Dass Kitas und Schulen eine Klimatisierung erhalten sollen, hat der Gemeinderat schon im letzten November beschlossen. Doch welche Einrichtung zuerst? Nach welchen Kriterien soll sich die Reihenfolge richten? Dazu wollte die Stadt bis Sommer einen Stufenplan erarbeiten und die Arbeiten bis dahin zurückstellen. Den Freien Wählern dauerte das zu lange. Sie beantragten Sofortmaßnahmen und hatten damit die Mehrheit des Gremiums auf ihrer Seite.
In den Sommermonaten komme es zu großen Temperaturbelastungen in den städtischen Gebäuden. Besonders betroffen sind Kinder unter drei Jahren in ihren Kita-Schlafräumen. Bislang sind öffentliche Gebäude nicht mit Klimageräten ausgestattet. So manche Kita hat aber bereits auf eigene Kosten mobile Geräte angeschafft.
Stufenplan bis Sommer
Die Stadtverwaltung will das vereinheitlichen und Klimatisierung in Innenräumen als neuen Standard definieren. 30.000 Euro sind für dieses Jahr dafür eingeplant – doch wo soll es losgehen? Die Stadtverwaltung will ein “gesamtstädtisches, bedarfsgerechtes Klimatisierungskonzept” erarbeiten. Bis Sommer soll ein Stufenplan mit Kategorisierung und Priorisierung soll entstehen. Die Abarbeitung werde dann – je nach finanzieller und personeller Situation – mehrere Jahre in Anspruch nehmen.
Zum Einsatz sollen sogenannte festverbaute Split-Geräte kommen. Diese bestehen aus einer Innen- und einer Außeneinheit, die über Leitungen miteinander verbunden sind. Da sich der laute Kompressor in der Außeneinheit befindet, arbeiten die Geräte im Gebäude leiser und sind zudem effizienter also mobile Klimageräte.
Die konkrete Anzahl der Geräte soll im Rahmen der Erarbeitung des Stufenplans festgelegt werden. Pro Gruppenraum rechnet die Stadt mit Kosten in Höhe von 16.500 bis 22.500 Euro brutto. Mobile Geräte will die Stadt als Zwischenlösung nicht anschaffen.
Freie Wähler wollen “zügige Lösung”
Das Vorgehen mit dem Stufenplan klinge plausibel, um nicht planlos loszugehen, so Klaus Mayer für die Freien Wähler. Allerdings sei der Stufenplan bestenfalls Ende Juni fertig, im Juli könne dann die Vergabe erfolgen. Im August seien Sommerferien und kaum Handwerker zu finden, so dass der Einbau der ersten Geräte frühestens im September erfolge, wenn sie nicht mehr gebraucht würden. Eltern würden auf eine zügige Lösung drängen. Bei den Haushaltsberatungen sei an anderer Stelle gespart worden, um Geld für die Klimatisierung bereitzustellen. “Wir haben nicht für eine Wirkung erst im Jahr 2027 gestimmt”, so Mayer. Zudem habe seine Fraktion Schwierigkeiten nachzuvollziehen, wie die hohen Summen bei den Klimageräten zustande kämen.
Die Freien Wähler beantragten deshalb, in einem ersten Schritt die Schlafräume aller Kitas mit maximal zwei Geräten pro Einrichtung auszustatten. Für das weitere Vorgehen solle dann der Stufenplan greifen.
“Der Wunsch nach einer schnellen Lösung ist nachvollziehbar”, so Baubürgermeisterin Tamara Schönhaar. Die Frage sei nur: “Wo fangen wir an? Welches Gebäude hat die höchste Priorität?” Eine konkrete Bewertung des Antrags sei aufgrund des kurzfristigen Eingangs – am Freitag vor der Gemeinderatssitzung – nicht möglich gewesen.
Unterstützung aus dem Gremium
“Junge Kinder sind heute länger in der Kita als früher”, so Tobias Walter (CDU/FDP-Fraktion). “Wir brauchen Klimatisierung.” Seiner Meinung nach sollte St. Josef wegen der laufenden Umbauarbeiten vorgezogen werden, alles andere solle dem Stufenplan folgen.
“Ich kann die Idee nachvollziehen”, so Frank Hornung (Grüne) auf den Antrag der Freien Wähler. Er befürchte nur, dass vor dem Sommer nichts passiere, auch wenn der Antrag angenommen werde. Insgesamt urteilte er: “Lieber eine falsche Entscheidung treffen, als gar nichts machen.” Man müsse die Sache “mehr hemdsärmelig” angehen. Er sehe jedoch nicht, dass der Antrag etwas bringe.
“Die Klimatisierung ist unbedingt notwendig”, unterstützte Wolfgang Sickinger (SPD). Es sei aber auch klar, dass nicht alle Räume auf einmal ausgestattet werden könnten. Das koste nun einmal Zeit. Er sehe keinen so großen Unterschied zwischen der Vorlage der Verwaltung und dem Antrag der Freien Wähler.
“Jede Klimaanlage jetzt, ist eine mehr, die das Leben angenehmer macht”, so Sven Schiebel (Freie Wähler). Man müsse nicht jeder Einrichtung eine Anlage “aufs Auge drücken”. Wenn aber erst eine Erhebung stattfinde, sei man erst zum Jahresende fertig.
Ein Stufenplan werde zum “Hauen und Stechen” führen, es sei schwierig, objektive Kriterien für eine Reihenfolge zu finden, meinte Volker Stelzer (Grüne). Bei einem “hemdsärmeligen” Vorgehen gebe es vielleicht die Chance, bis zum Sommer Erleichterung zu schaffen.
“Wir können lang diskutieren”, stellte Carsten Mohrhardt (CDU/FDP-Fraktion) fest. Schon seit dem Beschluss im November sei nichts passiert. Er plädiere für ein Losverfahren für die Reihenfolge. Jeder Kindergarten solle dann zwei Räume nennen. “Wenn wir nicht anfangen, sind wir auch nächstes Jahr nicht fertig!” Es müsse möglich sein, bis Ostern zu planen und bis Mai einzubauen.
Sollte der Antrag der Freien Wähler durchgehen, würden die Räume in allen Einrichtungen geprüft werden, wenn personelle Kapazitäten in der Verwaltung verfügbar seien.
“Ich sehe das Problem nicht”, erwiderte Thomas Hornung (CDU/FDP-Fraktion). Es gebe drei oder vier Sachbearbeiter für Kitas. Jeder solle in seinen Einrichtungen den Bedarf klären und sich eigenständig Angebote machen lassen. “Ich verstehe nicht, warum wir es so kompliziert machen!”
Oberbürgermeisterin Petra Becker wehrte sich gegen den Vorwurf, die Stadt sei nicht an Lösungen interessiert und es dauere immer so lang. “Andererseits werden wir aufgefordert, immer mit allen zu reden.” Das sei nicht so einfach. Man werde dann einfach irgendwo anfangen, aber nicht darlegen, warum.
Der Änderungsantrag der Freien Wähler wurde bei zwei Gegenstimmen und fünf Enthaltungen mehrheitlich angenommen.
forum Kommentare
Es war schon ein Schauspiel wie sich die Verwaltungsspitze mit allen Mitteln versuchte sich der Entscheidung zu entziehen und die notwendige Klimatisierung noch in diesem Frühjahr zu stoppen.
Es ist ja wohl klar die Kindergärten in Containern und die Räume auf der Südseite zu priorisieren.Bei offenen Türen profitieren auch anliegende Räume ausreichend.
Die aufgerufenen Preise pro Raum sind nicht nachzuvollziehen.
Eine einfache Suche im Web ca 3 bis 5 tausend Euro gesamt mit Markengerät und bis zu 3 Innengeraeten dann 3 Raeume ,pro Raum incl Einbau,welcher im Container lediglich 1 Loch ca 60mm. für Kondensat ,Steuerung und Klimaleitungen erfordert.
Meines Wissens sind ca 110000 Euro vom Gemeinderat für diesen Zweck dieses Jahr vorgesehen(ersparung Abriss Staffort).
Man sollte einfach die Idee vom Gemeinderat Hornung aufgreifen und 3 bis 4 örtliche Unternehmen in den verschiedenen Ortsteilen anfragen zur sofortigen Ausführung, Abgabe Angebot innerhalb weniger Tage .Man braucht hier kein Planungsbuero oder Statiknachweis,die Firmen machen dies jeden Tag.
Sollte der Betrag von 110000 E nicht ausreichen ,kann ja unsere scheidende OB den Kindergartenkindern zu m Abschied noch etwas gutes tun.(Die Kinder und Eltern hatten ja schon unter manchem Missmanagement zu leiden) Sie hat ja laut Hauptsatzung einen Spielraum auf ihre Kappe.Wird ja sonst auch ohne GMrat angewendet.
Es muss jetzt endlich Tempo gemacht werden und keine Ausflüchte an den Haaren herbeigezogen.
Man fragt sich, wenn es so einfach ist, warum dann diese Fachleute im Gemeinderat sitzen und nicht im Rathaus.