Geänderte Kita-Öffnungszeiten sorgen für Aufregung

Bewegungsraum Kita Lachwald

Bild: Martin Strohal

Von Martin Strohal | 15.08.2025 7:49 | Keine Kommentare

Die Änderung der Betriebserlaubnis und eine Anpassung der Öffnungszeitenstruktur für die städtischen Kindergärten Lachwald, Märchenwald und Zauberwald standen auf der Tagesordnung der letzten Gemeinderatssitzung vor der Sommerpause. Da die betroffenen Eltern im Vorfeld nicht eingebunden waren, sorgte das Thema für Aufregung und Unverständnis. Die Stadtverwaltung bemühte sich zu vermitteln, dass sich die geplanten Änderungen erst im Verlauf der kommenden zwei Jahre auswirken würden. Bestehende Betreuungsverträge seien nicht betroffen.

Mehrere Eltern äußerten in der Gemeinderatssitzung ihren Unmut. Eltern hätten im letzten Winter aufgrund der vielen Schließtage ihren Job verloren und damit ihre Existenzgrundlage, so ein Vater. Stutensee als familienfreundliche Stadt müsse doch daran gelegen sein, Familie und Beruf verbinden zu können. Er sprach sich dafür aus, über mögliche Änderungen zu sprechen und die anstehende Entscheidung zu verschieben.

27 Eltern hätten sich im Vorfeld der Sitzung in einem Brief an die Mitglieder des Gemeinderats gewandt, berichtete eine Mutter. Die anstehende Kürzung der Betreuungszeiten sei der Beginn einer Abwärtsspirale, befürchtete sie. Strukturelle Probleme dürfe man nicht auf dem Rücken von Kindern und Eltern austragen.

Worum geht es?

Zentraler Punkt der geplanten Änderungen ist die Kürzung der Betreuungszeiten bei Ganztagsplätzen um eine Stunde. Statt bisher von 7 bis 17 Uhr soll die Ganztagsbetreuung künftig nur noch bis 16 Uhr dauern, freitags bis 15:15 Uhr. Statt 50 Stunden pro Woche umfasst sie künftig damit nur noch 42,25 Stunden.

Die Stadtverwaltung argumentierte damit, dass nach eigenen Auswertungen nur rund 30 Prozent der Kinder, die für Ganztagsbetreuung angemeldet sind, überhaupt diese letzte Stunde in Anspruch nehmen würden, das seien etwa zehn Kinder in jeder der drei Einrichtungen.

Die Kürzung der Betreuungszeit solle sich auch in geringeren Gebühren niederschlagen. Der Bedarf nach einer längeren Betreuung solle künftig jährlich abgefragt werden, um “ggf. eine gruppenübergreifende Spätbetreuung” anbieten zu können, die extra bezahlt werden muss.

Durch die Anpassung der Zeiten, wachse die Zahl der Ganztagsplätze von 110 auf 150 Plätze über alle drei Einrichtungen, so Eva-Maria Böker, Leiterin des Amts für Bildung, Kultur und Soziales. Außerdem erhalte die Stadt nur eine Förderung für 44 Stunden Betreuungszeit pro Woche. Für die darüber hinausgehenden Stunden seien der Stadt unverhältnismäßig hohe Kosten entstanden. Die Spätschichten seien zudem auf wenige Erzieher:innen verteilt gewesen. Viele wollten nur vormittags arbeiten, so die Erfahrung der Stadt.

Neben der zeitlichen Anpassung soll es auch Änderungen an der Gruppenstruktur geben. Zum einen soll es in allen Gruppen möglich sein, zwischen den verschiedenen Betreuungsdauern zu wählen. Außerdem sollen die Gruppen teilweise altersgemischt werden.

Für Kinder, die bereits heute im Kindergarten sind oder eine Zusage für das kommende Kindergartenjahr haben, ändere sich nichts. Die Änderungen würden in einer Übergangszeit von zwei Jahren eingeführt werden.

Sabrina Heinze, Vorsitzende des Gesamtelternbeirats, kritisierte den Plan: “Es muss eine Gruppe bis 17 Uhr geben, nicht nur bei Bedarf!” Außerdem bemängelte sie die Kommunikation der Stadtverwaltung. Die Eltern seien nicht eingebunden gewesen, aber auch nicht der Gesamtelternbeirat oder die Erzieher:innen.

Reaktionen aus dem Gemeinderat

“Die Kommunikation war suboptimal und die Reaktion der Eltern nachvollziehbar”, so Klaus Mayer (Freie Wähler). “Familienfreundliche Stadt” sei mehr als ein Spruch. Solange Bedarf bestehe, müsse das Angebot bestehen bleiben. Viele andere Anbieter hätten bereits reduziert.

“Das ist nicht gut gelaufen”, ergänzte auch Beate Hauser (SPD). Sie verlangte, dass es in jeder Kita eine Betreuung bis 17 Uhr gebe.

Christine Stemke (Grüne) ging auf die unklare Formulierung ein, ab wann eine Verlängerung bis 17 Uhr möglich sei. Was sei hier der Schwellwert? Das werde der Gemeinderat im Herbst entscheiden, so Oberbürgermeisterin Petra Becker. Stemke kritisierte zudem die Fluktuation an den betroffenen Kitas. 14 Erzieher:innen hätten gekündigt. Hier müsse eine bessere Teamentwicklung stattfinden und die genauen Ursachen ergründet werden. Das schaffe Unruhe. “Da muss mehr passieren!”

Auch in Karlsruhe gebe es eine hohe Fluktuation, erwiderte Marius Biebsch (CDU). Erzieher:innen seien derzeit sehr gefragt, so dass sie bei für sie besseren Angeboten schnell wechseln würden.

Maren Hochschildt (Grüne) regte an, den Erzieher:innen für die letzte Stunde einen Spätzuschlag zu gewähren, um die Attraktivität zu erhöhen.

“Kommunikation ist wichtig”, betonte Carsten Mohrhardt (CDU). Vieles schüre Ängste. Wenn schon durch Bedarfsabfragen auf die gewünschten Betreuungszeiten eingegangen werden soll, warum würden nicht auch Zeiten von 9 bis 19 abgefragt? Auch wenn die letzte Stunde künftig extra koste, dürfe sie insgesamt nicht mehr kosten als bisher, um das Angebot nicht unattraktiv zu machen.

Der Gemeinderat beschloss die vorgeschlagenen Änderungen einstimmig.

Elternstimmen im Nachgang

Der Bestandsschutz für bestehende Betreuungsverträge wurde bei den Eltern positiv aufgenommen. Dennoch sei die einstimmige Abstimmung ein “schlag ins Gesicht” gewesen, so eine Mutter im Nachgang. Der Bestandsschutz sei ihrer Meinung nach kaum über zwei Jahre haltbar, wenn er schon bisher nur auf dem Papier bestehe und von Herbst bis April wegen Ausfällen beim Betreuungspersonal nicht regulär angeboten werden könne. Sie kritisierte zudem, dass der Bedarf bei den Eltern nicht abgefragt worden sei und fragte sich, warum nur die letzte Stunde betrachtet werde und nicht auch die erste zwischen 7 und 8 Uhr.

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