In den Stutenseer Stadtteilen gehen derzeit Vertriebsmitarbeiter:innen von Tür zu Tür, um Glasfaseranschlüsse der Telekom zu verkaufen. Wie Rückmeldungen an unsere Redaktion zu entnehmen ist, sind die Versprechungen groß und nicht immer wahrheitsgemäß.
Vertriebsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter, die auf Provisionsbasis arbeiten, haben ein großes Interesse an Abschlüssen. Nicht jeder hält sich dabei an die Fakten, sondern versucht auch mal, mögliche Kunden unter Druck zu setzen. Das geht aus mehreren Rückmeldungen an die meinstutensee.de-Redaktion hervor sowie aus Kommentaren auf Facebook und Instagram. Das war im Rahmen der Nachfragebündelung der Deutschen Glasfaser zu Beginn des Jahres ebenso der Fall. Worum geht es dabei häufig?
Druck mit Falschaussagen
Mögliche Kunden werden mit der Ankündigung unter Druck gesetzt, dass Vodafone in Kürze das Internet per Fernsehkabel abschalten werde, oder auch die Telekom das Kupferkabel. Zu beiden Behauptungen gibt es derzeit keine entsprechenden offiziellen Aussagen, die sie bestätigen würden.
Aktuell wird auch verkündet, die Deutsche Glasfaser habe sich aus dem Projekt zurückgezogen, und die Telekom würde übernehmen. Auch das stimmt laut letzter Aussage der Deutschen Glasfaser nicht. Allerdings kann es dazu kommen, wie die Pressesprecherin der Deutschen Glasfaser, Diana Stiebe, mitteilt: “Sollte die Telekom vor uns das Glasfasernetz in einem unserer Projekte ausbauen, ziehen wir uns zurück und sagen auch die Aufträge ab.”
Von Deutsche Glasfaser zur Telekom wechseln
Wer bereits im Rahmen der Nachfragebündelung bei der Deutschen Glasfaser unterschrieben hat, kann seinen Auftrag jederzeit stornieren, sofern er noch keine schriftliche Auftragsbestätigung erhalten hat. Auch sobald diese versandt wurde, bestehe noch ein 14-tägiges Widerrufsrecht.
Technische Versprechen
Immer wieder wird von Vertriebsmitarbeiter:innen auch behauptet, 1000 Mbit Glasfaser seien schneller als 1000 Mbit Kabel-Internet (Koaxialkabel). Der wesentliche technische Unterschied ist, dass sich ein Internetnutzer bei DSL und Kabelanschluss die Bandbreite mit seiner Nachbarschaft teilt. Laden alle gleichzeitig Daten, sinkt die Bandbreite für den Einzelnen. Das ist bei Glasfaser nicht der Fall. Hier steht die Bandbreite stabiler zur Verfügung und wird nicht geteilt.
Vorsicht bei Preisvergleichen
Werden Preise genannt, so ist einerseits zu beachten, dass die Tarife der Telekom ebenso wie die der Deutschen Glasfaser in den ersten Monaten reduziert sind und erst später auf ihre reguläre Höhe steigen. Andererseits ist bei genannten Preisen als Vergleich zum bestehenden Internetanschluss auch der Leistungsumfang zu beachten. So sollte es sich um die gleiche Bandbreite handeln. Auch Zusatzgeräte wie Modems und Router, die einmalig gekauft oder monatlich gemietet werden können, fließen in den Preis ein – oder je nach Vertragsart eben nicht.
Ein Leser berichtete der meinstutensee.de-Redaktion, dass sich auf seine Beschwerde über einen Vertriebsmitarbeiter auf Facebook hin die Telekom bei ihm gemeldet habe. Der entsprechende Vertriebler, der mit Falschaussagen gearbeitet habe, sei ermittelt worden. Ihm würden nun Strafen drohen. Ob das tatsächlich geschehen wird, kann die Redaktion nicht prüfen.
Beratungsmöglichkeiten
Die Verbraucherzentralen informieren auf ihrer Website über Glasfaser-Beratungsgespräche an der Haustür und beantworten Fragen zum Thema Glasfaser. Bei weiteren Fragen steht die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg auch für eine persönliche Beratung zur Verfügung.
Wer einen Vertrag an der Haustür geschlossen hat, habe laut §§312, 355 BGB anschließend 14 Tage Widerrufsrecht. Genaue rechtliche Auskunft erteilen hier die Verbraucherzentrale oder ein Anwalt.
Wer sich die technischen Möglichkeiten und Tarife in Ruhe anschauen möchte, kann das über die Website der Deutschen Telekom. Dort lässt sich bei Interesse auch ein Glasfaseranschluss in Stutensee bestellen, ohne mit einem Vertriebsmitarbeiter zu sprechen.
Ausbauankündigung
In einer Pressemitteilung schreibt die Deutsche Telekom, dass ihre Ausbaupläne an keine Vorvermarktungsquoten oder Förderprogramme gekoppelt seien. Die Telekom werde mehr als 870 Kilometer Glasfaserkabel bis ins Haus verlegen und 128 neue Netzverteiler aufstellen. “Bereits in fünf Monaten sollen die ersten Kunden am Netz sein”, so die Ankündigung, wobei der Ausbau erst Ende 2027 abgeschlossen sein soll. Zunächst werde nun ein Ausbaupartner gesucht.
„Unsere Planungen für Stutensee stehen. Wir können loslegen. Ich freue mich, dass wir unseren Kunden in Stutensee in Kürze einen Wechsel zur Glasfaser der Telekom bieten können“, sagt Stefan Winkler, Regionalmanager der Telekom.
Die Beratung an der Haustüre laufe laut Telekom nach klaren Regeln ab: “Die Wohnung betreten die Berater nur, wenn sie dazu aufgefordert werden. Die Kundenberater tragen Kleidung mit Telekom-Logo. Sie können sich mit einem Lichtbildausweis und einem Autorisierungsschreiben der Telekom ausweisen. Darüber hinaus haben sie immer eine Rückrufnummer dabei, über die man im Zweifel per Telefon den Mitarbeitenden identifizieren lassen kann. Diese Nummer lautet 0800 3309765.”
Neu sei, dass Interessierte jetzt auch direkt einen persönlichen Beratungstermin buchen können. Das funktioniert über die Website https://fiber-deutschland.de/. Die Berater arbeiten für die Ranger Marketing & Vertriebs GmbH.
forum Kommentare
“Immer wieder wird von Vertriebsmitarbeiter:innen auch behauptet, 1000 Mbit Glasfaser seien schneller als 1000 Mbit Kabel-Internet (Koaxialkabel). Der wesentliche technische Unterschied ist, dass sich ein Internetnutzer bei DSL und Kabelanschluss die Bandbreite mit seiner Nachbarschaft teilt. Laden alle gleichzeitig Daten, sinkt die Bandbreite für den Einzelnen. Das ist bei Glasfaser nicht der Fall. Hier steht die Bandbreite stabiler zur Verfügung und wird nicht geteilt.”
Das ist nicht ganz korrekt: Bei der von Telekom eingesetzten Glasfaser-Technik (GPON) handelt es sich auch um ein geteiltes Medium. D.h. mehrere Haushalte sitzen am gleichen “Strang” und teilen sich die Bandbreite.
Soweit zur Theorie. In der Praxis (ich nutze Glasfaser der Telekom in Büchig seit zwei Jahren): Die zugesagt Bandbreite wird IMMER übererfüllt. Die Leitung ist extrem stabil (kein einziger Ausfall in zwei Jahren), nicht einmal ein Neustart des Modems war erforderlich. Latenzen gering und stabil (rund 5ms) . Und vor allem: eine ordentliche Uploadgeschwindigkeit von immer 50% des Downloads. Nicht eine skurrile Spreizung a la Vodafone im Kabelinternet, wo zu 1000 MBit im Downstream, gerade einmal 50 MBit Upstream kommen.