Anfang Februar verlieh die Architektenkammer Baden-Württemberg ihre Auszeichnung “Beispielhaftes Bauen”. Drei der 23 preisgekrönten Projekte im Landkreis Karlsruhe kommen aus Stutensee.
Um das Bewusstsein für die Baukultur im Alltag zu schärfen, lobt die Architektenkammer seit Jahren die Auszeichnung “Beispielhaftes Bauen” aus. “Ziel ist es, beispielhafte Architektur im konkreten Lebenszusammenhang aufzuspüren und Architekt:innen, Stadtplaner:innen und Bauherrschaften für ihr gemeinsames Engagement auszuzeichnen”, heißt es von der Architektenkammer.
Eine siebenköpfige Jury hatte im September über 75 eingereichte Arbeiten beraten und 23 Auszeichnungen vergeben, die sich auf Bretten, Bruchsal, Ettlingen, Karlsbad, Karlsdorf-Neuthard, Kronau, Linkenheim-Hochstetten, Östringen-Tiefenbach, Stutensee und Zaisenhausen verteilen.
Drei der Auszeichnungen gingen nach Stutensee:
Siedlungshaus in Spöck
In der Kategorie “Sanierung, Umnutzung, Um-Ausbau” haben sich Karin und Rolf Vogel mit ihrem Architekturbüro “Planwirkstatt” beworben. Sie haben ein typisches Siedlungshaus für ihre Söhne saniert. “In etwas mehr als einem Jahr haben wir es geschafft das Projekt als Familienprojekt umzusetzen. Eigenleistungen wurde dokumentiert, um zukünftige Bauherrschaften gut über Eigenleistung beraten zu können”, so Karin Vogel.
Die Architektenkammer sagt in ihrem Urteil: Die Sanierung eines typischen Siedlungshaus[es] aus den 1930er Jahren zeigt, wie man Wohnungsnot auf der einen Seite und einer Vielzahl von Gebäuden, die nicht mehr den heutigen Wohnbedürfnissen und Anforderungen entsprechen[,] auf der anderen Seite, beispielhaft begegnen kann. Mit wenigen intelligenten Veränderungen im Grundriss, einer kleinen Erweiterung in Holz-Massivbauweise, dem Einfügen einer neuen Treppe aus dem Verschnitt der neuen Wandelemente, dem Einbau einer Dachgaube und der Ertüchtigung der Erdgeschossdecke konnte einem ortstypischen Gebäude eine Zukunft ermöglicht werden, ohne dabei bereits alle Entwicklungspotentiale für spätere Generationen auszuschöpfen. Das Haus ist ein erstklassiges Referenzobjekt in Sachen Nachhaltigkeit und Nachahmbarkeit.
Umbau einer Scheune in Spöck
Ebenfalls in Spöck befindet sich das nächste ausgezeichnete Projekt, das bereits im Jahr 2020 fertiggestellt wurde. Hier war Andreas Hormuth aus Bruchsal der Architekt. Eine Scheune aus dem Hinterhof wurde kernsaniert, das Obergeschoss für Wohnraum genutzt.
Die Architektenkammer sagt in ihrem Urteil: Die Scheune im Hinterhof ist als Entree geöffnet und spannungsvoll wie ein Bühnenbild inszeniert: Neue Wände und Treppenaufgang im ansonsten unberührten Erdgeschoss, sind schwarz weggestrichen. Der Durchgang zum Garten wirkt wie ein grüner Bildausschnitt im Hintergrund! Wie selbstverständlich sind Flächen für Nebenräume, Parken samt Kinderfahrzeugen einbezogen. Oben beeindruckt der großzügige Wohn- und Küchenraum mit sichtbar gelassenem Gebälk und Mauerwerk, für den das Dach perfekt geöffnet wurde. Zurückhaltende schwarze Einbauten lassen den Altbestand wirken. Im Kontrast dazu präsentieren sich die Schlafräume und das Bad unter der anderen Dachseite elegant in weiss. Eine Nachnutzung, die beispielhaft zeigt, wie mit möglichst viel Erhalt, auf große Eingriffe verzichtet werden kann.
Drais-Halle in Staffort
Der dritte Preis in Stutensee ging an die Stadt für die 2024 fertiggestellte Drais-Halle in Staffort. Architekt war Christoph Dietz von der KUBUS360 GmbH.
Die Architektenkammer sagt in ihrem Urteil: Der Neubau bildet zusammen mit dem evangelischen Kindergarten, der Grundschule und der Stadtbibliothek einen gut angenommenen Schwerpunkt des öffentlichen Lebens im Ort. Dabei ist es eine besondere Leistung, eine Mehrzweckhalle zu bauen, die vormittags Schulsport anbietet, mittags Kindern Betreuungsangebote und abends Angebote für Sport, Kultur sowie Begegnung und das alles in einem eleganten Gebäude. Das Holzhybrid-Bauwerk präsentiert sich als solitärer Quader zurückhaltend und fast bescheiden neben der Grundschule. Seine fast geschlossene Oberfläche aus mattgrauen, fein gegliederten hölzernen Kassetten und ein großer, bodentiefer Glasausschnitt sind gediegen und wohlproportioniert. Im Inneren machen die exakte Konstruktion mit raffinierten Details und gut abgestimmte Materialkonstellationen die Halle zur vielseitig nutzbaren „besten Stube“ von Stutensee.
Die Preisverleihung zum “Beispielhaften Bauen” im Landkreis Karlsruhe 2019-2025 fand am 9. Februar 2026 im Schloss Ettlingen statt.
Die Gewinnerinnen und Gewinner wurden mit einer Plakette ausgezeichnet und dauerhaft in einer Datenbank der Architektenkammer hinterlegt, die auf deren Website zu finden ist.



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