Fast zwei Jahrzehnte lang stand Peter “Pepe” Rensch als Präsident der “Piraten” bei Prunksitzungen auf der Bühne. Seit kurzem hat er ein neues Amt, für das er in der ganzen Region herumkommt. Dabei wäre ohne sein Motorrad vermutlich alles anders gekommen.
Mit Motorradfreunden zu den “Piraten”
Wenn Peter Rensch vom Motorradfahren spricht, glänzen seine Augen. Auf seiner schweren Maschine spürt er Freiheit, Gemeinschaft – und ein Stück Abenteuer. Anfang der Neunzigerjahre war der Werkzeugmacher aus Zeutern oft mit Freunden vom Gold Wing Club Karlsruhe unterwegs. Einer Einladung zweier Vereinskameraden folgte er 1993 eher aus Neugier – zu einer Prunksitzung des Stutenseer Karnevalclubs. Was er dort erlebte, sollte sein Leben verändern.
„Die Musik, die Stimmung, die ganze Atmosphäre – das hat mich einfach gepackt“, erinnert sich Rensch heute mit einem Lächeln. Eigentlich war er nie ein aktiver Fasnachter. Aber nach diesem Abend war klar: Da wollte er dazugehören. Aus einem Zuschauer wurde ein Mitmacher – und aus Neugier wurde Leidenschaft.
Von der Guggenmusik zum Präsidenten
Mit „zarten 29 Jahren“, wie er selbst augenzwinkernd sagt, stürzte er sich mitten ins Vereinsleben der „Piraten“. Rensch griff zum Instrument in der damals noch jungen Guggenmusik, marschierte mit und stand gleichzeitig beim Männerballett auf der Bühne. Doch dabei blieb es nicht. In den Jahren darauf übernahm er immer mehr Verantwortung: wurde Mitglied im Elferrat, übernahm 1999 die organisatorische Leitung der Guggenmusik und das Amt des Kellermeisters.
2006 fiel die Wahl schließlich auf ihn als Präsident des Vereins – eine Aufgabe, die er stolze 18 Jahre lang mit Herzblut erfüllte. „Es hat unglaublich viel Spaß gemacht“, sagt er rückblickend. „Aber es war auch stressig. Von meinen 30 Urlaubstagen sind 28 für den Verein draufgegangen.“ Dass trotzdem alles funktionierte, führt er auf das Team zurück: „Du ziehst ein bisschen die Fäden und kannst dich auf alle anderen verlassen – das war immer das Schönste.“
Aufregung vor Prunksitzungen
An seine ersten Prunksitzungen als Präsident erinnert sich Rensch gut – und daran, wie groß die Nervosität war. „Ich konnte vorher nichts essen“, gesteht er. „Man durfte mich nicht ansprechen, bis ich das erste Wort gesagt hatte.“ Auch nach fast zwei Jahrzehnten änderte sich das kaum. Seine Moderationen schrieb er nie komplett auf. „Das wäre zu steif gewesen“, meint er. „Ich wollte spüren, was das Publikum braucht.“ Nach den langen Abenden sei er allerdings „immer völlig ausgepowert“ gewesen.
Beruflich hat Rensch mit ganz anderen Dingen zu tun: Er ist Werkzeugmacher und Fertigungsleiter in einem kleinen Werkzeugbau in Eggenstein. Nach seinem Abschied als Präsident im Jahr 2024 trat Patrick Wittmann seine Nachfolge an – und Rensch hatte plötzlich ungewohnt viel Freizeit.
Als Bezirksbeauftragter für knapp 100 Vereine zuständig
Ganz ohne närrisches Engagement blieb es allerdings nicht lange. Seit Mitte 2025 ist Peter Rensch als Bezirksbeauftragter Mittelbaden für die Vereinigung Badisch-Pfälzischer Karnevalsvereine unterwegs. 98 Vereine gehören zu seinem Zuständigkeitsbereich, Stutensee liegt dabei an der nördlichen Spitze seines Bezirks.
In dieser Rolle ist er Ansprechpartner und Vermittler für die Karnevalsvereine in seinem Bezirk. Mit Rat, Erfahrung und einem offenen Ohr steht er ihnen zur Seite – und sorgt zugleich dafür, dass verdiente Narren die Anerkennung bekommen, die ihnen zusteht.
Erst in diesem Jahr durfte er eine besondere Ehre überbringen: den „Stern mit Brillanten“, die höchste Auszeichnung des Bundes Deutscher Karneval. Sie ging an ein Mitglied aus Daxlanden, das seit stolzen 67 Jahren aktiv ist. „Wenn man liest, wann der angefangen hat – da war ich noch gar nicht geboren“, sagt Rensch lachend. „Dabei bin ich ja auch nicht mehr der Jüngste.“
Heute genießt er die neue Freiheit, seinen Urlaub nicht mehr für Vereinsarbeit opfern zu müssen. Mit dem Motorrad ist Rensch immer noch unterwegs. Doch der Karneval bleibt sein Element – mit all den Begegnungen, Erinnerungen und Geschichten, die er nicht missen möchte.



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