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Zwei OB-Kandidaten mit unterschiedlichem Stil

Susanne Enderle (Die PARTEI) und Klaus Demal (Freie Wähler)

Bild: Sebastian Raviol

Von Sebastian Raviol | 28.01.2015 22:55 | 3 Kommentare

Eine – im Vergleich zu vor acht Jahren – besondere Oberbürgermeister-Wahl steht den Stutenseern am 8. Februar bevor: Zwei von Grund auf verschiedene Politiker kandidieren. Dem bisherigen Amtsinhaber Klaus Demal (Freie Wähler) stellt sich Susanne Enderle (Die Partei) entgegen. Am vergangenen Dienstag hatten die Wähler bei einem Vorstellungsabend die Möglichkeit, beide Kandidaten genauer unter die Lupe zu nehmen. Diese Chance nahmen Interessierte in der nicht ganz gefüllten Blankenlocher Festhalle wahr.

Ein Satire-Auftritt, wie man es von der Bundesebene von „Die Partei“ unter ihrem Parteivorsitzenden Martin Sonneborn kennt, blieb allerdings aus. Enderle formulierte in ihrer zehnminütigen Rede zielstrebig ihr Vorhaben: „Ich bin jung und offen genug, um mich mit ganzer Kraft neuen Herausforderungen zu stellen.“ Mit ihrem Marketing-Studium und als angehende Management-Assistentin bringe sie Fähigkeiten für das Amt als Oberbürgermeisterin mit.

Demal gibt Versprechen – Enderle sucht Dialog

Demal wies in seiner Ansprache unter anderem auf infrastrukturelle und wirtschaftliche Erfolge seiner drei bisherigen Amtsperioden hin. Drei Versprechen gab der bisherige Amtsinhaber seinen potentiellen Wählern: Der Ausbau der L560 von Friedrichstal nach Graben komme ebenso zügig wie das zweite Ohr an der Brücke zwischen Friedrichstal und Staffort. Außerdem “werde ich die Finanzen solide halten, darauf haben sie mein Wort.“ Schnelles Internet sei für ihn “Daseinsvorsorge”, auch hier werde er sich in Zukunft einsetzen.

Enderle hingegen betonte, sie habe noch keine Pläne für Stutensee. Vielmehr wolle die Weingartenerin den Austausch mit den Bürgern, Gremien und der Gemeinde suchen, um neue Impulse zu setzen. „Ich will hier keine leeren Versprechen geben, denn vielleicht passen meine Ideen gar nicht zu den Bürgern.“

Die Fragen der Anwesenden offenbarten einen Unterschied zwischen den beiden Kandidaten: Während Demal mit 24 Jahren Erfahrung als Bürgermeister, beziehungsweise Oberbürgermeister in Stutensee bei Fragen stets mit konkreten Zahlen und zukünftigen Plänen aufwartete, musste Enderle als Politik-Neuling auf eine Einarbeitungszeit im Amt als Oberbürgermeisterin verweisen. In dieser Anfangszeit wolle sie den Dialog suchen: „Ich stehe für transparente und bürgernahe Politik. Ich möchte mehr Bürgerbeteiligung, denn die Bürger wissen oft besser Bescheid über die Probleme vor Ort.“

Die Partei: Nur Satire oder auch ernste Politik?

Die Kandidatur von Enderle und der bisherige Wahlkampf warfen im Vorfeld Fragen unter den Wählern auf: Welche Ziele verfolgt „Die Partei“? Ist das ernst gemeinte Politik oder nur eine Spaß-Truppe? Wer im Wahlprogramm des im Sommer vergangenen Jahres gegründeten Ortsverbandes nach einer Antwort suchte, wurde auf der Suche nach Eindeutigkeit nicht fündig. Zum einen gibt es da humoristische Ziele wie die Verlegung des Ortes Staffort an die Stadtbahnlinie S2 oder die Forderung nach einem eigenen gesetzlichen Feiertag für Stutensee. Unter den Punkten finden sich allerdings auch ernsthafte Ziele: Zum Beispiel möchte „Die Partei“ Jugendliche für Politik begeistern und „mit unorthodoxen Mitteln den Politikbetrieb kritisch beleuchten“.

Auf die Frage nach einem Leitbild antwortete Enderle: „Wir sind zukunftsorientiert mit viel Spaß, nicht ganz ernster Miene. Wir haben aber auch ernsthafte Ziele.“ Zu einem Mittel der Satire-Partei zählte ein Wahlplakat mit der Aufschrift „Weg mit dem alten Besen“, das Enderle provokant mit einem Besen zeigt. Einem Blankenlocher Bürger, der dies als „unter der Gürtellinie“ bezeichnete und als Seitenhieb auf Demal verstand, entgegnete Enderle: „Das war keine böse Absicht, eher ein bisschen schelmenhaft. Für Stutensee habe ich nur das Beste im Sinn, auch mit einem Schmunzeln.“

Zum Schmunzeln regte Enderle im weiteren Verlauf des Abends nur selten an. Viel mehr betonte sie, wie sie ihre Arbeit angehen wolle: „Ich trete Problemen mit Sonne im Gesicht entgegen.“ Dabei sei die Führung einer Gemeinde wie ein Spiel, in dem sich alle fair verhalten sollten. „Meine wichtigste Eigenschaft: Ich bin ehrlich.“

Demal zeigte sich über die Entwicklung während seiner Amtszeit in Stutensee erfreut: „Stutensee ist einer der besten Wirtschaftsadressen in der Region. Wir konnten dafür sorgen, dass sich gute Unternehmen hier ansiedeln und Arbeitsplätze schaffen.“ Für Kinder und Jugendliche sei der Abenteuerspielplatz eine tolle Neuerung. Auch in Zukunft wolle er auf die Jugend eingehen und in einem Forum Zukünftiges besprechen.

Für Familien und die ältere Generation hatte Demal ebenfalls Pläne parat: „Ich setze mich für moderne Wohnformen wie für das Mehrgenerationenhaus und ein Familienzentrum ein.“ Außerdem habe er eine Zusage vom Land zur Verwendung von 25 000 Quadratmetern Fläche, die auch für kostengünstiges Wohnen genutzt werden können. Diese wolle er dem Gemeinderat demnächst offerieren.

In ihrer Schlussrede betonte Enderle, dass sie gemeinsam mit Vereinen, Kirchen und Mitarbeitern im Rathaus Ziele, Probleme und Wünsche besprechen wolle. Demal erklärte, Stutensee stehe für eine beispielhafte Stadtentwicklung, die er fortsetzen wolle.

Zu den Kandidatenvorstellungen offenbarten die Fragen der Bürger neue Facetten. Lesen Sie die Fragen und die Antworten der beiden Kandidaten ausführlich in einem in Kürze erscheinenden Artikel. Die nächste und letzte Kandidatenvorstellung findet am Donnerstag, den 29. Januar, um 19.30 Uhr in der Spöcker Speechahalle statt.

Bildquellen

  • Kandidatenvorstellung OB-Wahl: Sebastian Raviol

Kommentare

Kompliment an die PARTEI. Und Hochachtung vor Frau Enderle.
Sie hat bewiesen, dass sie im Wahlkampf auch anders kann als bisher. Sie hatte Mut und begab sich auf Demals Spielfeld.
Demal ist seit einem Vierteljahrhundert im Politikbetrieb. Rethorisch erfahren. Klar, dass das für Frau Enderle schwierig werden würde. – ABER: trotz der Widrigkeiten, sehr gut verkauft!
Ich denke das Konzept kann aufgehen: Protestwähler, PARTEI-Stammwähler und Jungwähler vereinen sich sowieso schon hinter Frau Enderle. Jetzt wildert sie in Demals Vorgarten.
Sie zeigte, dass sie auch – nennen wir es mal – staatstragend sein kann. Und tatsächlich eine ernsthafte Alternative zum Amtsinhaber darstellt.
Ich bin mal auf heute Abend gespannt. Mal sehen, ob auch in Spöck bei der Fragerunde Demal-Fans versuchen Frau Enderle zu diskreditieren und bloßzustellen. Das nämlich, war, in Blankenloch, kein fairer Zug!

Demal ist zu alt

Versprechungen hatten wir schon genug in der Politik, die werden sowieso nie gehalten, ausserdem unehrlich


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