Von meinstutensee.de-Reporter Sebastian Raviol

Trist sieht es bei dem regnerischen Wetter aus und viel Platz zum Spielen gibt es ohnehin nicht. Wo beim Friedrichstaler Asylbewerberheim im Innenhof im Sommer noch abendliche Fußballspiele stattfanden, stehen seit vergangenem Spätherbst Container für neue Bewohner. Wie gerufen kommen da die Schüler der Eine-Welt-AG des Thomas-Mann-Gymnasiums, die am vergangenen Freitag Kartons mit gesammelten Büchern, Malheften und Spielbälle für die etwa 30 Kinder in der Unterkunft mitbrachten.

Argjend Vokshi nimmt sich einen Plüsch-Elefanten aus dem Karton. Vor vier Monaten kam der Achtjährige mit seinem Vater aus dem Kosowo. Nun bekommt er Unterricht an der Spöcker Grundschule. Für Argjend ist es das erste Mal, dass er in Deutschland etwas geschenkt bekommt. Bei den beiden Schülern der Eine-Welt-AG und deren Leiterin, Angela Mielke, bedanken sein Vater und er sich auf Deutsch.

Ein einheitliches Projekt: Schüler, Eltern und Lehrer helfen zusammen

Mielke gründete vor zehn Jahren die Eine-Welt-AG. „Wir haben auch schon für Haiti gesammelt, aber wir legen auch viel Wert auf unsere nähere Umgebung“, erklärt die Religionslehrerin die Ziele der AG. Unter den Spenden seien „ganz bewusst Spielsachen, die von den Kindern ohne komplizierte Bedienungsanleitungen direkt verwendet werden können“. Innerhalb von drei Tagen brachten Schüler, Eltern und Lehrer Dinge zusammen, die sie selbst nicht mehr benötigen.

Das Engagement der zwölf Schüler in der Eine-Welt-AG lobt Mielke: „Gibt es eine Katastrophe auf der Welt, weiß ich, dass ich spätestens drei Stunden später eine SMS von jemandem aus der Eine-Welt-AG bekomme, dass wir da was machen müssen.“ Die Schüler seien mit viel Eigeninitiative dabei und arbeiteten stufenübergreifend: „Von der siebten bis zur zwölften Klasse sind Schüler dabei, ein tolles Miteinander.“

Eine-Welt-AG: Auf Diskussion und Organisation folgt die Hilfe

Wie aus dem Miteinander konkrete Hilfe entsteht, erfreut Svenja Röther. Die 17-Jährige arbeitet seit zwei Jahren in der Eine-Welt-AG mit: „Ich finde es cool, wie wir in der Gruppe zunächst diskutieren und dann am Ende sehen können, was dabei herauskommt.“ Wie sie empfindet auch ihr Mitschüler Maximilian Zimmer die Hilfe als notwendig: „Es ist wichtig, Menschen zu helfen, die unter schlechteren Umständen leben müssen.“

Für die 128 Asylbewerber in der Unterkunft sind Spenden wie die der Eine-Welt-AG wichtig. Das monatliche Taschengeld brauchen die Eltern für Kleider und Hygieneartikel. Die Kinder freuen sich umso mehr über neue Spielmöglichkeiten. Inzwischen hat sich Argjend einen Basketball geschnappt und verwendet ihn erst einmal als Fußball – und den spielt er Mielke zu.

Und so entsteht das, was in der Politik oftmals zur Sprache kommt, aber selten Umsetzung findet: Schüler engagieren sich vor Ort für Asylbewerber. Die Zusammenarbeit zwischen Schule und Asylbewerbern solle eine Fortsetzung finden, kündigen Svenja Röther und Maximilian Zimmer von der Eine-Welt-AG an. Zusammen mit der Schüler-Mitverwaltung (SMV) wollen sie einen Spielnachmittag für TMG-Schüler und junge Asylbewerber organisieren.

 

Bildquellen

  • DSC_2203 (Medium): Sebastian Raviol
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