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Mundart und Musik am Kerwemontag

Pressemitteilung von Kurt Gorenflo/Ortsvorsteher Friedrichstal | 04.11.2013 21:27 | Keine Kommentare

“Hotdoschowowasuff?“ Wie bitte? „So ist das mit dem Dialekt“ sagt Harald Hurst, Autor und Grandseigneur der Mundartdichtung. Eine lange umständliche Frage nach einem geöffneten Backshop mit Kaffeeausschank am frühen Morgen packt der gebürtige Badener und professionelle Dialektsprecher der Einfachheit halber in einen kompakten Ein-Wort-Schwall,  Grammatik hin oder her. Am traditionellen Kerwe-Montag in Friedrichstal saß er mit der Grand Dame der badischen Mundart, Else Gorenflo, auf der Bühne der bis auf den letzten Platz gefüllten Sängerhalle zu „Mundart der Extraklasse“. Bevor es den Zuhörern bewusst wurde, waren sie schon mitten im Geschehen. „Wir habe kei Programm, wir spulen auch keins ab, wir reden nur so rum un num. Uff em Flyer – früher hät mer gsagt Faltblättle – tät jetzt stehe: Else meets Harald. Aber mir hen kei Flyer.“ Das Programm war, kein Programm zu haben. Jeder der beiden erfolgreichen Autoren hatte einen Stapel Bücher dabei und las daraus oder erzählte frei, geleitet von der – scheinbar – momentanen Assoziation nach dem Motto „Do fällt mir grad ei“ oder „des tät jetzt passe“. Beide stehen sich in nichts nach. Sie beobachten ihre Mitmenschen, analysieren deren Verhalten und machen das zum Gegenstand einer unerschöpflichen Quelle von pointierten, treffenden und augenzwinkernden Erzählungen. Humorvoll und kritisch werden Tatsachen und Beobachtungen übertrieben, karikiert und – im Dialekt natürlich – dem Publikum als Spiegel vorgehalten. In Else Gorenflos „Sängerjubiläum“ lässt sie die Gastchöre gegen Wurstsalat und Zigeunerschnitzel ansingen – oder ankämpfen – aber „ganz hinne hot des koin gstört, mer hot sich noch unnerhalte kennt“. Das Vereinsfeste gewohnte Publikum lacht Tränen. Macht Gorenflo mehr den Inhalt ihrer Beobachtung zum Objekt des Humors, so arbeitet Hurst mit dem Spiel der Sprache. Er liest „Rambo“. Der Monolog eines Hundebesitzers, mal an den Hund und mal an den Fremden gerichtet, erweckt den Eindruck, Rambo sei ein gefährlicher Kampfhund. Erst die Pointe deckt die Wahrheit auf. Rambo ist ein Schoßhund. Oder ein Vater kommt in das Zimmer seines Jungen, will ihn zum Mittagessen holen. Dieser liegt mit dem Laptop auf den Knien im Bett. Wieder ist es der Monolog des Vaters, der in vielen kleinen Andeutungen das Bild aufdeckt, karikiert, den Jugendlichen zum Müllmonster stilisiert. Else hält dagegen mit ihrer Hinter-der-Gardine-Beobachtung der neuen Nachbarn, die soeben einziehen: Menschen beobachten, beurteilen, in Schublade stecken. Der Abend treibt dem Ende und damit dem Höhepunkt zu: Harald liest von der Beachparty am Stadtstrand. Aus „Nur-gucke-wolle damit ich mitschwätze kann“ wird ein Strudel von Ereignissen. Else, oft mehr den Blick in die Vergangenheit gerichtet, nimmt den heutigen Umgang mit Medikamenten aufs Korn im Gegensatz zu früher, „wo der Großvater älles uffgebraucht hot“. Beider Geschichten stammen mitten aus dem Leben – „mir sin sonscht nirgends“ und amüsieren ihr Publikum, dessen begeisterter Beifall kein Ende findet. Musikalische Beiträge des Gesangvereins „Sängerbund“ und eines Musikanten aus dem Iran auf der Oud, einem sehr alten, seltenen Instrument, rundeten den Abend ab.

Quelle: Kurt Gorenflo/Ortsvorsteher Friedrichstal

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