Florian Illies, Bestsellerautor und Mitherausgeber der Wochenzeitung “Die Zeit”, befindet sich derzeit auf Lesereise zu seinem neuen Buch in Süddeutschland. Dabei machte er auch Station am Thomas-Mann-Gymnasium in Stutensee und stellte sein neuestes Buch „Wenn die Sonne untergeht“ vor.
Der Besuch am Stutenseer Gymnasium kam auf Initiative des Schulleiters Christian Beck und des Deutschlehrers Philipp Wallaschek zustande. Am vergangenen Donnerstag las der Autor dort vor etwa 80 Schülerinnen und Schülern der Oberstufe.
Das Buch “Wenn die Sonne untergeht” handelt von der überstürzten Flucht der Familie Mann aus Deutschland im Jahre 1933. Florian Illies blickt der Familie dabei gewissermaßen über die Schulter. Schwerpunkt seiner Lesung im Thomas Mann-Gymnasium ist gerade nicht der berühmte Namensgeber der Schule, sondern es sind vor allem die Kinder der Familie.

Vertraute Atmosphäre
Illies beherrscht die Kunst, sich auf die jeweilige Zuhörerschaft einzustellen und begann seinen Vortrag mit der Feststellung: „Ich merke, man duzt hier die Oberstufe, da schließe ich mich gerne an“, und sorgte damit für eine vertraute Atmosphäre. Er las die ersten drei Seiten seines Buches mit stimmlich variabler Modulation, mal laut, mal etwas leiser; schnelle und eher langsam gehaltene Passagen wechselten sich ab.
Manns Kinder unter hohem Druck
Die Familie Mann, sechs Kinder und ein Hund, beschreibt Illies in seinem Buch als stark intellektuell geprägt. Zuwendung scheinen die Kinder überwiegend in Form von Geld erfahren zu haben. Thomas Mann führte ein strenges Regiment, was den Tagesablauf und Essensregularien betrifft. Mit der Wortschöpfung Behagensminderung drückt er beispielsweise seine Unzufriedenheit über das Ausbleiben eines Heißgetränkes während seiner Ausreise im Zug nach Frankreich aus.
Davon abgesehen wachsen die Kinder im Hause Mann, im Blick auf die damaligen, sonst eher engeren Erziehungsmaximen der Zeit, jedoch sehr frei auf. Dennoch scheint ein hoher Druck auf den Kindern zu lasten, den persönlichen Ansprüchen des berühmten Vaters nicht genügen zu können. Sie mussten permanent um Anerkennung kämpfen.
Die Kinder, das sind Monika, Klaus, Erika, Golo, Michael und Elisabeth Mann. Einige von ihnen wurden Schriftsteller wie ihr Vater.
Flucht aus Deutschland 1933
Illies schilderte, dass er sich zunächst gescheut habe, über die Familie Mann zu schreiben. Anlass, es doch zu tun, sei ein Aufenthalt in dem kleinen Fischerort Sanary-sur-mer gewesen. Dort habe er auf einer Infotafel gelesen, dass sich genau hier die Familie Mann 1933 aufgehalten habe.
Er sei schon immer interessiert an der Frage, wie ganz normale Menschen mit der Lebenssituation, die 1933 mit der Wahl Hitlers begann, klar gekommen seien. Bereits 1933 wurde Thomas Mann mit einem Schreibverbot belegt, nachdem der in München ansässige Rotary-Club ihn aus den eigenen Reihen ausgeschlossen hatte. Allerdings wollte er die zunehmende Gefahr, die sich daraus für ihn und seine halbjüdische Familie ergab, lange nicht wahrhaben. Seine älteren Kinder seien es gewesen, die ihn schließlich zum Aufbruch gedrängt hatten.
Nach ihrer Flucht aus Deutschland strandete die Familie Mann zunächst für mehrere Monate in der kleinen südfranzösischen Stadt Sanary-sur-mer. Sie wussten nicht, wie es weitergehen sollte und standen unter großer nervlicher Anspannung. In dieser Situation wuchsen die Kinder gewissermaßen über sich hinaus, entwickelten jeweils eigene Strategien, um mit der schwierigen Zeit klar zu kommen.
Fragerunde über die Arbeit des Autors
In der anschließenden Fragerunde sprach Florian Illies offen über seinen Werdegang und seine Arbeitsweise. Die Schulzeit, so betonte er, habe ihm vor allem geholfen, seine eigenen Interessen zu erkennen – jene Themen, zu denen man sich immer wieder hingezogen fühle und die oft den späteren Berufsweg prägen.
Zum Schreiben entscheidend sei, es mit Überzeugung zu machen, meinte Illies. Wer verstehe, worüber er schreibe, und die Geschichte dahinter begreife, könne sein Publikum erreichen. Ob ein Buch erfolgreich werde, lasse sich im Voraus jedoch nie sagen.
Seine Romanfiguren erarbeite er sorgfältig: Er recherchiere alles, was über eine Person zu finden sei, besuche die Originalschauplätze und halte seine Eindrücke in Notizen fest, um die Charaktere authentisch zum Leben zu erwecken.
Gefragt, mit welchem Mitglied der Familie Mann er gerne verwandt wäre, antwortete Illies schmunzelnd: „Monika fände ich interessant als Cousine. Und Klaus Mann hätte ich gerne als Bruder gehabt.“
“Wenn die Sonne untergeht” von Florian Illies erschien im Oktober 2025 im Verlag S. Fischer und ist als gebundene Ausgabe mit 336 Seiten erhältlich.

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