“Integration ist ein Zukunftsthema”

Gemeinschaftsbild, das während der Integrationskonferenz 2025 entstand

Bild: Sylvia Ganter

Von Martin Strohal | 13.05.2026 17:24 | Keine Kommentare

Stutensee zieht nach zehn Jahren Integrationsarbeit eine überwiegend positive Bilanz – und stellt mit einer aktualisierten Strategie die Weichen für die kommenden Jahre.

Stadt wird vielfältiger bei ungleicher Verteilung

Ende 2025 leben 25.582 Menschen in Stutensee, 34,3 Prozent haben einen Migrationshintergrund, 110 Nationen sind vertreten. Größte Zuwanderungsgruppe sind seit 2022 ukrainische Kriegsvertriebene mit 413 Personen.

Migration verteilt sich ungleich: In Blankenloch mit Büchig liegt der Anteil nichtdeutscher Staatsangehöriger bei 20 Prozent, in Staffort bei 9,3 Prozent. Diese Unterschiede spiegeln sich in Kitas und Schulen, wo einzelne Einrichtungen besonders hohe Sprach- und Förderbedarfe tragen.

Bilanz des alten Integrationskonzepts

Das 2016 verabschiedete Integrationskonzept setzte fünf Leitlinien: gesellschaftliche Teilhabe, Zugang zu Bildung und Sprache, Arbeitsmarktchancen, interkulturelle Öffnung sowie Stärkung des Ehrenamts. Daraus ist eine dichte Struktur gewachsen – mit der Integrationsbeauftragten, kommunalem Integrationsmanagement, Sprachförderprogrammen, Integrationskursen, Familienzentren und einem aktiven Netzwerk aus Verwaltung, Wohlfahrt und Ehrenamt.

Gleichzeitig zeigt der letzte Umsetzungsbericht 2024/2025 Herausforderungen: Der Anteil von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund hat sich seit 2014/15 auf 25 Prozent verdoppelt, an der Realschule liegt er sogar bei 37 Prozent, am Gymnasium dagegen bei 13 Prozent. Am Arbeitsmarkt bleibt die Gesamtbeschäftigung nahezu stabil, doch der Anteil ausländischer Beschäftigter wie auch ausländischer Arbeitsloser steigt deutlich, vor allem durch die Aufnahme Geflüchteter.

Integration im Alltag: Sprache, Begegnung, Ehrenamt

In 18 Kitas haben 255 von 1.046 Kindern einen Migrationshintergrund. In Einrichtungen wie „Zauberwald“, „Sonnenschein“ oder „Arche Noah“ liegt deren Anteil deutlich über 40 Prozent. Programme wie „Sprach‑Kita“, „Kolibri“, Elterncafés, Lesepatinnen und zusätzliche Sprachfördergruppen sollen allen Kindern einen gleichberechtigten Bildungsstart ermöglichen. Daneben sorgen Begegnungsorte wie das Kult Café, das Begegnungszentrum Regenbogen und das Mehrgenerationenhaus mit Kursen, Cafés und interkulturellen Festen für niedrigschwellige Teilhabe. Die Flüchtlingshilfe Stutensee e.V. begleitet Geflüchtete mit Hausaufgabenhilfe, Job- und Wohnungscoaching, Lernbegleitung und einer Fahrradwerkstatt und bleibt damit ein zentraler ehrenamtlicher Pfeiler.

Neues Integrationskonzept: Fünf „gesellschaftliche Orte“

Weil sich Rahmenbedingungen und Bedarfe verändert haben, hat Stutensee 2025/26 sein Integrationskonzept fortgeschrieben – in einem Beteiligungsprozess mit Steuerungsgruppe und Integrationskonferenz. Das neue Konzept orientiert sich an fünf „gesellschaftlichen Orten“: Miteinander in Gemeinschaften, Bildung als Brücke, Wertschätzung am Arbeitsplatz, kommunale Verwaltung und lokale Politik. Querschnittsthema ist die Kombination aus Sprache und Begegnung: Sprachkenntnisse gelten als Schlüssel zur Teilhabe, echte Integration entstehe jedoch erst im persönlichen Kontakt. Ein begleitender Maßnahmenplan priorisiert kurzfristig etwa die dauerhafte Finanzierung von Begegnungsorten, eine Ansprechperson für bürgerschaftliches Engagement, zusätzliche schulische Integrationsangebote, eine verbesserte Servicekultur in der Verwaltung und einen Runden Tisch Integration. Künftig sollen regelmäßige Umsetzungsberichte und ausgewählte Kennzahlen sicherstellen, dass Integration in Stutensee datenbasiert gesteuert und transparent weiterentwickelt wird.

Aus dem Gemeinderat gab es nur Lob für die städtische Integrationsbeauftrage Christiane Seidl-Behrend und ihr Team.

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