Schon seit Jahren kämpft KIT-Professor Achim Dittler für saubere Luft, speziell in seinem bisherigen Wohnort Büchig. Insbesondere die Abgase von Holzöfen seien gesundheitsgefährdend. Die Stadtverwaltung verweist auf mehrfache Untersuchungen durch den Bezirksschornsteinfegermeister, die keine Verstöße ergeben hätten. Dittler klagt nun gegen die Stadt wegen Unterlassung der Gefahrenabwehr.
Achim Dittler ist Experte auf dem Gebiet. Er arbeitet am Institut für Mechanische Verfahrenstechnik und Mechanik am KIT und leitet die Arbeitsgruppe Gas-Partikel-Systeme. Er war Mitglied der Arbeitsgruppe “Saubere Luft” der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Schon seit mehreren Jahren ist er als Experte für Luftverschmutzung und Feinstaubbelastung in den Medien vertreten.
Auch privat ist er betroffen. In seinem Wohngebiet in Büchig habe er mehrfach gesundheitsschädigende Feinstaubbelastungen durch unsachgemäß betriebene Holzöfen gemessen. “Zwangsräucherei” nennt er das. Aus gesundheitlichen Gründen musste er – eigenen Angaben zufolge – mit seiner Familie Büchig inzwischen verlassen.
Mehrfach wies er die Stadtverwaltung auf die Zustände in Büchig hin. Diese beauftragte die fachliche Überprüfung der Feuerstellen. Mängel seien dabei keine festgestellt worden. “Vor diesem Hintergrund bestand für die Stadt Stutensee keine rechtliche Grundlage für ein weitergehendes ordnungsrechtliches Einschreiten”, so die Stadtverwaltung auf Anfrage. “Diese Einschätzung wurde zudem durch Stellungnahmen der zuständigen Fachaufsichtsbehörde sowie der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) bestätigt.”
Das reicht Dittler nicht. “Ich habe vor dem Verwaltungsgericht Karlsruhe Antrag gegen die Stadt Stutensee eingereicht”, sagt er. “Parallel habe ich eine Landtagspetition gestellt, um die aus meiner Sicht skandalösen Zustände in Stutensee zu untersuchen.”
Gleichzeitig unterstellt Dittler der Stadtverwaltung, ihn einschüchtern zu wollen. Sie habe den juristischen Dienst beim Regierungspräsidium gebeten, zu prüfen, man gegen Dittler wegen § 164 Strafgesetzbuch vorgehen könne, so der KIT-Professor. Bei dem Paragraphen geht es um falsche Verdächtigung, also Anzeigen “wider besseren Wissens”. “Der Versuch, meinen jahrelangen Einsatz für saubere Luft im Spielstraßen-Wohngebiet mit vielen kleinen Kindern zu kriminalisieren, statt behördlich die Räucherei einzustellen, ist ein Skandal”, so Dittler.
“Die Stadt Stutensee geht nicht gegen Herrn Professor Dr. Dittler vor”, teilt die Stadtverwaltung auf Anfrage mit. “Vielmehr wird derzeit im Rahmen eines von Herrn Professor Dr. Dittler angestrengten verwaltungsgerichtlichen Verfahrens die zugrundeliegende Rechtslage überprüft.” Zu den Einzelheiten des laufenden Verfahrens könnten jedoch keine weiteren Auskünfte erteilt werden.
forum Kommentare
Wir können ein Lied davon singen. Wir werden tagtäglich von unserem Nachbarn ohne Rücksicht auf uns eingeräuchert. Es reicht schon aus, dass wir für Sekunden ein Fenster öffnen, um festzustellen, ob nebenan wieder angeheizt wurde, schon stinkt das Zimmer nach Rauch.
Es ist für mich vollkommen unverständlich, dass mit diversen Gesetzten (Katalysator für Autos, Partikelfilter, etc. für die Reinhaltung der Luft gesorgt wird, hier aber nichts passiert.