“Wir müssen in Bewegung kommen” – Katholische Kirche im Umbruch

Kath. Kirche St. Josef Blankenloch

Bild: Martin Strohal

Von Martin Strohal | 07.01.2026 18:15 | Keine Kommentare

Zum 1. Januar 2026 ist eine Reform in der Erzdiözese Freiburg wirksam geworden. Die neue Pfarrei “Heilige Edith Stein Bruchsal” umfasst nun alle katholischen Gemeinden in der Region mit etwa 100.000 Gläubigen. Geleitet wird sie von Pfarrer Johannes Mette. Dazu gehört auch die bisherige Seelsorgeeinheit Stutensee-Weingarten.

Vorbereitet wurde die Reform bereits seit einigen Jahren. Ziel sei es gewesen, aus einer Position der Stärke heraus, in der noch genügend finanzielle Mittel, Personal und Gläubige vorhanden sind, Änderungen anzustoßen, erläutert Diakon Dennis Nagel in Blankenloch.

Neue Pfarrei

Die Zahl der geweihten Priester ist rückläufig, ebenso die Zahl der Kirchenmitglieder und damit der Einnahmen. Nach dem Plan von Erzbischof Stephan Burger wurden die bisherigen Seelsorgeeinheiten zu 36 Pfarreien zusammengelegt. In der neuen Pfarrei in Bruchsal kommen neben Stutensee-Weingarten auch die bisherigen Gemeinden Bretten-Walzbachtal, Östringen, Kraichtal-Elsenz, Hl. Geist, Sickingen, Bad Schönborn-Kronau, Bruchsal St. Vinzenz, Bruchsal Michaelsberg, Forst-Ubstadt-Weiher, Karlsdorf-Neuthard-Büchenau, Oberhausen-Philippsburg, Waghäusel-Hambrücken und Graben-Neudorf-Linkenheim zusammen.

Neue Aufgaben für den Pfarrer

Eine Pfarrei wird von einem Pfarrer geleitet und verantwortet. Das ist in Bruchsal Johannes Mette. Für die bisherigen Leiter der Seelsorgeeinheiten – in Stutensee-Weingarten war Pfarrer Jens Maierhof verantwortlich – bedeutet das eine Veränderung. Sie haben künftig keine Leitungsverantwortung für eine Gemeinde mehr und sind in erster Linie Priester und Teil der hauptamtlichen Mitarbeitenden. Den Titel “Pfarrer” dürften sie aus “atmosphärischen Gründen” dennoch behalten, erläutert Diakon Nagel. Offiziell seien alle Priester ohne Leitungsfunktion jetzt “Kooperatoren”.

Kirche hat sich verändert

Die katholischen Gemeinden in Stutensee sind alle vor allem von katholischen Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet worden. Ursprünglich war die Region protestantisch.

Doch in den letzten Jahrzehnten habe sich die kirchliche Landschaft verändert, so Nagel. Er staune oft darüber, dass das manche noch nicht realisieren wollten. Es sei keine Selbstverständlichkeit mehr, Kirchenmitglied zu sein. Durch Austritte verringert sich diese Zahl jedes Jahr, sowohl bei den Protestanten als auch bei den Katholiken. Es sei nicht mehr so, dass sich ein Großteil der Menschen sonntags zum Gottesdienst treffe.

Gemeindeteams organisieren das Gemeindeleben

Etwa fünfzig Hauptamtliche seien in der neuen katholischen Pfarrei “Heilige Edith Stein” beschäftigt, so Dennis Nagel. “Wir wollen unterstützen, wo es sinnvoll ist.” An manchen Stellen könne künftig jedoch nur noch eine Grundversorgung angeboten werden, dazu zählen Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen, keine automatische Vollversorgung mit kirchlichen Gruppen und Veranstaltungen mehr. Besondere Verantwortung komme hierbei den sogenannten Gemeindeteams zu. Diese sind mit Ehrenamtlichen besetzt und haben die Aufgabe, das örtliche Gemeindeleben zu organisieren und zu leiten. Dabei steht ihnen ein Hauptamtlicher als fester Ansprechpartner zur Verfügung.

Situation in den Stutenseer Stadtteilen

Die Stutenseer Stadtteile seien dabei sehr unterschiedlich aufgestellt, so Nagel. In Spöck gebe es noch 900 Kirchenmitglieder auf dem Papier. In den Gottesdienst kämen davon an guten Tagen aber nur maximal drei Prozent. Auch in Staffort mit etwa 300 Mitgliedern sei nur noch Grundversorgung möglich. Dort wurde vor Kurzem sogar das Kirchengebäude verkauft. In Friedrichstal mit etwa 1.200 Mitgliedern funktioniere das Modell der “Pfarrfamilie” aus den 1970er-Jahren noch einigermaßen gut. Wie sich das in den nächsten Jahren entwickele, bleibe abzuwarten. Blankenloch mit 1.700 Mitgliedern und Büchig mit 900 Mitgliedern befänden sich in einer Umbruchsituation. Das ehrenamtliche Engagement in Blankenloch sei früher schon einmal größer und auf mehr Schultern verteilt gewesen. “Aber mit der Neugründung der Gemeindeteams könnte auch hier durchaus frischer Wind ins kirchliche Leben kommen”, hofft Nagel. In Büchig hingegen reichte das Engagement in den 1990er-Jahren sogar zum Neubau des ökumenischen Kirchenzentrums.

“Kirche hat Kommunikationsproblem”

Künftig werde die katholische Kirche nicht mehr nach dem “Gießkannen-Prinzip” arbeiten, sondern sich an bestimmten Stellen profilieren, so Nagel.

Dennis Nagel sieht die Situation auch selbstkritisch: “Ich glaube, wir haben vor allem ein Kommunikationsproblem.” Die Leute seien wach und orientiert und suchten auch nach Religiosität. “Aber viele der real existierenden katholischen Gemeinden interessiert es vielleicht auch gar nicht so sehr, was die Leute ‘da draußen’ brauchen oder wollen.” Die Kirche solle nach seiner Ansicht aber kein geschlossener, exklusiver Kreis sein. Er sei vielmehr ein Freund davon, auf andere zuzugehen und ein Angebot zu machen.

Der große organisatorische Reformschritt ist nun gegangen. Anpassungen im Detail seien in nächster Zeit möglich, es solle ein lernendes System sein, so Nagel. Langfristig stelle er sich eine engere Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirche vor, insbesondere bei der gemeinsamen Nutzung von Räumlichkeiten.

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