Ob die 46. Große Prunksitzung des Elferrates Friedrichstal überhaupt am vergangenen Samstag stattfinden konnte, war noch kurz vor der Veranstaltung fraglich. Wegen einer seit 2024 nicht abgearbeiteten Mängelliste drohte die Nutzungsuntersagung der Sängerhalle.
Probleme mit dem Brandschutz
“Hier sieht es aus wie im Restposten-Raum im Möbelhaus”, frotzelte Sitzungspräsident Steffen Staiger angesichts der kahlen Wände ohne Faschingsdekoration. Spaß sei verboten, kein Konfetti, keine Luftschlangen, keine Luftballons, selbst die Papiertischdecken seien beinahe untersagt worden, berichtete er in seiner Eröffnungsansprache. Möglicherweise sei das nun die letzte größere Veranstaltung in der Friedrichstaler Sängerhalle. “Sperrt doch einfach alles zu”, rief er sarkastisch. “Frech, was ihr mit dem Ehrenamt macht!”
Was war passiert? Im April 2024 hatte es nach Auskunft der Stadtverwaltung eine Brandverhütungsschau mit dem Eigentümer der Sängerhalle, dem Sängerbund Friedrichstal, gegeben. Dabei seien “erhebliche Brandschutzmängel” festgestellt worden. Am 16. Januar 2026, etwa eine Woche vor der Prunksitzung, hat die Stadtverwaltung nach eigener Auskunft erfahren, dass das Brandschutzbüro, das der Sängerbund eingesetzt hatte, sein Mandat “aus haftungstechnischen Gründen” niedergelegt habe. Bemängelt wurden vom Brandschutzsachverständigen des Vereins nach Kenntnis der Stadtverwaltung die Punkte Zugang zur Küche, Wandverkleidung sowie Ausschmückungen. Eine sichere Entfluchtung sei „im Brandfall kritisch zu bewerten“.
Der Sängerbund suchte und fand daraufhin einen neuen Brandschutzbeauftragten, der seinerseits Vorgaben und Auflagen formulierte. Die in der Stadtverwaltung angesiedelte Baurechtsbehörde habe unverzügliche Freigabe zugesichert, sofern die Mängel beseitigt seien oder die Halle durch andere Maßnahmen nutzbar gemacht werde. “Bis dato nicht umgesetzte Maßnahmen wurden kurzfristig umgesetzt, Brandlasten sowie entflammbare Ausschmückungen (Deko) entfernt”, so die Stadtverwaltung. Die Nutzungsuntersagung konnte daraufhin drei Tage vor der Prunksitzung zurückgenommen werden.
Die Auflagen, die auch der Elferrat kritisierte, seien alle in der Erklärung des Brandschutzsachverständigen des Sängerbunds von 2024 aufgelistet gewesen. Die Beseitigung der Mängel durch den Eigentümer der Halle, den Sängerbund, sei weiterhin erforderlich. “Eine Fristverlängerung dafür wurde letztmalig eingeräumt”, so die Stadtverwaltung. Die Mängel aus der Brandverhütungsschau im April 2024 seien bis zuletzt offengeblieben.
“Es versteht sich, dass die Stadtverwaltung Betreiber und Nutzende von Hallen mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln dazu bringt, Auflagen zur Brandverhütung und im baulichen Brandschutz vollumfänglich einzuhalten”, erklärt die Stadtverwaltung. “Tragische Ereignisse wie im Skiort Crans-Montana in der Schweiz in der Silvesternacht sollten dies allen eindrücklich vor Augen führen.”
Prunksitzung trotzdem erfolgreich
Dafür ließ es der Elferrat gehörig krachen. Obwohl er als Gruppierung des Gesangvereins Liederkranz Friedrichstal keine eigenen Gardegruppen hat, brachte er ein vielseitiges Programm auf die Bühne. Mit dabei waren wie in den Vorjahren die Guggenmusikgruppe “Notenchaoten” aus Grötzingen sowie die “Drei Schwätzer” vom Leopoldshafener Carnevals Club (LCC), die nahezu unfallfrei Wortspiele und waghalsige Zungenbrecher zum Besten gaben.
Tanzende Unterstützung gab es von den “Piraten” aus Blankenloch: Tanzmariechen Paula und die Piratengarde Showtanz bereicherten den Abend. Auch die Victoriagarde der Holzbiere Knielingen war wieder dabei. Mit der Showtanzgruppe “Young@Heart” wurde die Zusammenarbeit mit dem TV Friedrichstal erfolgreich fortgesetzt.
Doch der Elferrat war auch mit eigenen Gruppen aktiv, allen voran dem Männerballett, das das Publikum begeisterte. Nach den “Singenden Sektkorken” standen in diesem Jahr erstmals die “Schnapsdrosseln” auf der Bühne, eine Showtanzgruppe der jungen Generation.
In der Kategorie Büttenrede war “Hildegard” (Helga Kowohl) wieder auf Männersuche. Jochen Kunz vom LCC erzählte aus seinem Alltag, während Bettina Heidrich-Heller sich politischen Themen widmete.
Ob es im kommenden Jahr angesichts der ständig steigenden Brandschutzanforderungen eine Prunksitzung geben wird, ist unklar. Die Aktiven machten mit Blick auf die anstehende Oberbürgermeister-Wahl in Stutensee deutlich, dass nur der Kandidat ihre Stimme bekommt, der sich dafür einsetzt, dass die Sängerhalle nutzbar bleibt.



































































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