Bahn plant neue Strecke nicht durch Stutensee

Bahnstrecke Karlsruhe - Mannheim

Beitragsbild: Martin Strohal

Von Martin Strohal | 24.11.2025 17:18 | Keine Kommentare

Lange ist beim Bahnprojekt Mannheim-Karlsruhe nichts Neues passiert. Jetzt vermelden die Bundestagsabgeordneten Nicolas Zippelius und Olav Gutting sowie die Stadtverwaltung: Die Vorzugsvariante der Bahn soll von Mannheim kommend nördlich von Graben-Neudorf auf Höhe von Forst auf die Autobahn A5 schwenken und von dort an ihr entlang nach Süden führen. Eine Durchquerung der Stutenseer Gemarkung ist demzufolge vom Tisch. Trotzdem hat die Variante Auswirkungen auf Stutensee.

Die Bahn hat sich für eine Vorzugsvariante entschieden. Mit dieser soll jetzt das Raumordnungsverfahren beginnen. Im Variantenvergleich auf Grundlage der Zugzahlenprognose 2030 Deutschlandtakt schneide die gewählte Linienvariante am besten ab und erfülle die vorgegebenen Planungsprämissen, wie die Bahn mitteilt.

Die Strecke soll künftig von Hockenheim kommend über Waghäusel und Hambrücken bei Forst an die Bundesautobahn 5 geführt werden und dann entlang der A5 nach Karlsruhe führen, so die Information der Stadtverwaltung.

Eine Querung zwischen Friedrichstal, Spöck und Staffort ist damit nicht mehr im Rennen. Dennoch ist Stutensee an seinem östlichen Rand durch zusätzliche Lärmbelastung durch den künftigen Bahngüterverkehr betroffen.

Statement der Stadtverwaltung

Die Stadt Stutensee begrüßt, dass mit der heutigen Entscheidung nun endlich Klarheit besteht. „Wir sind erleichtert, dass die für Stutensee besonders tiefgreifende Zerschneidung der freien Landschaft zwischen Friedrichstal und Spöck und um Staffort keine Rolle mehr spielt”, so Oberbürgermeisterin Petra Becker in einer ersten Stellungnahme. “Gleichwohl bedeutet die nun vorgestellte A5-Variante auch weiterhin eine Nähe zur Trasse – insbesondere für Staffort und Blanken-
loch/Büchig. Das nehmen wir sehr ernst.“

Stutensee werde deshalb darauf hinwirken, im Rahmen der Planung das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.

Statement der Abgeordneten

„Die Vorzugsvariante der Deutschen Bahn setzt unsere zentralen Forderungen um: Keine Zerschneidung von Kommunen und Siedlungsräumen sowie die Bündelung mit Bestandsinfrastruktur”, so das Fazit der Bundestagsabgeordneten Nicolas Zippelius und Olav Gutting (beide CDU). Der Einsatz für eine nachvollziehbare Variante habe sich gelohnt. “Die Auswirkungen auf die betroffenen Kommunen, insbesondere im Hinblick auf den Lärmschutz, werden wir bestmöglich lösen.“

„Ich begrüße die nun vorgestellte Vorzugsvariante ausdrücklich”, so Ansgar Mayr, Landtagsabgeordneter (CDU). “Sie ist sinnvoll, weil sie bestehende Infrastrukturtrassen nutzt und damit zusätzliche Eingriffe in Landschaft und gewachsene Ortsstrukturen vermeidet. Gleichzeitig ist klar: Entlang der geplanten Trasse brauchen wir einen bestmöglichen Lärmschutz. Nur so können wir die Anwohnerinnen und Anwohner wirksam entlasten und die Akzeptanz des Projekts dauerhaft sichern.“

Jetzt betroffen: Waghäusel und Hambrücken

Stutensee ist mit der Entscheidung zwar nicht ganz so stark betroffen wie befürchtet, dafür trifft es Waghäusel und Hambrücken. “Da sich die Wohnbebauung teilweise nur wenige Meter von den Gleisen entfernt befindet, sind die Anwohner schon jetzt extremen Lärmbelastungen ausgesetzt”, so Waghäusels Oberbürgermeister Thomas Deutschle. Seine Stadt werde notfalls auch juristisch gegen die Entscheidung vorgehen.

Auch Hambrückens Bürgermeister Dr. Marc Wagner hält sich alle rechtlichen Möglichkeiten offen. “Mindestens muss der Schallschutz für die betroffenen Bürgerinnen und Bürger im Falle der Durchführung der Maßnahme besser sein, als er es momentan ist.“

Einordnung

Die Deutsche Bahn ist von der Bundesregierung beauftragt, die Engpässe im Güterbahnverkehr zwischen den Hochseehäfen Rotterdam und Genua zu beseitigen. Während die europäischen Nachbarländer ihre Teile bereits erledigt haben, wird im Abschnitt zwischen Mannheim und Karlsruhe noch nach einem möglichen Trassenverlauf gesucht. Aus Platzgründen ist es nicht möglich, die Bestandsstrecke um zwei Gleise zu erweitern.

Am 4. Dezember 2025 um 18 Uhr ist seitens der Deutschen Bahn eine öffentliche Online-Informationsveranstaltung geplant, wie die Bahn mitteilt.

Lesen Sie hier unsere bisherige Berichterstattung zu dem Vorhaben, beginnend im Jahr 2025

Alle Informationen zu dem Projekt sind auf der Projekt-Website der Bahn zu finden.

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