Es ist ein Denkspiel. Man versuche, sich vorzustellen, dass man eine ganz bestimmte Überzeugung hat, die man tief im Herzen trägt, die einem aber von außen verboten wird. Man wird klein gehalten, darf sich nicht entfalten, wird sogar verfolgt für diese Überzeugung.

Dieses Denkspiel ist bittere Realität für viele Menschen auf dieser Welt, und so auch für eine vierköpfige iranische Familie, die auf der Flucht vor Verfolgung und Misshandlung aufgrund der Tatsache, dass sie gläubige Christen sind, schließlich in der Friedrichstaler Karlsfeldstraße angekommen sind.

Wegen der im Iran vorherrschenden Repressalien war ein öffentliches Praktizieren ihres Glaubens, geschweige denn eine Taufe, undenkbar. Nachdem die Familie nun seit Monaten sonntags in den evangelischen Gottesdienst kommt und sich trotz Sprachschwierigkeiten hervorragend in die Kirchengemeinde integriert hat, wurde Ihnen nun dieser große Wunsch erfüllt.

Diese Familie, das sind Mutter, Vater und die beiden Söhne (9 und 11 Jahre), deren Asylantrag aufgrund von überlasteten Behörden auch nach Monaten noch nicht gestellt werden konnte. Nichts desto trotz sind die beiden Jungs nun seit mehreren Wochen auch im Friedrichstaler Fußball aktiv und integriert.

Am 08. August um 14 Uhr war es dann endlich soweit. Vor einigen Mitbewohnern der Karlsfeldstraße und Gemeindemitgliedern eröffnete Pfarrer Eisele den Taufgottesdienst in der evangelischen Kirche in Friedrichstal. Der gesamte Gottesdienst wurde auf Persisch übersetzt, ein Teil zusätzlich noch auf Englisch.

Die beiden Kinder haben nun zusammen drei Paten, davon zwei Mitglieder aus der evangelischen Kirchengemeinde.
Zur Segnung verlas Herr Eisele jeweils die Taufsprüche, und es wurden die Taufkerzen entzündet. Die beiden Jungs waren sichtlich stolz, die Kerzen selbst entzünden zu dürfen.

Ein besonderes Highlight war ein kleines Theaterstück, welches von zwei der Paten aufgeführt wurde und die Teilnehmer sowohl zum Lachen als auch zum Nachdenken gebracht hat.

Nach dem Gottesdienst gab es Kaffee und Kuchen im Gemeindehaus. Auch Geschenke durften natürlich nicht fehlen, die strahlenden Gesichter der Taufkinder waren dabei unbezahlbar. Ohne Berührungsängste und trotz Sprachbarrieren wurde sich unterhalten und gelacht. Vor allem bei den Kindern hat man gesehen, wie wenig die Sprache oder Herkunft doch ausmacht, Fußball spielen kann man auch ohne viele Worte.

Es war trotz Hitze ein wunderschöner und gelungener Nachmittag. Vielen Dank an Pfarrer Eisele und alle Beteiligten für die Organisation und Durchführung. Vielen Dank, dass ich Teil dieser Taufe sein durfte.

Viola Weis

Bildquellen

  • Altar evang. Kirche Friedrichstal: Viola Weis
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