Kindergartenplätze: Weniger Kinder, höherer Bedarf unter 3 Jahren

Noch im Bau: Kinderhaus See-Pferdchen in Spöck

Bild: Martin Strohal

Von Martin Strohal | 11.07.2026 17:40 | Keine Kommentare

Die Stadtverwaltung hat im Juni dem Gemeinderat ihre jährliche Planung für den Bedarf an Kindergartenplätzen vorgelegt. Das Zahlenwerk zeigt zwei Entwicklungen: Während die Geburtenzahlen im Stadtgebiet spürbar zurückgehen, fragen Eltern Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren immer häufiger nach.

Deutlicher Rückgang bei den Geburten

In den vergangenen Jahren sind die Geburtenzahlen in Stutensee kontinuierlich gesunken. Kamen im Jahr 2022 noch 241 Kinder zur Welt, waren es im Jahr 2024 noch 200 und im vergangenen Jahr nur noch 180 Neugeborene.

Dieser Rückgang führt zusammen mit dem Ausbau der Einrichtungen dazu, dass sich die Lage bei den Plätzen entspannt, so die Einordnung der Stadtverwaltung. Entsprechend konnte die Warteliste für das im Spätjahr beginnende Kindergartenjahr 2026/2027 fast vollständig abgearbeitet werden. Statistisch gesehen fehlen im neuen Kindergartenjahr stadtweit keine Plätze mehr, wenn alle geplanten Schritte wie geplant umgesetzt werden.

Höhere Nachfrage bei Kindern unter 3 Jahren

Gleichzeitig verändert sich das Verhalten der Eltern: Der Wunsch nach Plätzen für Kleinkinder unter drei Jahren nimmt stetig zu. Lag die Quote der betreuten Kinder in dieser Altersgruppe bis zum Jahr 2021 noch bei etwa 33 Prozent, ist sie inzwischen – je nach Stadtteil – auf 50 bis 65 Prozent angestiegen. Weil diese Kinder oft ab dem ersten Lebensjahr angemeldet werden, verbleiben sie länger in den Gruppen und belegen die Plätze über einen längeren Zeitraum.

Um flexibel auf diese Verschiebungen zu reagieren, setzt die Stadt zunehmend auf offene Konzepte und altersgemischte Gruppen. Dort können auch einjährige Kinder aufgenommen werden. Zudem arbeitet die Verwaltung mit Tageseltern zusammen und richtet Betreuungsgruppen in anderen geeigneten Räumen ein.

Unterschiede zwischen den Stadtteilen

Blankenloch: Hier fehlen auch in den kommenden Jahren Betreuungsplätze. Kleinkindplätze sind komplett belegt, und es gibt Wartelisten, die auch Tageseltern nicht ausgleichen können. Weil in der Anschlussunterbringung im Seegrabenweg viele Familien mit Kindern wohnen und die Fluktuation hoch ist, bleibt die Entwicklung schwer planbar.

Büchig: Nahezu alle Plätze sind belegt; das Angebot reicht für das kommende Jahr knapp aus. Der neue Naturkindergarten „Pusteblume“ wird gut angenommen und ist fast voll besetzt.

Friedrichstal: In diesem Stadtteil wird mit einem spürbaren Überschuss an Plätzen für Kinder ab drei Jahren gerechnet, was an den dort besonders niedrigen Geburtenraten liegt. Bei den Plätzen für unter Dreijährige gibt es ein kleines Defizit. Die Stadt reagiert hierauf mit Änderungen in den bestehenden Einrichtungen.

Spöck: Im Kleinkindbereich sind derzeit alle Plätze vergeben. Entlastung bringt das neue Kinderhaus „See-Pferdchen“ von element-i, das im September 2026 den Betrieb aufnehmen soll. Dadurch soll die Warteliste in Spöck komplett verschwinden und ein Puffer für Zuzüge entstehen. Bis zum Jahresende sollen dort bereits etwa 40 der insgesamt 90 Plätze belegt sein.

Staffort: Für Kinder ab drei Jahren gibt es noch vereinzelte Plätze, im Kleinkindbereich hingegen keine freien Kapazitäten. Der Bedarf wird hier über andere Stadtteile oder Plätze außerhalb von Stutensee aufgefangen.

Viele Familien nutzen auch Angebote außerhalb von Stutensee. Derzeit besuchen etwa 87 Kinder eine Einrichtung in einer anderen Kommune, was neben dem hohen Platzmangel 2025 auch an Betriebskindergärten großer Arbeitgeber in der Region liegt. Im Gegenzug nehmen Einrichtungen in Stutensee rund 32 Kinder aus anderen Gemeinden auf. Dies geschieht vor allem, wenn Familien umziehen. Aus pädagogischen Gründen dürfen Kinder nach einem Wegzug das angefangene Kindergartenjahr noch in ihrer gewohnten Umgebung beenden.

Fortschreibung der Prognosen

Die Stadtverwaltung wird weiter in jährlichem Rhythmus eine kommunale Kita-Jahres-Planung für die operative und kurzfristige Steuerung erstellen. Parallel dazu ergänzt das Beratungsbüro biregio die Zahlen in mehrjährigem Abstand für die strategische und langfristige Entwicklungsplanung.

Bildquellen:

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