Bei der Gemeinderatssitzung im Juli stimmte das Gremium für den Bezug von fossilem Erdgas für städtische Gebäude mit einer Laufzeit bis Ende 2028. Gleichzeitig wurde in dem kürzlich verabschiedeten Stadtentwicklungsplan das Ziel der Klimaneutralität der Stadtverwaltung bis 2030 festgeschrieben. Die Zeit bis dahin reicht jedoch dem aktuellen Stand zufolge nicht aus, um alle städtischen Gebäude energetisch zu sanieren.
Klimaneutral zu werden, also in der Energiebilanz kein CO2 mehr auszustoßen, ist und bleibt ein Ziel der Stadtverwaltung, so Christina Kramer, Klimaneutralitätsbeauftragte. Im Stadtentwicklungsplan sind hierfür die Jahre 2030 und 2035 als Ziele genannt. Bis 2030 soll die Stadtverwaltung klimaneutral sein, bis 2035 ganz Stutensee. Aktuell sei ein klimaneutraler Gebäudebestand bis 2035 aufgrund personeller und finanzieller Kapazitäten jedoch nicht erreichbar, so Kramer. Deshalb werde für diesen Baustein das Ziel 2040 ins Auge gefasst. Das entspricht den Vorgaben das Landes.
Klimaneutrale Verwaltung
Zur klimaneutralen Verwaltung zählen neben den städtischen Gebäuden auch noch der Stromverbrauch der Straßenbeleuchtung, der Abwasserreinigung und der Wasserversorgung, ebenso der städtische Fuhrpark und die dienstliche Mobilität.
Ein großer Block sind jedoch die städtischen Gebäude. Unter Kramers Federführung hat die Stadtverwaltung eine “Klimaroadmap” aufgestellt. Ein wesentlicher Punkt beim CO2-Ausstoß ist die Beheizung der Gebäude. Diese müssen nach und nach saniert werden. Das betrifft die Dämmung der Fassaden und Sanierung der Fenster, um Energie zu sparen, aber auch den Austausch der Heizungsanlage, beispielsweise den Anschluss an ein Nahwärme-Netz.
Neuer Vertrag für fossiles Erdgas
Der Gemeinderat hat im Juli beschlossen, für die Beheizung der Gebäude bis 2029 weiterhin auf fossiles Erdgas zu setzen. Das stößt bei der Fraktion der Grünen auf Kritik. Das nun bestellte Gas enthält einen Biogasanteil von 10 Prozent.
Die Umwelt- und Energieagentur des Landkreises habe bestätigt, dass das dem gängigen Standard bei kommunalen Ausschreibungen entspreche, so Kramer. Ein höherer Biogasanteil sei mit signifikant höheren Kosten verbunden, ohne maßgeblich zur Erreichung der gesetzlichen Klimaziele beizutragen. Sowohl Biogas als auch aus Elektrolyse hergestellter klimaneutraler Wasserstoff seien derzeit kaum verfügbar.
Gebäudebestand
Ein wichtiger Aspekt bei dem Thema ist auch die finanzielle Lage der Stadt. Zunächst soll der Gebäudebestand generell betrachtet werden – nicht nur aus Sicht des Klimaschutzes, sondern auch aus finanzieller. Benötigt die Stadt alle Gebäude? Können Raumnutzungen zusammengelegt werden? Gebäude, die der Stadt nicht mehr gehören, müssen nicht von ihr saniert werden. Die Kriterien werden derzeit erarbeitet.
Woher kommt das Geld?
Die Sanierung vieler Gebäude in relativ kurzer Zeit ist bei knappen Kassen herausfordernd. Die Stadtverwaltung untersucht in diesem Zusammenhang derzeit das Thema “Contracting” als eine von mehreren Möglichkeiten. Hierbei übernehmen externe Anbieter die Sanierung von Gebäuden mit allen Kosten. Die Stadtverwaltung würde je nach Vertrag ihre aktuell entstehenden Betriebskosten für das Gebäude für eine gewisse Zeit an diesen Anbieter zahlen. Je mehr Einsparungen die Sanierung gebracht hat, desto mehr kann der Anbieter demnach für sich behalten. Auch hierzu soll es im Lauf des Jahres Entscheidungen geben.
Ganz aufgegeben hat man die Ziele 2030/2035 im Rathaus noch nicht. Werden einzelne Gebäude veräußert oder von Dritten saniert oder würde die Abwasserreinigung in Karlsdorf-Neuthard durchgeführt und damit die energieintensive Abwasserreinigung in Blankenloch beendet werden, würde das zu deutlichen CO2-Einsparungen führen.
Kompensationen
Auch die Möglichkeit der CO2-Kompensation sei nicht ausgeschlossen, so Christina Kramer. Baumpflanzungen in anderen Teilen der Welt, wie sie beispielsweise auch zum Ausgleich von Flugreisen angeboten werden, würden rechnerisch das Treibhausgas aufnehmen, das in Stutensee produziert wird.
Hierüber könnte beispielsweise auch ein Teil der Emissionen aus dem Gebäudebestand bis 2040 kompensiert werden, sofern eine Sanierung bis 2030 oder 2035 nicht möglich wäre. Der Leitfaden des Instituts für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg (ifeu) für die Kommunen in Baden-Württemberg empfiehlt dieses Vorgehen jedoch nur für maximal 30 Prozent der Emissionen und längstens bis zum Jahr 2040.
Bis Anfang 2026 soll in Stutensee eine CO2-Bilanz erstellt werden. Änderungen am Gebäudebestand und neue Finanzierungsoptionen würden zu einer Neubewertung der Zielerreichung führen.
Rahmenbedingungen
Das Klimaschutz- und Klimawandelanpassungsgesetz Baden-Württemberg gibt vor, dass Kommunen 2040 klimaneutral sein müssen. Deutschland hat sich das Ziel gesetzt, 2045 klimaneutral zu sein. Die Europäische Union wie auch die Vereinten Nationen wollen das bis 2050 erreichen. Rahmen für alles ist das Pariser Klimaschutzabkommen, das die Erderwärmung deutlich unter 2 °C, wenn möglich auf 1,5 °C begrenzen soll.
Der Weltklimarat sieht das Jahr 2050 als spätesten Zeitpunkt zur Erreichung des Zwei-Grad-Ziels. Die Einhaltung von 1,5 Grad maximale weltweite Erwärmung gegenüber der vorindustriellen Zeit gilt mittlerweile als sehr unwahrscheinlich.
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