Die Pestalozzi-Grundschule in Blankenloch soll die erste Ganztagsschule in Stutensee werden. Das beschloss der Gemeinderat. Je nach Bedarf können weitere folgen. Anlass hierfür ist der gesetzliche Anspruch für eine Ganztagsbetreuung ab dem Schuljahr 2026/2027.
Ab September 2026 gilt ein bundesweiter Rechtsanspruch auf eine Kinderbetreuung von acht Stunden am Tag an fünf Tagen in der Woche bei maximal vierwöchiger Schließung im Jahr. Stutensee muss dieser Vorgabe nachkommen. Die Vorgabe gilt zunächst für Kinder der ersten Klasse und weitet sich dann Jahr für Jahr bis zur fünften Klassenstufe aus.
Die Pestalozzi-Schule sei auf die Stadtverwaltung zugekommen mit dem Wunsch, sich zu einer Ganztagsschule zu entwickeln, berichtete Eva-Maria Böker, Leiterin des Amts für Bildung, Kultur und Soziales, dem Gemeinderat in seiner letzten öffentlichen Sitzung.
“Wir wollen keine Ganztagsgrundschule, bei der man sich am Nachmittag irgendwie mit Externen über Wasser halten muss”, betonte Böker. Die Stadt lege Wert auf hochwertige und vielfältige Angebote für die Kinder.
Bereits jetzt besteht an den Stutenseer Grundschulen die Möglichkeit einer kommunalen Betreuung, der sogenannten “Kernzeitbetreuung”. Diese würde – zusammen mit dem Caribi-Feriendorf in den Sommerferien – den Anspruch sogar übererfüllen. Diese Möglichkeit soll auch weiter bestehen bleiben.
Dennoch wolle man parallel das Konzept der Ganztagsschule mit dreimal sieben Stunden pro Woche mit einem pädagogischen Konzept einführen. Lehrkräfte sollen dabei durch eine kommunale Kraft ergänzt werden. Im Gegensatz zum bisherigen Angebot der Stadt handelt es sich um ein kostenfreies Angebot der Schule, das wie der übliche Unterricht verpflichtend zu besuchen ist, wenn man sich dafür entschieden hat. Die Wahlmöglichkeit soll für jedes Schuljahr neu bestehen.
An der Pestalozzi-Schule soll es ab kommendem Jahr die Wahl zwischen einem kostenfreien Ganztagszweig und der bisherigen Halbtagsform mit optionaler kostenpflichtiger kommunaler Betreuung geben.
Die Standortentscheidung fiel nach Betrachtung verschiedener Kriterien wie Einzugsbereich und Erreichbarkeit auf Blankenloch. Bei entsprechendem Bedarf soll die Richard-Hecht-Schule in Spöck in ein paar Jahren folgen. Das Lehrerkollegium in Friedrichstal hatte sich gegen eine Ganztagsschule ausgesprochen.
Eltern waren in Vorbereitung des Beschlusses nicht eingebunden gewesen, was Sabrina Heinze vom Gesamtelternbeirat kritisierte. “Der Bedarf hätte vorher abgefragt werden können, um nicht an allem vorbeizukonzipieren.”
Diese Abfrage soll nach Aussage der Stadtverwaltung nun folgen, ebenso wie die Erarbeitung eines pädagogischen Konzepts und eines Raumplans mit notwendigen baulichen Anpassungen.
Stimmen aus dem Gemeinderat
Eingebunden hingegen waren erstmals die Jugendlichen der Jugendbeteiligung. Diese befürworteten nach vorbereitenden Gesprächen mit Eva Böker das Konzept mit Umsetzung am Standort Blankenloch.
Beate Hauser (SPD) sprach sich dafür aus, an allen Stutenseer Grundschulen Ganztagsgrundschulen einzurichten. Letztlich sei der Bedarf ausschlaggebend, es solle kein Stadtteil ausgeschlossen werden.
Die Ganztagsschule sei eine sinnvolle Ergänzung der Betreuungsmöglichkeiten, so Tobias Walter (CDU/FDP-Fraktion). Er regte an, die Gebäudesituation in Blankenloch zu überprüfen. Das alte Schulgebäude werde nur nachmittags genutzt, während das aktuelle Gebäude hauptsächlich vormittags in Verwendung sei. Hier seien möglicherweise Optimierungen möglich, die die Stadtkasse entlasten.
Den Freien Wählern sei das Wahlrecht der Eltern wichtig, betonte Fraktionsvorsitzender Klaus Mayer. Eine Ganztagsgrundschule sei der richtige weg, wenn beide Zweige ganztags und halbtags angeboten würden. Er empfahl, die Eltern mit Informationsabend und Bedarfsabfrage einzubinden.
Auch die Grünen begrüßten die Ganztagsschule, so Kathrin Weisser, insbesondere, weil die Betreuung hier kostenfrei sei und sich damit auch an bildungsferne und finanzschwache Haushalte richte, die sich die kommunale Betreuung nicht leisten könnten.
Als Grundlage für den Bedarf könne man die Auslastung der Ganztagsbetreuung in den Kitas heranziehen, schlug Volker Stelzer (Grüne) vor. Das werde sich sicher in der Schule fortsetzen.
Der Gemeinderat billigte das geplante Vorgehen mehrheitlich.
Abgelehnt wurde lediglich ein Unterpunkt: Die Stadt wollte sich vom Gemeinderat bestätigen lassen, dass das Untergeschoss der Richard-Hecht-Schule auch künftig nicht für eine Ganztagsschule benötigt werde – in einer früheren Gemeinderatssitzung hatte die Stadt die dortigen Räume für ein städtisches Archiv ausgewählt. Der Gemeinderat lehnte es jedoch ab, diese Bestätigung zu erteilen, da es noch gar keine Planung zu einer Ganztagsschule in Spöck gibt. Der aktuelle Beschluss bezieht sich nur auf den Standort Blankenloch.
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