Die Elternbeiträge für die städtischen Kindertagesstätten in Stutensee steigen zum 1. September 2026 um gut fünf Prozent. Das hat der Gemeinderat in seiner öffentlichen Sitzung am 20. Juli mit 18 Ja-Stimmen gegen 7 Nein-Stimmen beschlossen. Gleichzeitig passen die Ratsmitglieder die Gebühren für das Mittagessen an.
Mit dem Beschluss folgt der Gemeinderat dem bisherigen Stutenseer Berechnungsmodell. Damit erhöhen sich die Monatsbeiträge für Kinder über drei Jahren im Regelbereich mit verlängerter Öffnungszeit (32,5 Stunden) für das erste Kind von 162 Euro auf 170 Euro. Für das zweite Kind steigen die Kosten von 104 Euro auf 109 Euro. Jedes weitere Kind einer Familie, das gleichzeitig die Einrichtung besucht, bleibt gebührenfrei. Auch bei den Betreuungsangeboten für Kinder unter drei Jahren steigen die Sätze entsprechend.
Neu geregelt werden ab September auch die Verpflegungskosten. Für das Mittagessen zahlen Familien künftig pauschal 100 Euro im Monat bei verlängerter Öffnungszeit und 105 Euro in der Ganztagsbetreuung inklusive Nachmittagssnack. Grund dafür ist die Neuvergabe der Speisenversorgung im April, die per Gemeinderatsbeschluss kostendeckend arbeiten muss.
Finanzlücke und Debatte um das Berechnungsmodell
Die Anpassung soll die gestiegenen Personal- und Betriebskosten abfedern. Die Kirchen und die Kommunalen Landesverbände in Baden-Württemberg hatten für das neue Kita-Jahr eine landesweite Erhöhung um 4,5 Prozent empfohlen, um langfristig einen Kostendeckungsgrad von 20 Prozent durch die Elterngebühren zu erreichen. In Stutensee lag dieser Wert im Kindergartenjahr 2024/2025 bei 10,58 Prozent. Die aktuelle Erhöhung bringt der Stadt geschätzte Mehreinnahmen von rund 45.000 Euro im Jahr.
Im Vorfeld der Entscheidung beriet das Gremium über zwei Grundmodelle. Neben dem bisherigen Stutenseer System stand das Modell der Landesverbände zur Wahl. Der wesentliche Unterschied liegt in der Berücksichtigung der Geschwister: Während das Landesmodell alle Kinder unter 18 Jahren im Haushalt einberechnet, zählt Stutensee nur diejenigen Kinder, die gleichzeitig eine Kita besuchen.
Der Gesamtelternbeirat Stutensee hatte sich im Mai eindeutig für die Beibehaltung des Stutenseer Modells ausgesprochen. „Aus Sicht des Gesamtelternbeirats schützt das Stutenseer Berechnungsmodell die Mehrheit der Familien vor einer unverhältnismäßigen und plötzlichen Kostensteigerung“, hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme an die Stadtverwaltung. Da die Mehrheit der Familien in Stutensee zwei Kinder habe, hätte das Verbandsmodell vor allem bei Erstkindern zu spürbaren Mehrkosten geführt.
Demgegenüber plädierte die Jugendbeteiligung Stutensee für eine Anlehnung an das Verbandsmodell, da dieses kinderreiche Familien stärker entlaste.
Ein Änderungsantrag der Grünen wollte das Verbandsmodell kostenneutral skalieren. Dieser fand im Gemeinderat schlussendlich keine Mehrheit.
Mit dem Ratsentscheid tritt die Neufassung der Benutzungsordnung zum September in Kraft.
Stimmen aus dem Gemeinderat
Für das Verbandsmodell votierte die CDU/FDP-Fraktion, während die Freien Wähler für die bisherige Stutenseer Variante plädierte. Die Grünen wollen kinderreiche Familien fördern, weshalb sie die kostenneutrale Variante des Verbandsmodells einbrachten. In Summe hätte die Stadt die gleichen Mehreinnahmen wie bei der bisherigen Variante. Die Erhöhungen würden sich jedoch deutlich zulasten der Gebühren für das erste Kind verschieben.
Die SPD zeigte sich in der Fraktion uneins und konnte jeder Variante etwas abgewinnen. In einer Erhöhung des Deckungsgrads durch die Elternbeiträge von 10 auf 20 Prozent, wie von den Verbänden empfohlen, sieht die Partei allerdings eine “Überforderung der Eltern”.
Carsten Mohrhardt (CDU) gab zu Bedenken, dass schon der jetzige Beitrag eine erhebliche Belastung für Familien darstelle, “auch wenn man nicht schlecht verdient”. Man solle zunächst abstimmen, ob überhaupt eine Erhöhung gewollt sei.
“Ich will nicht, dass der Eindruck entsteht, dass mit dem Geld andere Löcher gestopft werden”, betonte Stadtrat Lutz Schönthal (CDU). Jeder Betreuungsplatz koste die Stadt ein Zehnfaches des Beitrags. Die Eltern zahlen weiterhin nur etwa 10 Prozent der tatsächlichen Kosten. Die Beitragserhöhung diene nur dazu, die Verluste nicht weiter zu erhöhen.
Gegen jede Erhöhung stimmten am Ende nur Beate Hauser (SPD), Carsten Mohrhardt (CDU) und Alexander Skiba (SPD). Bei einer Enthaltung wurde das mit großer Mehrheit jedoch abgelehnt.
Die Änderung des Modells hin zur Verbandsvariante mit Berücksichtigung aller Kinder einer Familie bei gleichzeitiger Kostenneutralität im Vergleich zum “Stutenseer Modell”, also der Antrag der Grünen, wurde mit einer knappen Mehrheit von 14 zu 11 Stimmen abgelehnt.
Die Mehrheit des Gemeinderats plädierte schlussendlich für die Beibehaltung des “Stutenseer Modells”, bei dem Geschwister nur Gebührenermäßigungen erhalten, die sich zur gleichen Zeit in Betreuung befinden. Diese Variante erhielt die Zustimmung von 18 Ratsmitgliedern, sieben stimmten dagegen.
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