125 Jahre Bäckerhandwerk in Blankenloch

Bild: Martin Strohal

Von Martin Strohal | 19.04.2026 15:51 | 1 Kommentar

Die Bäckerei-Konditorei Seeger in Blankenloch feiert dieses Jahr ihr 125-jähriges Bestehen. Sie ist ein Familienbetrieb in fünfter Generation, der konsequent auf Handwerk, Regionalität und ein starkes Miteinander im Ort setzt.

Anfänge im Jahr 1901: Brot als Besonderheit

Gegründet wurde die Bäckerei 1901 von Wilhelm Seeger, dem Ururgroßvater des heutigen Inhabers, und seiner Frau Luise. Über ihn ist nicht viel überliefert – außer der Leidenschaft fürs Backen und dem Mut, sich in einer Zeit mit wenigen Bäckereien selbstständig zu machen. Der Standort lag schon damals im Herzen Blankenlochs. Das Gebäude wurde nach dem Krieg erneuert, blieb aber im Kern am selben Platz im Ortszentrum.

Fünf Generationen Familienbetrieb

Auf Wilhelm folgte Sohn August, der die Bäckerei weiterführte und bei seinem Vater das Handwerk gelernt hatte. Danach übernahm Theo Seeger mit seiner Frau Lisa den Betrieb. Die Rolle der Frauen in der Familie betont Enkelin Amelie Seeger ausdrücklich: Ohne ihre Arbeit im Hintergrund wäre der Betrieb über Jahrzehnte kaum denkbar gewesen.

Heute führt Vater Markus Seeger als Bäcker- und Konditormeister den Betrieb, unterstützt von seinen beiden Kindern: Sohn Cedric als Bäckermeister und Tochter Amelie als Betriebswirtin des Handwerks. Formell ist die Bäckerei noch ein Einzelunternehmen, in der Praxis treffen Vater und Kinder die Entscheidungen gemeinsam – die nächste, fünfte Generation steht damit bereit.

In der Backstube ist vieles gleich geblieben: Gebacken wird mit Mehl, Wasser, Zeit und Handwerk – doch die Ansprüche der Kundschaft haben sich verändert. Besonders prägend sei die Hinwendung zu langzeitgeführten Broten, die Cedric Seeger entwickelt, wie Amelie Seeger berichtet: teilweise nahezu hefefrei, lange gereift, bekömmlich und aromatisch. Ein Brot, das er für seine Meisterprüfung entwickelte, wird bis heute als „Meisterleib“ angeboten.

Parallel dazu hält die Bäckerei an alten Rezepten fest: Weihnachtsstollen und Früchtebrot gehen auf den Urgroßvater zurück; das Stollenrezept brachte der Vater aus der Schweiz mit, wo er seinen Meister bei einem renommierten Konditor machen konnte. An Ostern gießt er bis heute Schoko-Osterhasen selbst und bemalt sie von Hand.

Gegenwart: Sortiment, Mittagstisch und Café

Das Standardsortiment umfasst klassische Brote, Brötchen, Kuchen und Torten, ergänzt um saisonale Angebote wie Rhabarber- und später im Jahr Erdbeerkuchen. Im Winter dominieren schwere Sahnetorten, im Sommer setzt die Konditorei auf leichtere Törtchen mit viel Frucht.

Stark gewachsen ist der Bereich Snacks: belegte Brötchen, Wurst-, Nudel- und Kartoffelsalat sowie hausgemachte Fleischküchle. Vor rund sieben Jahren führte Amelie Seeger zusätzlich einen Mittagstisch ein, um die bis dahin schwache Zeit zwischen 11 und 14 Uhr zu beleben. Gekocht wurde anfangs ausschließlich von ihr selbst.

Zum Betrieb gehören heute rund 20 bis 30 Beschäftigte inklusive Aushilfen und Reinigungskräften. Neben Laden und Backstube betreibt die Familie ein Café im Obergeschoss, in dem ab Mai an jedem ersten Sonntag im Monat ein Frühstücksbuffet angeboten werden soll – die Generalprobe fand an Ostern statt, mit rund 50 Gästen im Café und weiteren Plätzen im Erdgeschoss.

Nachhaltigkeit und Konkurrenzdruck

Trotz der Konkurrenz durch Discounter und Supermärkte, die Backwaren aus Selbstbedienungsregalen anbieten, setzt Seeger bewusst auf ein anderes Modell. Sämtliche Backwaren entstehen in der eigenen Backstube, die Wege vom Ofen zum Verkaufstresen umfassen „etwa zehn Schritte“ – Teiglinge oder Rohlinge kommen nicht zum Einsatz. Das Mehl bezieht der Betrieb von einer regionalen Mühle; auf zusätzliche Verpackungen und lange Transporte wird verzichtet.

Amelie Seeger sieht darin ein klares Alleinstellungsmerkmal: Während Supermarktbrötchen oft einen langen, verpackungsintensiven Weg hinter sich haben und teilweise aus dem Ausland kommen, verlässt das Brot bei Seeger die Backstube praktisch “direkt in die Einkaufstasche”. Viele Stammkundinnen und -kunden kennen noch die Großeltern-Generation und schätzen die Verbindung aus vertrauter Qualität und neuen Produkten.

Märkte, Jubiläum und Blick nach vorn

Filialen betreibt die Bäckerei Seeger nicht; stattdessen ist ein Verkaufswagen auf fünf Wochenmärkten in der Region präsent: mittwochs in Bruchsal und Friedrichstal, freitags in Weingarten und Eggenstein, samstags in der Waldstadt. Der Vorteil am Hauptstandort: Die Bäckerei liegt fußläufig im Ortskern von Blankenloch.

Zum 125-jährigen Jubiläum organisiert die Familie mehrere Veranstaltungen: ein Osterfrühstück, eine Maifeier mit Imbiss und Getränken auf dem Parkplatz, einen Tag der offenen Tür am 20. September mit Kinderbacken, Kinderschminken, Hüpfburg, Jubiläumsfrühstück und Bewirtung im Freien sowie einen kleinen Weihnachtsmarkt mit Glühwein, Bratwurst, Stollen und Früchtebrot Anfang Dezember. Für die Familie ist das Jubiläum Anlass, die eigene Geschichte sichtbar zu machen – und gleichzeitig zu zeigen, wie ein traditionelles Handwerk sich in die Zukunft weitertragen lässt.

Inhaber Markus Seeger (links) mit Amelie und Cedric

forum Kommentare

Stefan Just

Ein Betrieb in der 5. Generation ist heute eine Seltenheit.
Herzlichen Glückwunsch zu 125 Jahren!