Geschichte Blankenlochs

Erste urkundliche Erwähnung des Ortes Blankenloch

Die erste Nennung eines Ortes in einem Schriftstück gilt als dessen Geburtsurkunde. Trotz eines merowingischen Reihengräberfeldes nördlich des Ortsrandes und Funden aus römischer Zeit, die auf eine frühere Besiedlung hinweisen, gilt der 15. Februar 1337 als Geburtsstunde von „Blankelach“ (Blankenloch).

Das Urkundenbuch der Bischöfe von Speyer besagt, dass Bischof Gerhard von Speyer dem Probst von St. Guido, Ulrich von Wirtemberg, den Besitz der Burg Grombach bestätigt. Im Original ist zu lesen, dass Ulrich „die burg zu Grumbach, die stat vnd das Nidergrumbach, Nythard vnd Buchelnawe mit aller zugehorte, nutzen vnd rechten besucht vnd vnbesucht wie sie genannt weren vnd darzu die hove zu Blankelach, die an das bistum gehorent zu Spire mit allen iren nutzen, gaben vnd gegeben hant zu haben vnd zu nyesen, als lange als derselb herr Ulrich lebt in allem dem recht, als ein bischof zu Spire dieselben gut vnd recht haben vnd nyessen solt vnd mocht.“

Die Urkunde trägt das „Datum et actum anno Domini millesimo trecentesimo trigesimo septimo, feria sexta ante cathedram Petri.” Das ist der 15. Februar 1337.

Blankelach, Blankenlach, Blancklach oder Blanckhenloch

Die zweite urkundliche Erwähnung im Jahre 1368 ist eine von über vierzig in den nächsten zwei Jahrhunderten, in denen Blankenloch direkt oder indirekt erwähnt wird. Dabei wechselt die Schreibweise immer wieder (Blankelach, Blankenlach,
Blancklach oder Blanckhenloch). Anlässe für die Urkunden waren in der Regel Besitzerwechsel. Auch in Blankenloch kann wie so häufig über die Entstehung des Ortsnamens nur spekuliert werden.

Meist wird es als „glänzender, blanker See“ interpretiert. So könnte der Name „Blankelach“ als Ableitung der althochdeutschen Wörter „blanc“ (= glänzend, blinkend) und „lacha“ bzw. „lahda“ (= Lache, stehendes Gewässer) gedeutet werden. Andere Deutungen sehen in den ersten Silben den Eigennamen „Blancho“ oder „Blanko“, in der letzten das Wort „loha“, was gleichbedeutend ist mit einer Rodung im Wald. Oder sie sehen die letzte Silbe als „loch“ von „loh“ kommend, was der Bezeichnung für ein Gehölz bzw. ein lichtes Gebüsch entspricht.

Erste Erwähnung eines „Kirchensatzes“

Erstmals wird im Jahre 1392 ein Kirchensatz erwähnt. Ein Kirchensatz räumt dem Besitzer desselben bestimmte Mitwirkungsrechte bei der Besetzung der Pfarrstelle ein. Er ist meist an ein bestimmtes Landgut oder auch nur Grundstück gebunden und mit diesem übertragbar.

In einer Urkunde vom 29. April 1392 heißt es: „Von Staffurt, Edelknecht, verkauft mit Zustimmung des Bischofs Nicolaus von Speier und mit guten Willen seiner Hausfrau, Anna von Sickingen, an Hans Cunzmann von Staffurt einen Hof zu Blankenloch und ein Dritteil an dem Kirchensatz daselbst, von dem Cunzmann bereits 2 Teile hat, …, alles Lehen des Bistums Speier. Gegeben 1392 an dem nächsten Montage nach dem Suntag als man singet Misericordia domini.“

Dies lässt darauf schließen, dass es seit längerer Zeit eine Pfarrstelle und wohl auch Kirche in Blankenloch gab, die aus dem Ertrag dieses Kirchensatzes vergütet wurde.

Edelknecht Gerhard von Blanckenlach

In einem Schriftstück aus dem Jahre 1407 wird erstmals ein adeliges Geschlecht aus Blankenloch erwähnt. Dort heißt es: „Ich Gerhart von Blankenlach, Edelknecht, bekenne offenbar mit diesem Briefe und tue kund allermenigliche, dass ich verkauft han …“ Verkauft hat er, wie die Urkunde weiter aussagt, seine Leibeigenen an den Bischoff Raban von Speyer. Ein Edelknecht war ein adliger Erwachsener, der noch nicht zum Ritter geschlagen war. Die meisten Angehörigen des niederen Dienstadels mussten aus wirtschaftlichen Gründen auf den Erwerb der Ritterwürde verzichten. Häufig ermöglichte man nur dem ältesten Sohn einer Familie den Ritterstand, seine Brüder mussten Edelknechte bleiben. Für das tägliche Leben hatte dies allerdings wenig Bedeutung.

Auf dem Siegel dieser Urkunde ist das Wappen derer von Gamburg zu finden. Deshalb ist anzunehmen, dass es sich hier um Gerhard von Gamburg handelt, der in Blankenloch ansässig geworden war und sich nun von Blankenloch nennt. In späteren Urkunden werden keine Herren „von Blankenloch“ mehr erwähnt.

Erste Erwähnung einer Kirche

Der älteste sichtbare Teil der Michaeliskirche ist ein Epitaph (Grabmal mit Inschrift) aus dem Jahre 1366, auf dem ein gewisser Kraft vom Gamburg erwähnt ist. Der erste indirekte urkundliche Hinweis über das Vorhandensein einer Kirche ist eine Urkunde von 1392 (Tafel 3). Die Pfarrei in Blankenloch war Teil des Landkapitels Durlach und des Archidiakonats Speyer.

Von der Pfarrkirche selbst lesen wir erstmals in einer Urkunde vom 20. November 1464: „Wypert Rudde von Buttlichen, Probst zu St. German in Speyer, genehmigt die durch Jodocus Knoder, Pleban (Seelsorger), Johannes Rüdiker, Schultheiß und Johannes Hollisch, Schöffe und Kirchengeschworener des Dorfes Blancklach geschehene Stiftung und Dotierung der Frühmeßpfründe zu Ehren der Jungfrau Maria und der Märtyrer Fabian und Sebastian in der Kirche daselbst, deren Vergebung dem Markgrafen von Baden zustehen soll“.

Die Pfründe bezeichnet das mit einem Kirchenamt dauernd verbundene Einkommen. Bei den obigen Frühmesspfründen hatte sich die Gemeinde verpflichtet, für den Unterhalt eines die Frühmesse lesenden Geistlichen aufzukommen, wobei es solche Zweit-Priesterstellen nur in größeren Gemeinden gab.

Blanckenloch ist badisch

Die Gemarkung der erst später erwähnten Orte Blankenloch und Büchig könnte bereits seit 1230 zur Markgrafschaft Baden-Pforzheim bzw. Durlach gehört haben. In diesem Jahr ging nämlich die Landes- und Schirmherrschaft über das Kloster Gottesaue und seine Besitzungen auf die Markgrafen über. 1310 erhielt Markgraf Rudolf III. Burg und Dorf Graben als nördlichsten Stützpunkt seiner Markgrafschaft als Lehen.

In Blankenloch waren seit dem Mittelalter die Bischöfe von Speyer sowohl geistliche Oberhirten als auch Eigentümer mehrerer Höfe, die den größten Teil der örtlichen Grundherrschaft ausmachten. Allerdings waren diese Höfe an unfreie Dienstmannen (Ministerialen) weiterverliehen, darunter die Herren von Öwisheim, von Gamburg, von Wurmlingen, von Sickingen, von Staffort und von Itzingen.

Zu Beginn des 15. Jahrhunderts veräußerten sie ihren Besitz bzw. ihre Ansprüche in Blankenloch an die Markgrafen von Baden, die spätestens seit den 1460er Jahren sowohl Patronatsherren als auch Orts- und Landesherren in Blankenloch waren. In einer Urkunde von 1488 wird dies bestätigt. Dort heißt es: „Die Pfarrei zu Blanckellach hat die Markgrafschaft Baden zu lyhen“.

Grundsteinlegung der ersten Michaeliskirche

Dass die heutige Michaeliskirche eine oder mehrere Vorgängerinnen hatte, gilt als sicher. Bei Umbauarbeiten im Jahre 1974 wurde in etwa vier Meter Tiefe ein alter Grundstein der Kirche gefunden.

Am 3. März des Jahres 1521 wurde dieser Grundstein zur neuen Michaeliskirche gelegt. Das Gotteshaus war vermutlich eine Kirche vom so genannten Hochgestadetypus, ähnlich denen in Knielingen oder Eggenstein.

Sie besaß ein einschiffiges Langhaus mit einer ebenen Decke sowie einer Querempore auf der Turmseite und einer Längsempore auf der Südseite. Der Chor hatte ein Netzgewölbe. Hinter dem Altar befand sich das Chorgestühl für den Ortsadel, die Geistlichkeit und das Ortsgericht. Auch darüber befand sich eine Empore, auf der die Orgel stand. Der 29 m hohe Turm und der Chor sollen in die ab 1857 erbaute neue Kirche integriert worden sein.

Bereits vorher gab es wohl seit 300 Jahren eine Kirche, die vermutlich nur aus Holz errichtet war.

Einführung der Reformation

Bisher war das kirchliche Leben der Markgrafschaft, betreut und geführt vom Hochstift Speyer und wohl auch vom markgräflichen Kloster Gottesaue, ganz nach der römisch-katholischer Lehre verlaufen.

Durch den Augsburger Religionsfrieden von 1555 wurde den Landesfürsten das Recht zugestanden, einen der beiden christlichen Konfessionen für ihren Machtbereich frei zu bestimmen. Die Untertanen hingegen mussten die Konfession des Landesherren übernehmen (cuius regio, eius religio – wessen das Land, dessen der Glaube).

Davon ermutigt verkündete 1556 Karl II., seit 1553 Markgraf von Baden, die offizielle Einführung des lutherischen Bekenntnisses für die Markgrafschaft und damit auch für Blankenloch. Nun gehörte die Bevölkerung Blankenlochs über Jahrhunderte hinweg fast vollständig der evangelisch-lutherisch Konfession an.

Die ersten evangelischen Pfarrer waren ab 1558 der Vikar Wolfgang Pfennig und Pfarrer Paul Conzelmann.

Bau des Kerns-Max-Hauses

Das Kerns-Max-Haus ist eines der ältesten, noch vorhandenen Gebäude in Blankenloch. Auf dem Torbogen am Kellereingang steht die Jahreszahl 1603 und der Name des Bauherrn Hans Knilinger, auch der Querbalken über dem nördlichen Eingang, dem ursprünglichen Hauptzugang des Gebäudes, ziert die Zahl 1603.

Zusammen mit dem benachbarten Anwesen Nr. 88 bildete das Kerns-Max-Haus bis ins 18. Jahrhundert eine gemeinsame Hofanlage. Vermutlich im Jahre 1766 führte die in Süddeutschland übliche Realteilung zur Abtrennung des Kerns-Max-Hauses und zur Schaffung eines neuen südlichen Zugangs. Ursprünglich hatte das Haus drei verschiedene Höhenniveaus der Böden und zwei Keller. In den oberen Stockwerken sind Rauchspuren an Wänden und Decken und original bemalte Ausfachungen sichtbar.

Die Besitzergeschichte des Hauses lässt sich bis 1759 zurückverfolgen, für die ersten 150 Jahre fehlen nähere Angaben. 1851 wird erstmals ein Philipp Kern als Eigentümer des Hauses genannt. Dessen jüngster Sohn Max, der „Kerns Max“, war der letzte private Besitzer des Gebäudes und der Namensgeber.

Im Jahre 1997 überließ die Stadt Stutensee das Haus dem neu gegründeten Heimat- und Museumsverein Blankenloch/Büchig e.V..

Erste Notiz über einen Schulmeister

Die im Jahre 1556 in der Markgrafschaft eingeführte Reformation sah vor, dass es Aufgabe der Pfarrer war, die Kinder im Lesen des Katechismus zu unterrichten. Allmählich entwickelte sich jedoch der Stand des Schulmeisters, der in Blankenloch mit dem Mesner-, Gerichtsschreiber- und später auch mit dem Organistendienst gekoppelt war.

Der erste namentlich bekannte Schulmeister ist Georg Meintzer. Von ihm existiert eine Abrechnung seines Lohns aus der Zeit von 1634 bis 1645. Danach erhielt er in zehn Jahren lediglich insgesamt sechs Malter Frucht, obwohl ihm jährlich vier Malter zugestanden hätten.

Im Evangelischen Kirchenbuch von 1693 ist zu lesen, dass Schulmeister Georg Meintzer am 28. Dezember verstorben ist: „Meintzer, welcher die Schule allhier mit höchstem Ruhme geführt und welcher der Jugend Singen, Lesen und Schreiben bestens informiert, mit Fleiß und Eifer“.

Zu jener Zeit (1650) gab es 61 Bürger im Ort, was auf ca. 200 Kinder und Jugendliche schließen lässt.

Plünderung und Brandschatzung

Der Pfälzische Erbfolgekrieg (1688–1697) wurde durch den Tod des Kurfürsten von der Pfalz, Karl II., ausgelöst, dessen Tochter Lieselotte mit dem Bruder Ludwigs XIV. verheiratet war. Frankreich stellte Erbansprüche. Es betrieb im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts eine aggressive Expansionspolitik. Da Kaiser und Reich im Türkenkrieg gebunden waren, wähnte Ludwig XIV. einen Vorteil und wollte sich Gebiete auf Reichsboden sichern und den Rhein als Grenze etablieren. Der Krieg fand in der Kurpfalz und in großen Teilen Südwestdeutschlands statt.

Auch Blankenloch wurde vermutlich im August 1689 von französischen Soldaten unter General Melac, von Mühlburg über Rintheim und Hagsfeld kommend, schwer heimgesucht. Elf Häuser und 19 Scheunen sollen zerstört worden sein, alle Kirchengeräte und drei Glocken requiriert, alle Fenster der Kirche waren zerstört und wurden erst im Jahre 1715 durch die markgräfliche Verwaltung ersetzt.

Erstes Schulhaus in Blankenloch

Vor dem Bau eines Schulhauses fand der Unterricht in der Wohnung des Schultheißen, eines anderen Fleckenvorgesetzten oder im Rathaus statt. Das erste Schulhaus wurde im Jahre 1723 „mitten im Dorf an der Allmendgasse“, wie die Hauptstraße damals hieß, gebaut. Schon 1768 musste es aber „wegen übermäßiger Baufälligkeit“ abgerissen werden und das zweite Schulgebäude entstand an gleicher Stelle. Es war das Werk des namhaften Architekten Johann Friedrich Weyhing, der nach seiner Tätigkeit in Dresden und Stuttgart in markgräflich-badische Dienste trat.

Die Inschrift über dem Fensterbogen gibt noch heute Kunde von den Verantwortlichen der Gemeinde zur damaligen Zeit: „1768 Hans Georg Gierich Schultheis / Jakob Herman Anwald / Lorens Hauer, Jakob Girich bede Bürgermeister“.

Bis 1868 diente das Gebäude als Schulhaus, um dann bis 1971 als Rathaus Verwendung zu finden. Danach beherbergte es das Deutsche Rote Kreuz und den Ärztlichen Notfalldienst. Heute sind im Haus der Hauptstraße 80 verschiedene private Büros untergebracht.

Bau des Schlosses Stutensee

Im Jahre 1652 wurde erstmals nördlich von Blankenloch ein herrschaftlicher Stutenhof angelegt und als „Stutensee“ bezeichnet. 1680 wurde er deutlich vergrößert und ein Fohlenhof ergänzt. 1721 entstand ein herrschaftliches „Lusthaus“ in Fachwerkbauweise.

Im Jahre 1748 fertigte der württembergische Baumeister und Erbauer des Stuttgarter Schlosses Major Leopold Retti einen Entwurf für ein Lust- und Jagdschloss in Stutensee an. Am 1. Februar 1749 erhielt Baumeister Andreas Arnold den Bauauftrag. Die Kosten betrugen 3.979 Gulden. Die Maurerarbeiten erledigten 24 Tiroler Maurer. Die Hardtwaldgemeinden mussten Frondienste leisten. Die Steine der seit 1689 in Trümmer liegenden Stafforter Tiefburg wurden für den Bau des Schlosses verwendet.

In den Folgejahren entstanden zahlreiche weitere Wohn- und Wirtschaftsgebäude, 1834 eine eigene „abgesonderte Markung“ Stutensee, die erst 1882 wieder der Gemarkung Blankenloch zugeschlagen wurde. Im Jahre 1919 wurde der Staat Eigentümer des Schlosses, eine Fürsorgeanstalt für männliche Jugendliche entstand. Heute ist es eine Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe des Landkreises.

Büchig wird selbständig

Bereits 1373 wird Büchig erstmals in einer Urkunde über die Erbansprüche der Mechthild von Sponheim, der Witwe des Markgrafen von Baden, unter etlichen anderen Dörfern der Hardt erwähnt. Vermutlich gehörte es wie Blankenloch bereits seit 1230 zur Markgrafschaft. Als die Landes- und Schirmherrschaft über Kloster Gottesaue und seine Besitzungen auf die Markgrafen überging.

Büchig besteht 1744 aus nur 12 Haushalten und war „von alters her unter dem Staab und dem Gericht zu Blankenloch unterstellt“.

1786 wird auf Bitten der Büchiger, die sich über den „bisher beschwerlichen Verband mit dem Gericht der Gemeinde Blankenloch“ beschweren, die „Aufstellung eines eigenen Gerichts“, d.h. eines eigenen Gemeinderats erlaubt. Damit ist Büchig unabhängig von Blankenloch. Blankenloch hat zu jener Zeit (1793) 200 Bürger, was wohl etwas mehr als 1000 Einwohnern entspricht, Büchig ca. 100 Einwohner.

Am 1. April des Jahres 1936 wird Büchig wieder zu Blankenloch eingemeindet.

Der Blankenlocher Kalenderkrieg

Als 18-jähriger übernahm Karl Friedrich von Baden 1746 die Amtsgeschäfte und wurde zur großen badischen Persönlichkeit: 1771 konnte er die beiden badischen Markgrafschaften vereinigen, 1776 schaffte er die Folterstrafe ab, 1783 die Leibeigenschaft (natürlich auch in Blankenloch). Im Zuge der Neuordnung Europas kamen etliche Gebiete zur Markgrafschaft, Baden hatte nun die heutige Größe. Im Jahre 1806 wurde Karl Friedrich zum ersten badischen Großherzog.

In den letzten Jahren des 18. Jahrhunderts gab der alemannische Heimatdichter und Prälat (geistliches Oberhaupt der Ev. Kirche in Baden) Johann Peter Hebel seinen später beliebten Kalender heraus. Eine übereifrige Verwaltung verordnete, dass jeder Bürger Badens einen Kalender für vier Kreuzer kaufen sollte.

Als die Kalenderverkäufer nach Blankenloch kamen, wurden sie recht unsanft aus dem Dorf gejagt und die Kalender zerrissen. Auch die zur Pfändung angerückten markgräflichen Gerichtsvollzieher erlitten das gleiche Schicksal. Die renitenten Blankenlocher erwarteten Schlimmes und stellten Posten an die Ortseingänge. Doch statt Militär kam nach drei Tagen die markgräfliche Kutsche, die durch den Ort zur Fohlenweide fuhr. Der greise Karl Friedrich stieg aus, ging mit einem Zuckerl zu seinen geliebten Pferden und sagte für alle Umstehenden laut und vernehmlich: „Langsam, numme langsam, wer wird denn für vier Kreuzer und e Zuckerbrödle a glei so grob sei wolle.“ So fand der „Blankenlocher Kalenderkrieg“ ein gutes Ende.

Der Hardtwaldvertrag

Mehrere Hardtwaldgemeinden hatten sich in früherer Zeit zu einer Markgenossenschaft zusammen gefunden. Für ihr altes Hardtwaldrecht, das Weiden der Schweine zur Mast mit Eicheln und Bucheckern sowie das Bau- und Brennholzschlagen, mussten die Bürger der Hardtgemeinden Waldfron leisten.

Immer wieder kam es im Lauf der Jahrhunderte zu Unstimmigkeiten zwischen der Herrschaft und den Bürgern der Hardtgemeinden. Wenn auch von Seiten der Herrschaft meist versucht wurde, die überlieferten Rechte der Markgenossen zu schmälern, blieben die wesentlichen Privilegien zum Teil bis in das 20. Jahrhundert bestehen.

Den längsten Bestand hatte die Brennholz-Berechtigung. Um die „Meinungsverschiedenheiten“ zu klären, wurde am 28. August 1828 ein „Vergleich über die Brennholzberechtigung zwischen dem Großherzoglich-Badischen Forst-Fiscus und den Gemeinden Beiertheim, Blankenloch, Büchig, Friedrichstal, Hagsfeld, Teutschneureut, Welschneureut, Rintheim und Spöck“ geschlossen. Einige Gemeinden hatten Waldstücke als Besitz erhalten, Blankenloch z.B. den Lachwald, außerdem bekam jede Gemeinde jährlich eine bestimmte Menge Holz. Die meisten Rechte wurden im Lauf des 19. und 20. Jahrhunderts abgelöst.

Erweiterung der Michaeliskirche

Bereits im Jahre 1817 hatten sich Pfarramt und Vertreter der Gemeinde Blankenloch an das Großherzoglich-Badische Directorium gewandt mit der „untertänigsten Bitte“ um Schaffung einer größeren Kirche, da die alte für die stark angewachsene Gemeinde zu klein war.

Es war ein langer Weg bis zur Einweihung und ein hartnäckiger Kampf gegen die Bürokratie und den „Großherzoglich Hochgeistigen Evangelischen Oberkirchenrat“. Noch 1851 bezweifelte die Großherzogliche Bezirksbauinspektion die Zahl der Kirchenbesucher, und mit den „bedeutenden Kosten“ könnte man „weit dringendere Herstellungen“ ausführen.

Doch der streitbare Pfarrer Daniel Wilhelm Walz und die Blankenlocher ließen nicht locker. So fasste am 8. Juli 1853 die Hofdomänenkammer einen positiven Beschluss und am 24. Mai 1857 fand die feierliche Grundsteinlegung statt. Der Turm sollte auf 56 m erhöht, das Langhaus nach Osten verlängert und zu beiden Seiten verbreitert werden.

Am 20. Mai 1860, am Sonntag Exaudi, war es soweit. Die neue Kirche wurde von Dekan K. Zimmermann eingeweiht. Eine Ansprache hielt der Senior der Diözese, Pfarrer Henhöfer, aus Spöck.

„Kleinkinderschule“ in der „Kirchgass“

Als Initiator des Kindergartengedankens in Deutschland gilt Friedrich Fröbel. 1840 trat er mit seinen Ideen an die Öffentlichkeit.

Bereits 8 Jahre später, am 12. September 1848 rief der damalige Gemeindepfarrer Karl Stolz zur Gründung einer Kinderschule auf und bat um Spenden. Mit 65 Gulden nahm die Einrichtung noch im gleichen Jahr in privaten Räumen den Betrieb auf. Im Jahr 1858 besuchten 38 Kinder die Schule. Zu bezahlen waren 3 Kreuzer als „wöchentliches Kinderschulgeld“, von Ärmeren 2 Kreuzer. Das Jahresgehalt einer Kinderpflegerin betrug 120 Gulden. Sie betreute zwischen 50 und 60 Kinder ab 2 ½ Jahren.

Ein eigenes Gebäude erhielt die Kinderschule im Jahr 1867 in der Kirchgass, heute Gymnasiumstraße 11-13. Die Blankenlocher Zünfte hatten ihr ehemaliges Zunftvermögen in Höhe von 800 Gulden zur Verfügung gestellt. Bis zum Jahre 1905 war die Einrichtung dort untergebracht. Finanziert wurde die Kinderschule zum Teil auch aus Bußgeldzahlungen. Von einer Kinderzahl von 80 bis 90 wird 1873 berichtet. Deshalb wurde der Kinderpflegerin Leopoldine ihre Nichte Adolphine als „Gehülfin“ mit einem monatlichen Gehalt von 2 ½ Gulden zugeteilt.

Bau der Pestalozzi-Schule

Das Anwachsen der Bevölkerung (1612 Einwohner) und damit der Schülerzahl auf 282 Schülerinnen und Schüler forderte den Gemeinderat auf, sich Gedanken wegen eines größeren Schulhauses zu machen. Bereits 1848 einigte man sich auf ein Grundstück in der „Kirchgass“. Dort wurde ein entsprechendes Gebäude errichtet und bis 1885 für Unterrichtszwecke genutzt. Doch schon im Jahre 1874 wurde der Bau eines neuen Schulhauses gefordert, da das alte zu klein würde.

Nach langem Hin und Her begann man im Sommer 1883 mit dem Bau an der Hauptstraße Nr. 100. Einziger Nachteil des Grundstücks sei die Lage an der „verkehrsreichen Hauptstraße“ – zu einer Zeit als es weder Autos noch Lkws o.ä. gab!

Die feierliche Einweihung der nach Johann Heinrich Pestalozzi benannten Schule fand am 18. Oktober 1885 statt. Im Erdgeschoss befanden sich die „Lehrsäle“, im Obergeschoss zwei Lehrerwohnungen. In den Jahren 1808 und 1809 wurden die Wohnungen in Lehrsäle umgewandelt, da die Schülerzahl auf über 400 gestiegen war. Lehrerwohnungen entstanden in einem Neubau in der Gymnasiumstraße.

Die Staatsbahn Karlsruhe – Blankenloch – Graben-Neudorf

Die erste Fahrt einer Eisenbahn in Baden fand im Jahr 1840 von Mannheim nach Heidelberg statt, fünf Jahre nach der legendären Fahrt der „Adler“ von Nürnberg nach Fürth. In Blankenloch begann das Bahnzeitalter im Jahr 1891. Die Lokalbahn, liebevoll „Lobberle“ genannt, nahm am 29. Januar im nördlichen Abschnitt Hagsfeld – Spöck den Betrieb auf. Eingestellt wurde die Lokalbahn im Jahr 1921.

Im Jahre 1892 teilte das Badische Bezirksamt der Gemeinde Blankenloch mit, dass der Bau einer „strategischen Bahn“ nach Wintersdorf an die deutsch-französische Grenze notwendig sei. Sie solle von Mannheim über Blankenloch nach Karlsruhe verlaufen. So ganz ohne Widerstand verlief die Realisierung des Projektes nicht. In Blankenloch und Friedrichstal war es nicht leicht, in den Besitz der notwendigen Grundstücke zu kommen, teilweise musste enteignet werden.

Das Teilstück Graben-Neudorf – Friedrichstal – Blankenloch – Hagsfeld – Karlsruhe wurde am 1. Mai 1895 in Betrieb genommen. Heute ist es einer der Hauptschienenwege von Nord nach Süd.

Bau des „Luisenheimes“

Im Jahre 1905 stellte die Gemeinde jenseits „der alten Bach“ dem „Frauenverein vom Roten Kreuz“ ein Grundstück zum Bau einer Kinderschule zur Verfügung. Der Verein war Träger der Kinderschule und einer Krankenstation. Dank der großzügigen Unterstützung des Mannheimer Kommerzienrates C. Bensinger, einem Freund des damaligen Pfarrers Ludwig Hoffmann und jüdischen Glaubens, konnte das Gebäude realisiert werden. In Anwesenheit der Schirmherrin und Namensgeberin, Großherzogin Luise, fand die Einweihung am 30. Juni 1905 statt.

Das „Luisenheim“ ist bis heute Domizil des Evang. Kindergartens, wurde allerdings mehrfach saniert und den Erfordernissen eines modernen Kindergartens angepasst. Mit der Zwangsauflösung des Frauenvereins im Jahre 1938 durch einen Runderlass des Ministers des Innern fiel das Grundstück an die Gemeinde.

Im Jahre 1941 übernahm die „Nationalsozialistische Volkswohlfahrt“ Gebäude und Kindergarten. Das „Luisenheim“ hieß „Lerchennest“, eine „Kochschule“ wurde angegliedert und Ende 1944 eine Einheit der Waffen-SS einquartiert.

Nach dem Krieg übernahmen die Schwestern der Evang. Kirchengemeinde wieder den Kindergarten. Das Gebäude blieb im Besitz der politischen Gemeinde.

Anschluss an die Stromversorgung

Der Erste Weltkrieg und dessen Folgen ließen die Stromversorgung im badischen Mittelland ins Stocken geraten. Die erste Anfrage der „Murgwerke“, Vorgänger des Badenwerks, an die Gemeinde datierte bereits vom Jahre 1912. Im Jahre 1914 wurden 11 Hochspannungsmasten im östlichen Gemarkungsteil aufgestellt. Eine Einigung zwischen den Murgwerken und dem 52-köpfigen Bürgerausschuss der Gemeinde kam jedoch erst im Jahre 1920 zustande. Für die stolze Summe von 102.169,03 Mark wurde der Ort an die Stromversorgung angeschlossen. Am 5. Dezember 1921 erfolgte die Schlussmeldung über die endgültige Fertigstellung.

Mit der Stromversorgung änderte sich auch die Straßenbeleuchtung. Glühbirnen lösten Kienspan, Unschlittkerzen und das seit 1865 verwendete Petroleum ab. In der Hauptstraße gab es 19 Wandarmlampen, in der Eggensteiner Gass fünf, in der Kirch- und Witzengass je zwei, in der Allmend- und Linkenheimer Gass jeweils eine, in den anderen Gassen weitere neun. Ein- und ausgeschaltet wurden sie per Hand vom Rathaus aus.

Die Zeit des „Tausendjährigen Reiches“ beginnt

Das Ende der instabilen Weimarer Republik und die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten machten sich auch in Blankenloch bemerkbar. Bei der Gemeinderatswahl am 16. November 1930 erhielt die NSDAP rund 48% der gültigen Stimmen und wurde auf Anhieb stärkste Partei mit der Hälfte der Mandate.

Die Wahl zum 8. Deutschen Reichstag am 5. März 1933 ergab in Blankenloch folgendes Ergebnis: NSDAP – 69,8%, SPD – 19,4%, Kampffront Schwarz Weiß Rot – 7,7%, Ev. Volksdienst – 2,0%, Badisches Zentrum, Deutsche Staatspartei und Deutsche Volkspartei – jeweils unter 1%.

Am 11. März 1933 übernahm NS-Reichskommissar Robert Wagner das Amt des badischen Staatspräsidenten. Am 12. März 1934 wurde auch in Blankenloch der NS-Ortsgruppenleiter in das Bürgermeisteramt eingesetzt, das er bis zum Einmarsch der französischen Streitkräfte am 3. April 1945 inne hatte.

Die Hauptstraße wurde zur Adolf-Hitler-Straße, die Eggensteiner zur Walter-Köhler-Straße, die Bahnhof- zur Robert-Wagner-Straße und die Allmend- zur Horst-Wessel-Straße. Am 1. April des Jahres 1936 wird Büchig wieder zu Blankenloch eingemeindet, nachdem es seit 1786 selbstständige Gemeinde war.

Schwerer Luftangriff auf Blankenloch

In Blankenloch war die Abteilung 6/275 „Joß Fritz“ des Reichsarbeitsdienstes stationiert und mit wasserbaulichen Arbeiten im Auwald und dem Aufschütten der Autobahntrasse zwischen Karlsruhe und Bruchsal beschäftigt. Darüber hinaus bauten die im ganzen Reich angeworbenen „Westwallarbeiter“ fünf Bunker auf Gemarkung Blankenloch. Reste des 22 x 16 m großen Bunkers im Gewann „Auf dem Sohlweg“ sind heute noch vorhanden.

Nordöstlich von Blankenloch bildete eine „Scheinanlage“ die Stadtanlage von Karlsruhe und den Hauptbahnhof nach. Unzählige Luftangriffe waren zu verzeichnen. Am 2. Februar 1945 zwischen 23.10 und 23.45 Uhr warfen britische Flugzeuge vermutlich 30 Sprengbomben und mehrere tausend Stabbrandbomben ab. Die über Karlsruhe abgesetzten „Christbäume“ drifteten bei starkem Südwestwind nach Norden und machten den nördlichen Teil Blankenlochs und die anderen Stutenseer Stadtteile zum Ziel der Bombenabwürfe.

Am 3. April 1945 besetzten französische (Kolonial-) Truppen von Norden kommend Blankenloch. Neben Hunderten von gefallenen Soldaten kamen in Blankenloch selbst 14 Personen ums Leben, ca. 350 Einwohner wurden obdachlos. Viele Wohnhäuser wurden total oder teilweise zerstört.

Verlegung der Wasserleitung

Ende Januar 1946 fanden die ersten freien Gemeinderatswahlen statt, im April 1946 wurde Friedrich Haisch zum Bürgermeister gewählt. Die ersten Jahre waren geprägt von der Beseitigung der Kriegsschäden, der Eingliederung der Heimatvertriebenen und dem einsetzenden „Wirtschaftswunder“ nach der Währungsreform am 21. Juni 1948.

Im Jahre 1950 verzichteten die Blankenlocher Bürgernutzungsberechtigten auf ihr Anrecht zugunsten des Grundstocks für eine Wasserleitung und eine Dreschmaschine. Zwei Jahre später waren alle gemeindeeigenen Grundstücke an die Wasserversorgung angeschlossen – und eine neue Brückenwaage angeschafft. Das erste Wasserwerk an der Stutenseer Allee wurde am 8. Juni 1952 in Betrieb genommen.

Mit dem Bau der Ortskanalisation begann man im Jahr 1960. 10 Jahre später waren 20 km Kanäle verlegt und der Dorfbach hatte seine Schuldigkeit getan! Das zweite Wasserwerk in der verlängerten Eggensteiner Straße entstand 1966.

Bau der St. Josefskirche

Seit 1556 war Blankenloch rein protestantisch. Die wenigen Katholiken wurden von Weingarten pastoriert, kurzzeitig auch von der Karlsruher Pfarrei St. Bernhard. Im Jahr 1936 zählte der spätere Dekan Josef Hafner 124 Katholiken (bei 2742 Einwohnern). Jeden Sonntag fanden im gemieteten Saal des Gasthauses „Blume“ Gottesdienste statt, bis das Gebäude dem Bombenangriff am 2. Februar 1945 zum Opfer fiel. Die Gottesdienste, sonntags und mittwochs, fanden fortan in der Evang. Michaeliskirche statt.

Die Zahl der Katholiken verdoppelte sich bis 1946, da nahezu alle Heimatvertriebenen katholisch waren. Das Erzbischöfliche Ordinariat stimmte dem Bau einer Kirche zu. Der Grundstein wurde am 30. August 1953 gelegt, die Weihe vollzog am 29. August 1954 der in Heidelberg weilende Augustin Olbert, Bischof von Tsingtao/China. 1955 wurde neben der Kirche ein Mesnerhaus errichtet. Grundlegend saniert wurde die Josefskirche in den 70er Jahren, ein neues Geläut 1983 eingebracht.

1969 – kurz vor Fertigstellung von Gemeindezentrum mit Kindergarten und Pfarrhaus in der Blumenstraße – wurde die Filialgemeinde zur selbstständigen Pfarrkuratie erhoben, 1980 zur eigenständigen Pfarrei St. Josef. Im Jahr 2006 entstand ein neues Pfarrhaus neben der Kirche, das alte wurde zum „Haus der Kleinen“ des Kindergartens.

Erschließung des ersten Industriegebietes

Wichtigste Einkommensquelle waren früher die Landwirtschaft und das Handwerk. Ab dem 17. Jahrhundert gab es die markgräfliche Mühle an der Pfinz, aus dem 18. Jahrhundert sind mehrere Ölmühlen belegt. Vier Sägewerke verarbeiteten das Holz aus Hardt- und Auwald.

Mit der Schaffung von Gewerbe- und Industriebetrieben nach der Industriellen Revolution im benachbarten Karlsruhe fanden immer mehr Blankenlocher einen Arbeitsplatz im produzierenden Gewerbe. Meist wurde jedoch die Landwirtschaft „nach Feierabend“ weitergeführt.

Zum ersten Mal wurde im Jahr 1967 ein zusammenhängendes Gewerbe- und Industriegebiet in den Gewannen „Oben am Linkenheimer Weg“, „Wingert“ und „Äußere Wingert“ westlich des Ortes ausgewiesen. Die Schaffung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen sollte gezielt vorangetrieben werden.

Ein „großer Wurf“ gelang mit der Ansiedlung der Fa. Singer, früher Haid-und-Neu, für die der Platz in Karlsruhe zu klein geworden war. Auf 22 ha Fläche, die die Gemeinde von 165 Grundstückseigentümern zusammengekauft hatte, entstanden 1200 Arbeitsplätze. Im Juli 1968 begann die Arbeit im Werk. Später übernahmen die Industriewerke Karlsruhe-Augsburg die Fabrikationsgebäude.

„Fünf auf einen Streich“

„Fünf auf einen Streich“ lautete die Überschrift in der Tagespresse. Am 5. November konnten fünf Großprojekte fertiggestellt bzw. eingeweiht werden. Die erforderlichen Mittel von 8.2 Mio. DM wurden zum größten Teil durch den Verkauf von Grundstücken im Baugebiet Lachwald bereit gestellt.

In der früheren Rheinstraße, der heutigen Rathausstraße, wurde das neue Rathaus in Dienst gestellt. Es bot Platz für alle Ämter der Gemeindeverwaltung – und wurde mit Blick auf die anstehende Gemeindereform konzipiert. Die zu klein gewordene Pestalozzi-Schule erhielt ein drittes Gebäude. Am Hasenäckerweg wurde die neue Kläranlage eingeweiht. Sie galt lange Zeit als vorbildliche und beste Anlage ihrer Art im Landkreis. Das Hebewerk in der Oberfeldstraße nahm seinen Betrieb auf.

Am Steinweg, hinter dem Feuerwehrgerätehaus war ein neuer Bauhof entstanden, mit genügend Platz für den städtischen Fuhrpark, die sonstigen Gerätschaften – und das Streusalz für den Winterdienst. Das Bauhofgebäude wurde bis 1996 genutzt, dann zog die Blankenlocher Abteilung der Freiwilligen Feuerwehr ein. Am Hasenäckerweg, neben der Kläranlage, war ein neuer Zentralbauhof für die Stadt entstanden.

Zusammenschluss zur Gemeinde Stutensee

Im Rahmen der Kreis- und Gemeindereform wurde die Zahl der Landkreise deutlich reduziert. Auch die Zahl der selbstständigen Gemeinden sollte verringert werden. „Emotionen in der Bevölkerung, hitzige Gemeinderatsdebatten, Gründung von Bürgerinitiativen, Gemeinderatsrücktritte, spannungsgeladene Versammlungen, widersprüchliche Verlautbarungen und selbst ein Fackelzug waren die Reaktionen in Blankenloch und anderen bedrohten Gemeinden“. Blankenloch sollte wie Neureut nach Karlsruhe eingemeindet werden!

Dagegen plädierte die deutliche Mehrheit der Bevölkerung für die so gen. Viererlösung, den Zusammenschluss der Gemeinden Blankenloch (einschl. Büchig), Friedrichstal, Spöck und Staffort zur Großgemeinde Stutensee mit 16.000 Einwohnern. An der Abstimmung am 20. Januar 1974 beteiligten sich 77,9% der Blankenlocher Bevölkerung. Davon stimmten 92,8% gegen die Eingemeindung nach Karlsruhe, 94,1% für die Viererlösung. In Friedrichstal und Staffort waren jeweils über 80% für die Viererlösung, in Spöck lediglich 20%.

Am 20. Mai 1974 unterzeichneten die „vier H“, die Bürgermeister Haisch, Hornung, Hecht und Hauck den Stutensee-Vertrag im Schloss. Der „freiwillige“ Zusammenschluss wurde am 1. Januar 1975 Wirklichkeit.

Dritter Bauabschnitt des Schulzentrums

Bereits im Jahr 1973 waren die Bemühungen des Gemeinderates von Erfolg gekrönt: Eine Realschule nahm ihren Betrieb in den Räumen der Pestalozzi-Schule auf. Das Oberschulamt Karlsruhe hatte entschieden: Blankenloch wird Standort eines Bildungszentrums mit Realschule und Gymnasium. Ein Jahr später besuchten die ersten Fünfklässler die Eingangsklasse des Thomas-Mann-Gymnasiums.

Im Jahre 1976 hatten die Bauarbeiten für das neue Schulzentrum am Ostrand von Blankenloch begonnen. Den ersten Bauabschnitt konnten im August 1977 412 Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums und der Realschule in Besitz nehmen. Die Erweiterung wurde umgehend in Angriff genommen. Die steigenden Schülerzahlen und die Einführung der gymnasialen Oberstufe benötigten mehr Raum.

Der zweite Bauabschnitt wurde 1979, der dritte 1982 in Dienst gestellt – und ein Jahr später legten die ersten 43 Abiturientinnen und Abiturienten ihre Prüfungen ab. Inzwischen sind bereits der vierte Bauabschnitt und eine Mensa entstanden.

Nicht nur das Schulzentrum war dem Gemeinderat in den 80er Jahren „lieb und teuer“: Die Pestalozzi-Schule erhielt eine neue Standard-Turnhalle, die Theodor-Heuss-Grundschule wurde großzügig erweitert und ebenfalls mit einer Turnhalle ausgestattet.

Freigabe der Bahnunterführung Linkenheimer Straße

Schon in den 70er Jahren wurde der Bau von Umgehungsstraßen zur Entlastung der stark befahrenen Hauptstraße diskutiert – und 1982 die lang ersehnte Westumfahrung des Ortes (L560) dem Verkehr übergeben: Von Karlsruhe nach Bruchsal und umgekehrt fliest der Verkehr ohne die Ortszentren zu belasten.

Länger dauerte es mit der Landesstraße 559. Die eigentliche Nordumfahrung von Leopoldshafen kommend bis zum Mühlenweg wurde am 1. Dezember 1995 freigegeben, die Weiterführung in Richtung Weingarten zunächst zurückgestellt. Die alljährliche Krötenwanderung zu den Fischteichen südlich der Straße gab den Ausschlag, sie sollte durch Tunnel erleichtert bzw. für die Tiere sicherer werden. Deshalb wurde der Streckenabschnitt vom Mühlenweg bis zum Beginn des Auwaldes „nachgeholt“ und am 20. November 2001 in Dienst gestellt.

Die Nutzung der Bahnstrecke für den schnellen ICE-Verkehr war Grund für die Beseitigung der schienengleichen Bahnübergänge. Am 15. Oktober 1992 wurde die Unterführung im Zug der Linkenheimer Straße frei gegeben, 1996 im Zuge der Eggensteiner Straße – auf dem Grundstück des abgebrochenen Sägewerkes Rückert. Das alte Sägegatter blieb erhalten und wurde neben der Unterführung aufgestellt.

Die Stadtbahn fährt

Anfang der 90er Jahre begann die Diskussion über den Bau einer Stadtbahnverbindung nach Karlsruhe. Als Problem erwies sich die Trassenführung: Durch die Hauptstraße oder als so gen. drittes Gleis entlang der Bahnlinie.

„Die Stadtbahn muss zu den Menschen kommen, nicht die Menschen zur Stadtbahn“ bezog der Chef der AVG Dieter Ludwig eindeutig Stellung. Und so kam es. Trotz Protesten der Anwohner entschieden sich Ortschafts- und Gemeinderat für die Trasse durch die Ortsmitte. Die Ver- und Entsorgungsleitungen in der Hauptstraße wurden komplett erneuert, sie wurde entsprechend der Ergebnisse eines Architektenwettbewerbes grundlegend umgestaltet.

Die Vorarbeiten begannen 1995. Knapp zwei Jahre später, am 20. September 1997, fuhr die erste Stadtbahn von Karlsruhe über Hagsfeld, den Reitschulschlag und Büchig durch die Blankenlocher Hauptstraße bis zur Wendeschleife Blankenloch-Nord – fast genau auf der Trasse des alten „Lobberle“, das 1921 seinen Betrieb einstellen musste. Die Stadtbahn wurde sehr gut angenommen, durch Ausbildungs- und Berufspendler und Seniorinnen und Senioren, die wieder mobil wurden!

Ernennung zur Großen Kreisstadt

Seit der Gemeindereform im Jahr 1975 war die Großgemeinde Stutensee mit ca. 16.000 Einwohnern die größte Gemeinde des Landkreises Karlsruhe ohne Stadtrecht. Und die Einwohnerzahl nahm stetig zu. Blankenloch und Stutensee sind attraktives Wohngebiet im direkten Umfeld von Karlsruhe, im „Speckgürtel“, wie der Karlsruher Oberbürgermeister Prof. Dr. Seiler formuliert hatte.

Als die 20.000-Einwohner-Grenze überschritten war, beantragte der Gemeinderat die Ernennung zur Großen Kreisstadt. Die Voraussetzungen waren gegeben. Am 1. Januar 1998 war es soweit: Auf Beschluss des Ministerrats wurde Stutensee zur Großen Kreisstadt erhoben und Ministerpräsident Erwin Teufel brachte die Urkunde persönlich zum Festakt.

Lange und oftmals zeitraubende Wege zum Landratsamt nach Karlsruhe wurden überflüssig. Die Baugenehmigung und vieles andere mehr konnten vor Ort beschieden werden, die Fördermöglichkeiten für Wohnbauvorhaben wurden deutlich besser. Stutensee „spielte nun in einer anderen Liga“: Als vierte Große Kreisstadt im Landkreis ist es Gesellschafter der Technologie-Region und hat Gewicht in der Region.

Einweihung des Neuen Marktes

Die Umgestaltung des Quartiers nördlich der Michaeliskirche zum Neuen Markt und die Teilverlegung der Gymnasiumstraße war das letzte große Projekt der Sanierung „Ortskern Blankenloch“. 1987 wurde das Sanierungsgebiet „Ortskern Blankenloch“ in das Landessanierungsprogramm aufgenommen. Das Land stellte zunächst 4,8 Mio. DM bereit. Der Förderrahmen wurde sukzessive auf 7,263 Mio. DM erhöht, wobei die Stadt Stutensee ein Drittel der Kosten zu tragen hatte. Sanierungsziele für das 7,2 ha große Sanierungsgebiet waren die Neugestaltung der Hauptstraße und die Verbesserung der Wohn- und Arbeitsverhältnisse.

Der Schlussbericht stellte im Jahr 2001 fest, dass alle Sanierungsziele erreicht wurden: Als erste Maßnahme wurden das Rathausgässchen umgestaltet und die Grundstücksverhältnisse geordnet. Es folgte der Neubau des „Brunnenhofes“ und der Volksbank Stutensee Hardt, die Sanierung des Ensembles mit dem „Hermannshäusle“, die Erweiterung des Rathauses und die Gestaltung des Neuen Marktes.

Den Schwerpunkt der Sanierung bildete allerdings die Förderung privater Vorhaben. Insgesamt wurden Modernisierungs- und Sanierungsmaßnahmen bei 82 Gebäuden mit 40% der Kosten bezuschusst.

Stadtbahn bis Spöck

Ab den späten 90er Jahren wurde die Infrastruktur in Blankenloch mit dem Bau des Seniorenzentrums und betreuter Wohnungen und der Einrichtung der Bürgerwerkstatt beim Kinderund Jugendzentrum nochmals deutlich verbessert.

Seit 1997 verbindet die Stadtbahnlinie S2 Blankenloch mit Rheinstetten südlich von Karlsruhe. Der Bau der Verbindung nach Blankenloch umfasste den ersten und zweiten Bauabschnitt des gesamten Vorhabens. Der dritte Bauabschnitt sollte den Stadtteil Friedrichstal anbinden, der vierte den Stadtteil Spöck.

Nach dem Beginn der Arbeiten konnte im Jahr 2006 die Strecke in Betrieb genommen werden. Seitdem fahren in der Regel alle 20 Minuten Stadtbahnen via Blankenloch und Friedrichstal nach Spöck und zurück. Der Stadtteil Blankenloch wird morgens und abends alle zehn Minuten „bedient“.

Veröffentlichung des Textes mit freundlicher Genehmigung
von Hanspeter Gaal und Ludwig Streib