Online-Umfrage zur Wald-Entwicklung

Waldbegehung

Beitragsbild: Stadt Stutensee

Von Martin Strohal | 16.07.2025 8:15 | 1 Kommentar

Wie soll der Stutenseer Stadtwald in Zukunft aussehen? Bei der Erstellung eines Waldleitbildes will die Stadtverwaltung auch Stimmen aus der Bevölkerung einbeziehen und hat dafür eine Online-Umfrage gestartet. Bis Anfang August ist eine Teilnahme möglich.

Ob Sportler, Familie, Jäger oder Förster, jeder hat einen anderen Blick auf den Wald. Im Rahmen des Stadtentwicklungsplans 2035 soll ein Waldleitbild entstehen. Darin soll unter anderem geklärt werden, wie der Wald aussehen, welche Funktionen er erfüllen und ob Holznutzung oder Naturschutz im Vordergrund stehen sollen.

Aus finanziellen Gründen hat der Gemeinderat eine abgespeckte Variante der Öffentlichkeitsbeteiligung beschlossen. So wurde ein Fragebogen entwickelt, der unter survey.lamapoll.de/Stadtwald_Stutensee zu erreichen ist. Beispielsweise wird gefragt, was mit Totholz im Wald geschehen oder ob die Stadt Geld für den Wald ausgeben soll und wenn ja wofür genau.

Die Fragen seien wissenschaftlich entwickelt worden, die Antworten sollen von DialogDesign und der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) ausgewertet werden.

“Im Herbst dieses Jahres wird ein öffentlicher Workshop in Präsenz stattfinden, in dessen Rahmen ein Erstentwurf vorgestellt und diskutiert werden kann”, so die Stadtverwaltung.

Anfang Juni hat eine Auftaktveranstaltung mit Vertretern des Forstes und der Stadtverwaltung im Wald stattgefunden.

Der Stutenseer Stadtwald befindet sich überwiegend östlich der Ortsteile – im Gegensatz zum Hardtwald auf der westlichen Seite, der unter der Hoheit des Landes steht.

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Lachwald-erhalten

Die Erstellung eines Waldleitbildes für den Stadtwald Stutensee wurde Oberbürgermeisterin Becker von Diplom-Forstwirt Volker Ziesling bereits vor 4 Jahren bei einer Lachwaldbegehung mit unserer Bürgerinitiative vorgeschlagen. Sein Angebot der kostenlosen Mitarbeit als externer Fachexperte wurde bisher nicht angenommen.

In den Nachbargemeinden ist ein Waldleitbild längst üblich, wie z.B. in Eggenstein-Leopoldshafen.
https://www.nussbaum.de/entdecken/news/erfolgreicher-und-sehr-informativer-waldbegang-am-vergangenen-samstag-durch-unseren-gemeindewald-2152241

Ein Leitbild muss jedoch auf der strikten Einhaltung gesetzlicher Vorgaben, Schutzbestimmungen und nachhaltiger Bewirtschaftungsgrundsätze basieren. Genau daran fehlt es in Stutensee seit Langem, wie folgende Chronologie zeigt:
1. 2017/2018: Kahlschläge im Schonwald Lochenwald
– Trotz Schonwaldstatus (Reservat mit Schutz besonders wertvoller Waldgesellschaften) genehmigte der Gemeinderat Stutensee Kahlschläge auf insgesamt 3 Hektar – dreimal so viel wie die gesetzliche Höchstgrenze von einem Hektar.
– Statt der entsprechend der Schonwald-Verordnung vorgeschriebenen natürlichen Verjüngung kamen sofort Baumschulpflanzen zum Einsatz.
2. 2018/19: Überschreitung des Rahmens der Forsteinrichtung
– Im Lachwald wurden im Rahmen einer Durchforstung auf einen Schlag mehr Bäume gefällt, als der gesamte Zehnjahresplan für 2017–2026 vorsah. Bereits 2017 sowie danach wurden zahlreiche Bäume gefällt. – Rücksichtslos wurden auch Lebensräume entfernt, obwohl diese bereits deutlich sichtbar als Biotopbaum bzw. Habitat gekennzeichnet waren; später wurde in der öffentlichen Gemeinderatsitzung anlässlich der Vorstellung der Waldschutzkonzeption kundgetan, dass der Lachwald nicht schützenswert sei. Ein Affront gegen die Wähler:innen, die beim Bürgerentscheid für den Erhalt des Lachwalds gestimmt haben, sowie eine Beschönigung von naturschutzrechtlichem Unrecht.
3. 2019/20: Bodenverdichtung in der Büchiger Hardt im Landschaftsschutzgebiet
– Ein Vollernter befuhr wiederholt wetterweiche „Rückegassen“, verdichtete und zerstörte Waldböden (das wichtigste Gut des Waldes!) sowie Wurzeln angrenzender Bäume – kurz nach häufigen Niederschlägen. – Außerdem: Ablehnung des Lübecker Waldmodells durch den Gemeinderat auf Vorschlag OB Becker
4. 2020/21: Verkehrssicherung als Vorwand
– Unter dem Totschlagargument „Verkehrssicherung“ fällte man trotz bereits vorhandener Überbewirtschaftung rund 80 % gesunder Buchen im Lachwald. Ein Gutachter belegte, dass die meisten Stämme kerngesund und blütenweiß waren.
5. 2021/22: Fällungen trotz FFH- und Schonwaldschutz
– Alte dicke Eschen und Buchen fielen dem Einschlag zum Opfer; da der Stadtwald nicht FSC zertifiziert ist, konnten sie teilweise nur als Brennholz vermarktet werden.
6. 2022/23: Ablehnung des Förderprogramms „Klimaangepasstes Waldmanagement“
– Unser Vorschlag für einen schonenden Waldumgang mit Kahlschlagverzicht im Rahmen des Förderprogrammes der Bundesregierung wurde vom Gemeinderat mehrheitlich abgelehnt – trotz nachweislicher ökologischer und finanzieller Vorteile, die von der Stadtverwaltung nicht gewollt und mit falschen Daten und Fakten untermauert wurden.
7. 2023/24: Weitere Kahlschläge im Natura-2000 Lebensraum Lochenwald
– Drei weitere Kahlhiebe festgestellt, jeder unter einem Hektar, darunter ein besonders wertvoller Feuchtwald Biotop nach § 30 BNatSchG, wurden zerstört: Waldboden mit tonnenschwerer Forstmaschine ganzflächig zerfahren, Biomasse komplett entfernt und wieder Baumschulpflanzen gesetzt – obwohl reichhaltige Naturverjüngung vorhanden war.
8. 2024/25: Zerstörung eines Biotopschutzwalds am Waldrand Stadtteil Blankenloch
– Eine angeblich alte zugewachsene Rückegasse mittig im Biotopschutzwald wurde freigeräumt und die Strauchschichten vernichtet, obwohl dies im Biotop nicht erlaubt ist und weitere Rückegassen außerhalb vorhanden sind. Ein beantragter Gesprächs-Austausch mit der Unteren Forstbehörde wurde von der Stadt Stutensee als „entbehrlich“ abgelehnt. Einfach unfassbar, wenn man aus Fehlern nichts lernen und die Geheimniskrämerei über Rückegassen fortsetzen will.
Viele Vorfälle wurden mit Videos dokumentiert: https://www.youtube.com/channel/UCGpX1rbG1zb6Otz4F3JFLnA/videos

Unabhängig von den zahlreichen Vorfällen in der Waldbewirtschaftung ist für das Waldleitbild ein zentraler Umstand entscheidend:

Wie viel Holz steht eigentlich auf einem Hektar Wald?
• Landesdurchschnitt Baden Württemberg:  365 Fm/ha
• Stadtwald Stutensee (Zwischenprüfung 2022):  231 Fm/ha

Das bedeutet: Stutensee verfügt pro Hektar über rund ein Drittel weniger Holzvorrat als der Landesdurchschnitt. Seit 2022 sind weitere Holzernten erfolgt, wodurch die Lücke sogar noch deutlicher wird – zumal die jüngste Bundeswaldinventur einen Zuwachsrückgang infolge der Trockenjahre dokumentiert. Eine solche Entwicklung untergräbt die Nachhaltigkeit des Stadtwaldes und sollte bei der Beantwortung der Fragen zum Waldleitbild dringend berücksichtigt werden.