Durchlüftung mit Regionalwind eingestuft. Auch für das Grundwasser seien die Flächen bedeutsam.

Spöck

Auch Spöck erhielte laut Plan große zusätzliche Siedlungsflächen in Südwesten, im Westen und im Norden. Zudem ist eine Weiterführung der Stadtbahnlinie S2 in violetten Streifen grob eingezeichnet. Es gebe hierzu bereits entsprechende Freihaltetrassen für die möglichen Linienführungen, so die Stadtverwaltung. Es werde aber auch angeregt, eine mögliche Ost-West-Verbindung und eine den Nutzen erheblich verbessernden Linienführung über den Stadtteil Staffort in diese Überlegungen und Planungen mit einzubeziehen.

Im Umweltbericht zum Regionalplan wurde nur die große Fläche im Südwesten Spöcks untersucht. Diese wird – wie die Flächen in Friedrichstal und Blankenloch – vom Boden in Vorrangflur Stufe I eingestuft. Und auch hier sind die Flächen wertvoll für die Durchlüftung mit Regionalwind sowie für das Grundwasser.

Staffort

In Staffort beschränkten sich die Siedlungszuwächse laut Plan im Norden auf eine Erweiterung des Neubaugebiets “Im Unterfeld”. Die Fläche wird im Umweltbericht nicht erwähnt.

Bei sämtlichen Entwürfen handelt es sich um grobe Entwürfe. Hier müssen keine Neubaugebiete entstehen, dürfen aber. Nach dem Beschluss des Regionalplans und einer Aufnahme in den Flächennutzungsplan liegt es am Stutenseer Gemeinderat, ob dort am Ende gebaut wird oder nicht.

Bildquellen

  • Regionalplan Blankenloch: Regionalverband Mittlerer Oberrhein
  • Regionalplan Büchig: Regionalverband Mittlerer Oberrhein
  • Regionalplan Friedrichstal: Regionalverband Mittlerer Oberrhein
  • Regionalplan Spöck: Regionalverband Mittlerer Oberrhein
  • Regionalplan Staffort: Regionalverband Mittlerer Oberrhein
  • Planung Plan: stux/pixabay.com

Kommentare

-kwg-

Oh-je. Adieu guter, wertvoller Ackerboden der Hardt. Bald werden Spargel und Kartoffeln auf den letzten noch freien schmalen Flächenstreifen links und rechts, entlang der Friedrichstaler, Grabener und Stutenseer Allee angebaut werden müssen. Vielleicht was ganz besonderes weißer und grüner Waldspargel. Ich fass es nicht- was sich da regionalplanerisch über die Jahre entwickelte, ohne dass man rechtzeitig städtischen Einhalt geboten hat. Da wird jetzt sogar auf atmungsaktiv notwendige, früher als unbebaubar bezeichnete Grünzäsuren im Süden keine Rücksicht mehr genommen werden. Hauptsache man sieht den Kirchturm noch vom Steinweg aus. Arme Welt-kann ich da nur sagen. Und arme Blankenlocher Landwirte. Ihr braucht euch dann zur landwirtschaftlichen Entwicklung in der sich verschärfenden Klimakatastrophe, keine allzu großen Gedanken mehr machen. Alles zugepflastert.

Stutenseer

Wenn man sich den Plan für Blankenloch und Büchig anschaut, sollte zumindest mal die ganze Lachwald Fanatiker-Fraktion vorerst zufrieden sein. Das Theam scheint ja nun wirklich vom Tisch zu sein.
Umso mehr wird jetzt ein Flächenbrand für das Gebiet jenseits der Bahnlinie ausbrechen. Ist ja nur eine Frage der Zeit, bis sich sicher auch hier ein paar Unerschrockene zusammenfinden, die eine Bebauung hier für “völlig unnötig” und “unmöglich” erachten werden. “Plötzlich” auftauchende seltene Tierarten werden dieses Gesuch untermauern. Interessant wird auch sein, wie sich hier die Grünen-Fraktion positionieren wird.
So bleibt dann abzuwarten, was sich die Stadtverwaltung und der Gemeinderat für diese nächste “Schlacht” zur Erweiterung von Blankenloch einfallen lassen werden. Es bleibt spannend :-)

Klaus Gompper

Sehr geehrter Stutenseer,
es ist schon bezeichnend, nein eigentlich ist es beleidigend, wenn Sie 7267 Stutenseer Bürgerinnen und Bürger, die beim Bürgerentscheid 2018 für den Erhalt des Lachwalds gestimmt haben (72,4% der abgegebenen Stimmen), herabwürdigend als “Lachwald-Fanatiker-Fraktion” bezeichnen. Was müssen Sie für ein Demokratieverständnis haben….