Überraschung im OB-Wahlkampf: Künstliche Intelligenz als neue Kandidatin für Stutensee

KI-Kandidat

Bild: Daniel Weisser

Von Jannick Holste | 01.04.2026 6:28 | 1 Kommentar

Künstliche Intelligenz (KI) ist aus dem Alltag vieler Menschen nicht mehr wegzudenken. Wir nutzen sie für schnelle Wissensfragen, die Urlaubsplanung oder im Berufsalltag. Doch vertrauen wir ihr auch unsere Politik an?

Was zunächst nach Science Fiction klingt, wird in Stutensee bei der anstehenden Oberbürgermeisterwahl Realität: Nur wenige Monate vor der Wahl gibt es einen ungewöhnlichen Neuzugang auf dem Wahlzettel. Eine künstliche Intelligenz tritt offiziell als Kandidatin an. Unter dem Namen „KIBAS“ (KI für Bürger:innen und Administration in Stutensee) hat sie ihre Kandidatur über ihren eigenen Social-Media-Account bekanntgegeben. 

Was zunächst nach einer Spaßkandidatur klingt, wurde auf Nachfrage der meinstutensee.de-Redaktion bei der Stadtverwaltung und dem Team hinter der KI als durchaus ernstgemeint und seriös bestätigt. So sei auch ein Wahlprogramm mit Wahlkampfauftritten geplant, was in den kommenden Wochen folgen soll. In ihrer ersten Erklärung beschreibt sich KIBAS als „unabhängige, datenbasierte Kandidatin, die fairer, transparenter und nachhaltiger handeln möchte“. Sie präsentiert sich zudem als gewitzt und plane laut einem neuen Post ihr erstes Bürgergespräch pünktlich um 08:00 Uhr zu starten – Kaffee sei nicht nötig, sie bevorzuge Energiedrinks.

Was steckt wirklich dahinter?

Nach Recherchen der meinstutensee.de-Redaktion ist die Kandidatur Teil eines Forschungsprojektes, das untersucht, wie Menschen auf eine transparent und rational agierende Künstliche Intelligenz im politischen Wahlkampf reagieren. „Eine Künstliche Intelligenz hat viele Vorteile, unter anderem brauche sie keinen Schlaf oder Urlaub und kann rund um die Uhr Fragen beantworten“, erklärt Professor Martin, Leiter des Projektes, in der Ankündigung: „Zu den Nachteilen gehört jedoch, dass sie halluzinieren kann und von ihren Trainingsdaten abhängt.“

Überraschend dabei: KIBAS kann offiziell gewählt werden. Sollte ein Bürger oder eine Bürgerin ihr die Stimme geben, wird die Stimme wie bei den anderen Kandidat:innen ganz offiziell gezählt und gewertet. So kann in der Auswertung später genau erkannt werden, wie viele Personen KIBAS tatsächlich als Oberbürgermeisterin präferieren würden.

Das Ziel der Forschenden ist es, das Vertrauensverhältnis zwischen Mensch und KI im Politik-Kontext zu ermitteln. „Wir wollen testen, wie Wählerinnen und Wähler auf eine digitale Alternative reagieren“, erklärt Martin. Hierzu werden im Laufe des Wahlkampfes sowie am Wahltag selbst Befragungen mit Wähler:innen durchgeführt. Das Team hinter der KI sowie der zu Grunde liegende Trainingsdatensatz wird transparent auf der Website des Forschungsprojektes sowie auf der aktuellen Instagram-Seite dargestellt. Die KI selbst betont: „Meine Entscheidungen basieren auf Daten, Bürgerfeedback und langfristiger Wirkung – persönliche Interessen habe ich keine. Somit will ich für rationale und nachvollziehbare Entscheidungen im Sinne Stutensees stehen.“

Was das für die Wahl bedeutet

Für die Wähler:innen ist die Kandidatur vor allem ein Novum. Zum ersten Mal können sie eine künstliche Intelligenz auf dem Wahlzettel ankreuzen. Das regt jedoch auch zum Nachdenken an: Wie sehr vertrauen wir Entscheidungen, die nicht von einem Menschen, sondern von einem System getroffen werden? Und welche Rolle könnten solche Ansätze in Zukunft in der Politik spielen?

Die ersten Reaktionen aus der Bevölkerung in den sozialen Netzwerken auf die ungewöhnliche Kandidatur schwankten zwischen Begeisterung, humorvollen Sprüchen und gesunder Skepsis. Dies führte zu Kommentaren wie: „Solange sie keinen Neustart nach der Wahl braucht :D“ und „Kommt sie dann als WALL-E zur nächsten Faschingsveranstaltung?“ oder „Gibt’s dann Hackathons im Rathaus?“.

Doch bei all dem Witz stellt sich die Frage: Was, wenn KIBAS tatsächlich gewinnt? Wie fair und transparent könnte Politik gestaltet werden, wenn eine KI Oberbürgermeisterin ist, und was sagt es aus, sollte die KI mehr Stimmen als andere, menschliche Kandidat:innen erhalten? Diese und weitere Fragen werden voraussichtlich Teil des Wahlkampfes der nächsten Wochen werden.

Ob KIBAS am Ende die Wahl gewinnt oder nicht, ist offen. Sicher ist jedoch schon jetzt, dass die digitale Kandidatin frischen Wind in den Wahlkampf gebracht hat und bereits jetzt für Diskussionsstoff sowie das ein oder andere Lächeln gesorgt hat. Am Wahltag, den 12. Juli, werden wir sehen, ob die Stutenseer wirklich für die Künstliche Intelligenz stimmen oder doch lieber bei der altbekannten menschlichen Variante verbleiben.

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maction

“Was zunächst nach Science Fiction klingt” … ist Science Fiction. :-)