Der Gemeinderat hat in seiner Sitzung am 20. Juli den Bau einer neuen Schutzhütte für den Waldkindergarten Staffort beschlossen. Das Gremium entschied sich mehrheitlich für die sogenannte Mini-Variante, ergänzt um den Anschluss an ein Standard-WC. Die Stadtverwaltung ist beauftragt, die Maßnahme im Haushaltsjahr 2027 umzusetzen.
Die Entscheidung sichert den Verbleib der Einrichtung an ihrem bisherigen Standort am Winkelweg. Das Modell sieht vor, dass die Kinder ihren Tag weiterhin draußen in der Natur verbringen und Innenräume nur bei extremen Wetterlagen nutzen. Die Mini-Variante beinhaltet eine beheizbare Unterkunft in Holz-, Modul- oder Wichtelwagen-Bauweise mit einem kleinen Arbeitsbereich. Die Energieversorgung erfolgt über einen Gasofen sowie ein Solarmodul mit Batterie. Auf den Bau fester Außenspielgeräte wird verzichtet. Die Gesamtkosten für dieses Modell liegen bei rund 240.000 Euro, zuzüglich der Kosten für den WC-Anschluss.
Mängel an der alten Hütte machten Neuregelung erforderlich
Eine Brandschutzbegehung hatte an der bisherigen Schutzhütte am Winkelweg erhebliche Sicherheitsmängel aufgedeckt. Zudem fehlte für den schrittweise erweiterten Bau eine Baugenehmigung. Eine Sanierung des Gebäudes erwies sich als nicht wirtschaftlich, weshalb die Hütte abgebrochen werden muss. Übergangsweise ist der 2004 gegründete Waldkindergarten im Gemeindehaus Staffort untergebracht.
Im März 2025 hatte der Gemeinderat ursprünglich beschlossen, ein größeres Gebäude nach dem „Midi-Standard“ wie bei den Naturkindergärten zu errichten. Diese Variante hätte mit festen Anschlüssen für Frisch- und Abwasser sowie einem Stromnetzanschluss rund 455.000 Euro gekostet.
Die Entscheidung wurde neu aufgerollt, weil das nahegelegene Gemeindezentrum nun doch längerfristig nutzbar wäre. “Der Kindergarten stand aber nie grundsätzlich in Frage”, betonte Eva Böker, Leiterin des zuständigen Amts für Bildung, Kultur und Soziales in der Stadtverwaltung.
Prüfung von Alternativen und Beteiligung von Eltern und Team
Im Zuge der Haushaltsberatungen prüfte die Verwaltung auch eine dauerhafte Mietlösung im Gemeindehaus Staffort. Dies hätte jährliche Miet- und Nebenkosten von 13.200 Euro sowie Einmalkosten für eine kleine Schutzhütte am Waldrand von 240.000 Euro bedeutet. In Workshops sprachen sich Eltern und Erzieherinnen jedoch gegen die Anmietung des Gemeindezentrums aus, da der Schwerpunkt der Betreuung auf den Wegen und Plätzen in der Natur liegt.
Zusätzlich berücksichtigte die Stadtverwaltung die aktuelle Geburtenentwicklung und die Auslastung der Betreuungsplätze in Stutensee. Durch den Ausbau von Kita-Plätzen in den vergangenen Jahren und rückläufige Geburtenzahlen habe sich die Vergabesituation im Stadtgebiet entspannt. Vor diesem Hintergrund empfahl die Verwaltung die standortflexible Mini-Variante am Winkelweg, die der Gemeinderat mit der Ergänzung einer festen Toilette schlussendlich verabschiedete.
Sowohl der Gesamtelternbeirat als auch die bei der Sitzung des Stafforter Ortschaftsrats einige Tage zuvor anwesenden Eltern votierten hingegen für die Midi-Variante. Die Jugendbeteiligung plädierte für die Mini-Variante mit Anschluss an das Versorgungsnetz anstelle einer Komposttoilette.
Ortschaftsrat will weitere Verzögerungen vermeiden
“Vor 15 Monaten hat der Gemeinderat die Midi-Variante beschlossen”, so Stafforts Ortsvorsteher Adalbert Scherer. Er sehe keine überzeugenden fachlichen Gründen für eine Änderung. Das Konzept habe sich nicht verändert.
Die Workshops mit den Eltern hätten sowohl den Standort als auch das Konzept bestätigt. Die Kinder der Einrichtung in Staffort seien nicht ganztags im Wald. In Staffort gebe es seit Jahren keine großen Änderungen bei den Kinderzahlen. “Die Infrastruktur sollte nicht reduziert werden”, so Scherer. Ansonsten fehle sie, wenn eines Tages ein Neubaugebiet erschlossen wird.
Die jetzt aufgebrachte Änderung von Midi- zur Mini-Bauweise sah Scherer nur in der finanziellen Situation der Stadt begründet. “Das soll so benannt werden”, forderte er.
Nur weil eine Ablehnung des Vorhabens zu weiteren Verzögerungen führen würde, habe sich der Ortschaftsrat in Staffort für die Mini-Variante mit einem separaten Modul mit einer Toilette und Wasseranschluss ausgesprochen.
Kindergartenleiterin Heidrun Götz zeigte ein Problem mit der bisherigen Komposttoilette auf: Es gebe im Bauhof nur einen einzigen Mitarbeiter für die Leerung. “Wir sind mit wenig zufrieden”, betonte sie. Aber eine Toilette mit Wasseranschluss sei zu bevorzugen.
Die große Mehrheit von zwanzig Mitgliedern des Gemeinderats stimmte dann auch für die Mini-Bauweise am bisherigen Standort mit einer separaten Toilette, die an das Wassernetz angeschlossen ist. Drei stimmten dagegen, zwei enthielten sich.
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