Generationsübergreifendes Singen in Staffort

Gesangverein Germania Staffort

Bild: Sylvia Ganter

Von Sylvia Ganter | 21.04.2026 19:18 | Keine Kommentare

Chöre prägen das kulturelle Leben einer Stadt. Sie vereinen Menschen aller Generationen, bringen unterschiedlichste Stimmen zusammen und schaffen musikalische Begegnungsräume – von der festlichen Kirchenmusik bis zum modernen A-cappella-Ensemble. Ihre Vielfalt spiegelt sich in Repertoire, Tradition und Engagement wider und bereichert nicht nur das musikalische Angebot, sondern auch das gesellschaftliche Miteinander. Mit dieser Beitragsreihe will meinstutensee.de die Chöre in Stutensee näher vorstellen: Wer singt hier? Was motiviert die Sängerinnen und Sänger? Welche Geschichten stehen hinter den Chören?

An einem Dienstagabend in Staffort liegt Musik in der Luft. Wer gegen 19:30 Uhr am Alten Rathaus vorbeikommt, hört Stimmen aus dem ersten Obergeschoss – dort probt der Gesangverein Germania.

17 Sängerinnen und Sänger gehören aktuell zum Chor, im Alter zwischen Mitte 20 und 90 Jahren. Einige von ihnen sind dem Verein seit Generationen verbunden. Der Chor ist damit nicht nur musikalischer Treffpunkt, sondern auch Teil gelebter Ortsgeschichte. Derzeit wird bereits ein Kleinkind an den Chorgesang herangeführt.

Der Gesangverein und seine Geschichte

Die Geschichte des Vereins reicht weit zurück: Gegründet wurde er 1879 zunächst als Männergesangverein „Eintracht“, sieben Jahre später erfolgte die Umbenennung in „Germania“. Bis heute gilt 1886 als offizielles Gründungsjahr.

Seit 1902 leitete Wilhelm Stober über viele Jahrzehnte den Chor. Er war es auch, der die Sänger nach beiden Weltkriegen wieder zusammenholte. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg begann man, einen „Frauensingkreis“ aufzubauen. Wenig später formierte sich daraus ein gemischter Chor.

Gruppenbild vor dem Alten Rathaus aus dem Jahr 2013

Die Menschen hinter dem Chor

Seit 2025 leitet Lukas Stoll neben seinem Schulmusik-Lehramtsstudium den Chor. „Ich möchte mich als Musiker und Chorleiter weiterentwickeln, und der Chor gibt mir einen guten Rahmen, um mich auszuprobieren“, sagt er. Musikalisch geprägt wurde er durch seine Eltern, die ihm in seiner Jugend Instrumental- und Gesangsunterricht ermöglichten, aber auch durch seine Musiklehrer während der Schulzeit.

Die Arbeit mit dem Chor sieht er einerseits als erfüllende Aufgabe, die eigene Freude an der Musik weiterzugeben, gleichzeitig aber auch als Herausforderung, das Beste aus den Sängerinnen und Sängern herauszuholen. „Es wäre schön, wenn unser Chor noch weiter wächst, vor allem an jüngeren Stimmen“, so der Chorleiter.

Schriftführerin Sonja Wilkerson stammt aus einer „Chorfamilie“. Schon ihre Eltern sangen in dem Chor. „Ich habe schon als Kind gerne gesungen“, sagt sie. „Während der Schulzeit hat man früher in dem Fach Musik einfach eine Stunde lang gesungen, einen Chor gab es damals nicht.“

Wilkerson bedauert, dass es zur Zeit aufgrund der Mitgliederzahl nicht möglich sei, größere Auftritte durchzuführen. „Deshalb bringen wir uns über das Jahr verteilt mit kleineren Beiträgen, zum Beispiel beim Maibaumstellen am 30. April oder beim Adventssingen in der Stafforter Kirche ein. Außerdem kann man den Chor auch beim Klingenden Advent erleben, den unser Chor initiiert hat. Wir veranstalten auch kleinere Familiensingstunden, wo jeder mit den Kindern dazukommen kann.“

Chorleiter Lukas Stoll, Schriftführerin Sonja Wilkerson und Vorsitzender Ernst Heidt

Auch der Erste Vorsitzende des Gesangvereins, Ernst Heidt, betont, wie wichtig ihm der Chorgesang ist. Er singt selbst im Chor mit, kümmert sich, gemeinsam mit Sonja Wilkerson, um alles rund um den Chor und sieht sich auch für die Belange des Dirigenten zuständig.

„Zum Singen kam ich als Jugendlicher, ich bin gemeinsam mit Freunden in den Chor gegangen”, erzählt Heidt. “Von zu Hause her war wenig musikalische Erziehung, allerdings hat man früher öfters daheim gesungen, besonders an Weihnachten.“

Sinkende Mitgliederzahlen

Schriftführerin Wilkerson sorgt sich um die sinkenden Mitgliederzahlen, die über kurz oder lang das Aus der Vereinsarbeit bedeuten könnten.

„Die heutige Jugend möchte sich nicht mehr in einem Verein engagieren, ihnen fehlt das Herzblut“, bedauert Wilkerson und sieht einen gesellschaftlichen Trend zu mangelnder Bindungsbereitschaft. Auch Lukas Stoll findet diese Entwicklung schwierig und würde sich freuen, neue Sängerinnen und Sänger im Chor begrüßen zu können.

„Ich würde mir von den Gemeinden und Städten eine größere Unterstützung für unsere Arbeit wünschen und dass nicht immer größere finanzielle Einschnitte und Vorschriften unsere Arbeit als Ehrenamtliche erschweren“, sagt der Erste Vorsitzende.

Musikalisch setzt der Chor auf eine Mischung verschiedener Stilrichtungen – von internationalen Klassikern bis zu Spirituals und deutschsprachigen Liedern. Einnahmen erzielt der Verein unter anderem durch Veranstaltungen wie ein geplantes Frühjahrs-Café im Alten Rathaus, dessen Termin noch festgelegt wird.

Die Proben finden dienstags von 19:30 bis 21:00 Uhr im Alten Rathaus in Staffort (Lutherstraße 10) statt.

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