Von meinstutensee.de-Reporter Martin Strohal

meinstutensee.de exklusivmeinstutensee.de trifft sich mit den Ortsvorstehern der Stutenseer Stadtteile sowie der Vorsitzenden des Stadtteilausschusses Blankenloch und will erfahren, was im vergangenen Jahr erreicht werden konnte, welche Themen gerade aktuell sind und welche Überlegungen es für die Zukunft gibt. Teil 2 unserer Interview-Reihe ist das Gespräch mit Ludwig-W. Heidt, Ortsvorsteher in Staffort.

Ist es dem Ortschaftsrat von Staffort im vergangenen Jahr gelungen, die Stafforter Interessen gegenüber dem Gemeinderat angemessen zu vertreten? Wo konnte er Erfolge erzielen, mit welchen Entscheidungen sind Sie weniger glücklich?

Ich denke, dass der Ortschaftsrat Erfolge erzielen konnte gegenüber dem Gemeinderat und auch gegenüber der Stadtverwaltung, das muss man sagen. Wir haben uns im Grunde einhellig durchgesetzt, dass die Dreschhalle – das war ja die ursprüngliche Absicht – nicht dem Bagger zum Opfer fällt, um nachher aus dieser Fläche Geld zu generieren, und haben dennoch vom Gemeinderat die Zusage bekommen für den Bau einer neuen Mehrzweckhalle. Im September – der Ortschaftsrat geschlossen, auch Teilnehmer der Stadtverwaltung, Leitung war OB – haben wir uns im Kraichgau zwei Hallen angeschaut. Das war ein Kontrastprogramm. Aber eine Halle war dabei in Bahnbrücken, die im Grunde unseren Vorstellungen entsprach. Da gibt es jetzt innerhalb des Ortschaftsrates mit fünf Stimmen eigentlich eine ganz deutliche Meinung. Wir haben auch das Anforderungsprofil an die neue Halle definiert. Der Kollege Sickinger ist der Meinung, die Maße müssten größer sein. Aber wir wollen eben ein anderes Raumprogramm, weil wir viele, auch Sport treibende Gruppen, auch jüngere Damen und ältere Damen, die brauchen kleinere Räume. Und dafür brauchen wir keine riesige Mehrzweckhalle, sondern man muss da vielfältig agieren. V.a. wollen wir auch eine kleine Mensa für die Schule integrieren. Wieder unterschiedliche Meinungen von 1 zu 5 sind da, wenn es um die eingehauste Bühne geht. Die eingehauste Bühne kostet Geld, aber sie hat natürlich den Vorteil, dass ich dadurch auch einen zusätzlichen Raum gewinne. Denn die Bühne bleibt ja nicht ungenutzt. Sie kann ja genutzt werden, z.B. als Gymnastikraum. Das war ein sehr großer Erfolg für den Ortschaftsrat.

Interview Ludwig-W. HeidtDann sind wir rechtzeitig die Installierung zeitgemäßer Bestattungsarten auf dem alten Friedhofsteil angegangen. Die Planung ist voll im Gange. Wir haben die ersten Beschlüsse umgesetzt dadurch, dass wir jetzt auch Rasengrabbestattung haben, da ist schon die erste Bestattung erfolgt. Wir haben auch die dringend notwendige Erweiterung des Urnenfeldes auf dem Friedhof schon umgesetzt. Jetzt sind wir dabei – ja, das ist jetzt eine Sache, da hätte es z.B. auch schneller gehen können – durch die Friedhofsgärtnergenossenschaft schon konkrete Planungen vorzufinden. Die planen, und wir schauen uns das dann an. Das muss jetzt kommen, auch Baumbestattungen müssen in Zukunft möglich sein. Das ist so ein kleiner Wermutstropfen. Was wir jetzt im Nachgang – das konnte so niemand erahnen – angehen müssen, ist die etwas schwierige Anbindung des Einzelhandelsmarkts, was die Fußläufigkeit und die Radfahrer anbelangt. Denn die Radfahrer müssen nach dem derzeitigen Stand zweimal die Büchenauer Straße, die Kreisstraße, queren, die doch relativ stark befahren ist. Da sind wir jetzt dabei, Lösungen zu erarbeiten. D.h. wir haben ein Auftragspaket an die Stadtverwaltung abgeliefert.

Dass der Radweg vielleicht auch noch auf der anderen Straßenseite eingerichtet wird…

Ja, dass irgendeine Form gefunden wird, die Kompatibilität zwischen Fußläufigkeit und Fahrradfahrern herstellt, so dass es da nicht zu diesen Gefährdungskonflikten kommt wie bisher. Aber insgesamt haben wir natürlich mit der Ansiedlung des Einzelhandels einen Glücksgriff gemacht. Wir haben auch über fünf Jahre hinweg dafür gekämpft. Und letztendlich ist das schon sehr, sehr wichtig für Staffort. Er brummt und wird gut angenommen, sagen die Leute. Das war jetzt zum letzten Jahr.

Man kann nicht immer rummosern und rummeckern. Es gäbe natürlich schon einen größeren Wunschkatalog. Dass nicht alles schlagartig erfüllt werden kann, ist klar. Man muss sich auf das Wesentliche konzentrieren. Ich denke, dass wir da – gemeinsam wohlgemerkt, als Team – eine sehr gute Politik betrieben haben, allerdings ohne zu überziehen. Wissen Sie, ich kann 1000% fordern in der Hoffnung 80% zu bekommen. Oder ich kann realistisch 100% fordern in der Hoffnung, dass sich dann im Rahmen der Möglichkeit 80% einstellen. Aber das muss natürlich ganz ehrlich kommuniziert werden.

Und wir haben natürlich die Straßen- und Gehwegesanierung im letzten Jahr fortgesetzt in der Blankenlocher Straße und in der Schlossstraße, und jetzt soll es weitergehen in den anderen notwendigen Bereichen. Da ist natürlich klasse, dass das mit dem schnellen Datennetz verbunden wird. Das betrifft ja alle Stadtteile.

Das wird dann gleich berücksichtigt, wenn man die Straßen sowieso aufreißt?

Genau, alles andere wäre ja Irrsinn.

Neubau der Mehrzweckhalle

Zur Mehrzweckhalle nochmal: Wie ist der Zeitplan? Wird in absehbarer Zeit schon mit dem Bauen begonnen? Oder wann ist damit zu rechnen?

Wir haben verbindlich für 2016 die Planung. Da wird nun unser Anforderungsprofil, die Standards, die wir wünschen, zusammengefasst, das Ganze läuft über Architekturbüros. Dann wird natürlich kalkuliert, und dann werden – Sie kennen das ja sehr gut, Sie sind ja immer vor Ort – durch den AUT [Ausschuss für Umwelt und Technik] bzw. durch das Beschlussorgan Gemeinderat die Standards festgelegt und der Auftrag vergeben. Wir gehen davon aus, dass das im Jahr 2016 erfolgt.

Wird das Rote Kreuz dann dort auch wieder sein Zuhause finden oder muss das woanders untergebracht werden?

Nein, unsere Wünsche, die wir an die Standards richten, sind klar verbunden mit der Forderung, eben dieses existente Gebäude des DRK auf irgendeine Art und Weise architektonisch zu integrieren. Das wird sicherlich keine einfache Aufgabe sein. Aber ich denke mal, wir haben gute Planer, und die müssten das hinbekommen. Wir legen großen Wert darauf, dass der DRK da keinen Schaden nimmt.

Neubaugebiet und innerörtliche Entwicklung

Wie hoch ist der Siedlungsdruck auf Staffort? Es ist ja immer die Rede von Erweiterung des Neubaugebiets Unterfeld. Gibt es dazu schon einen Zeitplan oder ist erst einmal die Verdichtung im Innenbereich wichtiger?

Interview Ludwig-W. HeidtDas sind zwei Sachen, die ich mir aufgeschrieben habe. Der Siedlungsdruck ist groß. Faszinierend für mich ist der Umstand und auch die Tatsache, dass viele junge Familien auch dabei sind, die auch an älteren Gebäuden, dabei Ökonomiegebäude, Interesse zeigen, also auch durchaus bereit sind, eine Scheune umzubauen oder zu nutzen für was auch immer. Aber da ist das meiste jetzt losgeschlagen. Über Monate und Jahre hat sich zum Teil nichts getan. Dann kamen die günstigen Zinsen, dadurch kam unglaublich Bewegung rein. Ähnlich wie auch bei den städtischen Grundstücken im Unterfeld. Da hatten wir zwei kleine Quartiere, direkt an der Büchenauer Straße gelegen. Da saßen wir zweieinhalb oder drei Jahre drauf. Dann kam ein Sog und hat innerhalb kürzester Zeit alles geschluckt. Die Leute fühlen sich wohl, das ist bebaut. Wir haben also im Augenblick keine städtischen Grundstücke mehr im Unterfeld I.

Konkret: Ich persönlich lege seit vielen, vielen Jahren größten Wert darauf – und da werde ich auch Druck machen, ohne Ende Druck machen in Richtung Stadtverwaltung -, dass endlich diese innerörtliche Entwicklung angepackt wird. Ich habe im letzten Sommer mehrfach öffentlich im Mitteilungsblatt die Frage gestellt, wer Interesse hat. Letztendlich kam heraus, dass aktuell als auch in die Mittelfristigkeit hinein 12 Grundstücke auf diese Art und Weise entwickelt werden könnten. Da ist halt die Frage: Brauche ich einen Bebauungsplan dazu? Oder kann ich das im Grunde städteplanerisch bzw. auch baurechtlich auf eine andere Art und Weise lösen? Das ist zum Teil das Karussell, in dem wir uns befinden und uns drehen. Aber das muss angegangen werden, denn wenn Sie hier die wunderbaren Gebäude anschauen, die Wohnfläche soll verringert werden, das ist ja auch – Gott sei dank! – erklärtes Ziel der Landesregierung, da muss man alternativ auch die Chancen bieten. Die Gebäude sind erschlossen. Man kommt also relativ günstig an Grundstücke ran, die zwar nicht an einer Stelle liegen, an der man gleichzeitig den freien Blick zur Ostsee und den Alpen hat, sondern im dörflichen Grün eingebettet sind.

Aber Unterfeld II steht dann auch noch irgendwann an?

Unterfeld steht an, ja. Und jetzt sind wir bei dem Thema: Unterfeld II wird sicher auch eine Rolle spielen, wenn es darum geht, finanzierbaren Wohnraum zu schaffen bzw. auch Anschlussunterbringungen zu organisieren und bauen zu lassen, wobei da der Ortschaftsrat einen endgültigen Beschluss in seiner öffentlichen Sitzung am 17. März treffen wird. Da ist eine große Aufklärungsveranstaltung ähnlich wie in Spöck. Da können die Leute ihre Fragen stellen, bekommen die Fragen beantwortet, ich denke absolut zufriedenstellend. Dann wissen sie auch, was passiert.

Was das Wohnen betrifft, sehen Sie also keinen Nachteil aufgrund der fehlenden Straßenbahnanbindung zum Beispiel?

Interview Ludwig-W. HeidtDas kann man so und so sehen. Wenn ich da drüben in der Nähe einer Stadtbahnhaltestelle praktisch das Doppelte bezahle, dann fragt sich der, der sich dort einmietet: Kann ich mir das leisten? Ist mir der Komfort das wert? Und wir haben in der Zwischenzeit hier einen sehr akzeptablen Linienbus, der zu Rush-Hour-Zeiten, also wenn Schule ist, nicht in den Schulferien, in 10 Minuten eingetaktet ist. Wir haben den großen Vorteil: Wir fahren zum Bahnhof in Weingarten zur S3 und fahren rüber nach Blankenloch zur S2. Außerdem kann ich ohne Probleme mit dem 121er, das sind die 21-Sitzer, nach Weingarten zum Bahnhof fahren und bin ruckzuck in Bruchsal. Schauen Sie sich mal den Umstand an, wenn einer aus Blankenloch z.B. – Spöck nehme ich da aus, die sind relativ gut angebunden – nach Bruchsal wollte. Das ist ein Unding. Und wir sind ruckzuck drüben, steigen in die S3 oder S31 ein und fahren nach Bruchsal. Von daher ist das schon sehr komfortabel. Wir haben zwar keine Schienen, aber der ÖPNV funktioniert, und die Leute sind zufrieden.

Flüchtlinge

Die Flüchtlingsunterbringung haben Sie gerade schon angesprochen. Ist schon bekannt, um wie viele Flüchtlinge es sich dabei handeln wird? Oder wird das erst bei der Veranstaltung im März kommuniziert?

Die Informationen werden im Grunde in der März-Veranstaltung veröffentlicht. Festzuhalten ist, dass wir aufgrund eines Beschlusses des Gemeinderats die Anschlussunterbringung orientieren am einwohnermäßigen Proporz der Stadtteile. Blankenloch mit 12.400 Einwohnern, einschließlich Büchig, hat 300 Flüchtlinge. Dann können Sie das runterbrechen auf 5.600 Einwohner in Friedrichstal, auf 4.400 in Spöck und auf die 2.000 Einwohner in Staffort. Ich kann da jetzt nicht vorgreifen, ob es 60 oder 70 werden, für die wir jetzt akut Wohnraum suchen werden. In Staffort wird vermutlich 2017 oder 2018 belegen. Aber wir haben bereits Flüchtlinge hier: eine fünfköpfige Familie aus Syrien, allerdings privat untergebracht. Die zählen dann leider nicht auf die Kommune an. Die waren zwar in der Gemeinschaftsunterkunft. Aber wenn sie sich dann privat anmieten, weil sie schon gewisse Privilegien haben, zählen sie leider nicht. Da muss irgendwas passieren, dass sie trotzdem irgendwie zählen, denn wir müssen ja auch für diese Kinder Kindergärtenplätze bzw. Schulplätze zur Verfügung stellen. Dann haben wir noch zwei alleinstehende Mütter mit jeweils einem Kind. Also im Augenblick haben wir neun Flüchtlinge hier. Da hat es bisher keine Klagen gegeben, keine dummen Sprüche, keine Angriffe.

D.h. Sie bauen da auf die Unterstützung der Bevölkerung…

Natürlich.

In Friedrichstal und Blankenloch haben sich ja schon größere Gruppen von Ehrenamtlichen gebildet. So etwas ist in Staffort auch vorstellbar, oder?

Genau. Muss sein.

Noch bevor der Flüchtlingsstrom kam, hatten Sie hier schon das „kleine Fest der Nationen“ ausgerichtet. Wie ist das in der Bevölkerung angekommen? Und soll das jetzt zur festen Einrichtung werden?

Interview Ludwig-W. HeidtDas ist wunderbar angekommen, ganz klasse. Das wird zur festen Einrichtung. In der Zwischenzeit habe ich auch kleine Stammtische der Nationen durchgeführt. Wir haben uns draußen im Vogelpark getroffen, haben eine Pizza zusammen gegessen oder was anderes, werden uns jetzt wieder treffen, an einem noch festzulegenden Termin. Wir müssen eben aufpassen, weil die auch die kurzen Ferien nutzen, um mal Verwandte zu besuchen irgendwo. Und wir werden am 21. Mai das zweite „kleine Fest der Nationen“ durchführen.

Dass die Dreschhalle dem Neubau der Mehrzweckhalle zum Opfer fällt ist jetzt endgültig vom Tisch?

Das ist tot, jawohl. Und die jetzige Mehrzweckhalle bleibt natürlich so lange stehen, bis die neue Mehrzweckhalle fertig ist, denn der Schulbetrieb, der Sportbetrieb, der Vereinsbetrieb muss ja weiterlaufen.

Wo wird dann die neue Halle gebaut? Auf dem gleichen Grundstück irgendwo?

Genau. Südlich ist ein kleiner Hartplatz. Nur da kann es funktionieren, weil wir natürlich die Nähe zur Schule brauchen. Das ist ja eine der wichtigsten Einrichtungen für die Schule und auch für den Kindergarten. Oder für beide Kindergärten. Denn auch der Waldkindergarten macht Freitag morgens, glaube ich, immer auch Sport.

Generationenzentrum

Eins muss ich noch sagen: Es geht nicht nur um Anschlussunterbringung, sondern wir haben großen Wert darauf gelegt – und zwar auch alle Fraktionen im Gemeinderat, das zieht sich auch durch den ehemaligen Ortschaftsrat zu 100% durch und auch zu 100% durch den jetzigen Ortschaftsrat in der jetzigen Besetzung durch: Wir müssen unseren Beitrag leisten, und das wollen wir auch, auch in Verbindung mit Bauvorhaben Anschlussunterbringung möglicherweise, wo immer sich die Chance bietet, finanzierbaren Wohnraum zu schaffen. Denn den brauchen wir, dafür haben wir eine soziale Verpflichtung. Es kommen viele junge Alleinerziehende mit Kindern, die wissen nicht ein noch aus und wissen nicht, wohin. Deshalb möchte ich auch ein kleines Generationenzentrum hier in Staffort haben, in dem man im Grunde alles kompensieren kann: Finanzierbarer Wohnraum für junge Leute, z.B. ein Reihenhäuschen, daneben kann ruhig ein größeres Projekt realisiert werden für Singles, also kleinere Wohnungen, und dann auch Wohnraum für Senioren. Da kann ich natürlich Synergieeffekte erzielen. Wenn ein Witwer oder eine Witwe nicht aus Staffort raus will, wohnt aber alleine in einem riesigen Haus, kommt an für sich mit sich gerade noch klar, aber weder mit der Reinigung der Flächen oder der Betreuung oder wie auch immer, geht schon los mit dem Schneeräumen oder dem Mülleimer-Rausstellen an bestimmten Tagen, wird es problematisch. Wenn ich der Frau oder dem Mann aber das Angebot machen kann, sie oder er kann sich einmieten oder einkaufen zu einem finanzierbaren Preis irgendwo in Staffort und erlebt dann generationenübergreifend ein Ensemble, dann ist die doch bereit, ihr eigenes Zuhause entweder zu vermieten oder möglicherweise zu verkaufen, keine Ahnung, sofern natürlich mögliche nachfolgende Erben damit einverstanden sind. Aber das sind ganz wichtige Dinge, die müssen wir anpacken. Leider sind wir da auch ein wenig gescheitert. Das war im letzten Jahr. Das war für mich schon enttäuschend. Aber wir denken da weiter.

In welchem Stadium befindet sich das? Erst mal Ideenstadium? Konkrete Planungen gibt es dafür noch nicht?

Interview Ludwig-W. HeidtEs gab startbereite Investoren, die das gemacht hätten, auch was Pflege usw. anbelangt. Das ist im Grunde dann gescheitert an verfügbaren Flächen. Genau das sehe ich jetzt wieder beim Thema „innerörtliche Weiterentwicklung“. Da packe ich das gedanklich mit rein. Nicht falsch verstehen, das wird keine halbe Waldstadt oder so etwas. Sondern wenn das vier Reihenhäuschen werden, haben wir die Jungen. Wenn das ein größerer Komplex wäre oder z.B. zwei dreistöckige Häuser, dann hätte ich die Senioren drin und die Single-Wohnungen.

Bundeswehr-Patenschaft

Auf Ihre Initiative hin entstand die Patenschaft mit der Bundeswehrkompanie. Was ist der Hintergrund dieser Patenschaft und hat sie sich bewährt?

Hintergrund der Patenschaft – das weiß ich ja als ehemaliger Berufssoldat – ist schlichtweg, dass die Bundeswehr nach Aussetzung der Wehrpflicht und aufgrund der Tatsache, dass sie kaum noch in der Fläche aktiv ist, weil sie zum Teil überschüttet wird mit Aufträgen, aus dem Blickpunkt der Bevölkerung geraten ist und das eigentlich nicht möchte. Sie sind ja Staatsbürger in Uniform. Sie sind integraler Bestandteil unserer Gesellschaft und halten an verschiedenen Brennpunkten dieser Erde ihren Kopf hin und sind bereit, Leib und Leben zu opfern. Das war eigentlich die Idee. Und dann kam irgendwann 2009 diese Einheit und hat einfach die Idee produziert: Staffort würde von der Struktur her genau in unser Übungskonzept passen. Natürlich alles gezeigt, hevorragend, die haben sich saumäßig wohlgefühlt, die Bevölkerung hat sich gefreut, die Mädels haben Kuchen für sie gebacken usw. Sie haben sich anständig benommen. Bei dieser Übung hat sich dann die Idee entwickelt, das wir einen Antrag stellen könnten auf Begründung einer Patenschaft. Das war früher Gang und Gäbe. An jedem Bundeswehrstandort hat es das gegeben. Aber das ist alles eingeschlafen. Auch mit aliierten Streitkräften eine Patenschaft zu machen, also mit den Franzosen, mit den Kanadiern, Amerikanern, Belgiern und wem auch immer. Das hat es überall gegeben. Das fanden die Leute sehr gut, auch der Ortschaftsrat hat es begrüßt. Ich habe dann einen Antrag gestellt an die zuständige Division, der wurde sofort positiv bewertet. Wir haben dann aber gesagt, wir machen es erst 2010, in unserem Jubiläumsjahr. Eine andere Gemeinde hat das aufgeschnappt, nämlich Forst, weil da auch Soldaten wohnen. Die kamen uns zuvor. Aber jeder bei der Bundeswehr weiß, dass Staffort da der Ideengeber war. Um Ihre Frage zu beantworten: Da gibt es nur ein eindeutiges Ja. Also was die für uns tun, die Jungs: Hütten bauen für den klingenden Advent, die haben jetzt über 3000 Naturverjüngungsstämme an zwei Tagen mit Aufwuchshüllen versehen, da waren etwas über 30 Mann am Werke. Da haben wir hier Naturtage absolviert. Das hätte uns sonst gnadenlos Geld gekostet. Das haben sie für uns kostenlos gemacht für ein Butterbrot und ein Ei. Dann verschiedene andere Dinge. Wenn man sie braucht, sind sie da – wenn sie eben verfügbar sind. Auf anderer Seite unterstützen wir sie, wenn sie Übungen machen wollen, bekommen sie einen Übungsraum angeboten. Eine größere Kommandeur-Besprechung fand im „Schwanen“ statt, in der Liegenschaft. Am 10. März wird die Kompanieübergabe sein hier auf dem Rathausvorplatz, den sie eindeutig offiziell als „Wohnzimmer“ der Patenkompanie bezeichnen. Sie kommen natürlich auch nicht zu kurz. Wenn sie im Einsatz sind, bekommen sie gutes Essen, bekommen etwas zu trinken, oder auch für einen Glühwein an Weihnachten drei Kisten Rotwein.

Planungen

Die nächste Frage wäre noch gewesen, welche Ideen und Planungen Sie für Staffort für die nächsten Jahre haben. Aber da ist ja jetzt schon ziemlich viel rausgeklungen bei dem, was Sie bisher schon gesagt haben.

Planungen habe ich viele. Die Frage ist immer: Ist man in der Zwischenzeit realistisch genug, um einzuschätzen, ob man es verwirklichen kann. Ich werde da nicht locker lassen, und ich will da auch durch, zumindest die verbleibende Zeit, die ich noch habe, um einfach weiter am Ball zu bleiben: Reduzierung des Verkehrs und Reduzierung der Geschwindigkeit. Durch unseren kleinen Ort gehen zwei Kreisstraßen. Da gibt es einen Straßenbaulastträger, das ist der Landkreis. Wir dürfen da gar nicht aktiv werden, ohne dessen Plazet. Das muss kommen. Vor allen Dingen wollen wir für unsere Kinder ein gutes, attraktives Angebot, was Spielmöglichkeiten anbelangt, wie jetzt schon in Friedrichstal und Blankenloch umgesetzt. Wir brauchen nicht die flächenmäßige Größe wie die beiden großen Stadtteile. Aber auch wir brauchen das. Und wir brauchen auch – möglicherweise vorgezogen – einen Fußballkäfig. Da können sich die Jugendlichen aktiv einbringen und sich austoben. Das fehlt hier. Das muss passieren. Wir werden 2016 wieder sehr schöne Veranstaltungen haben: zweites „kleines Fest der Nationen“, haben wir angesprochen, wieder den „Tag der Musik“, der war ja letztes Jahr gigantisch und sehr erfolgreich, also auch, was die Darbietungen anbelangt, die Leute, die sich da präsentiert haben. Dann haben wir jetzt im Zweijahres-Abstand wieder die Geburtenbaumpflanzaktion im März und im Mai – auch im Zweijahres-Abstand – wieder die nächste „Ausstellung Stafforter Künstler und Sammler“. Das gibt wieder ein volles Programm. Und wie es dann weitergeht, Herr Strohal, da muss ich ganz offen sein, werden wir sehen, wie es dann mit den Finanzen aussieht.

Noch eine letzte Frage: Sie machen das jetzt ja schon seit vielen Jahren, und es hört sich alles auch ziemlich zeitaufwändig an, was Sie alles machen. Haben Sie schon überlegt, wie lange Sie das noch machen wollen oder lassen Sie das auf sich zukommen?

Sie meinen jetzt das kommunale Engagement?

Die kommunale Politik als Ortsvorsteher und Gemeinderat, ja.

Das muss man trennen. Das kommunale Engagement sind jetzt 27 Jahre. Sowohl als Mitglied des Gemeinderates als auch des Ortschaftsrates. Die Zeit als Ortsvorsteher, das sind jetzt 12 Jahre. Letztendlich kann die Entscheidung durchaus so sein, dass man in drei Jahren sagt: Jetzt reicht’s. Ich denke, da mache ich keinen Hehl draus, es könnte auch in die Richtung laufen. Wenn man dann mal 67 ist oder hart an der 68er-Grenze und hat Enkel und Enkelinnen und hat eine Familie und zu Hause auch noch einen kleinen Betrieb mitzubetreuen, soll’s reichen. Und die Jungen sollen jetzt auch ran. Die brauchen ihre Chance. Egal, welche Waffengattung sie auf der Stirn tragen oder politische Einstellung, hoffentlich weder links- noch rechtsradikal, dann sollen die Verantwortung tragen.

Das hört sich ja ziemlich aufwändig an, was Sie als Ortsvorsteher vom Zeitaufwand leisten. Ein normaler Berufstätiger hat es neben dem Beruf vermutlich ziemlich schwer,  wie z.B. auch Herr Beimel in Spöck, das alles unter einen Hut zu bekommen. Als Außenstehender kann man sich das nicht so vorstellen.

Interview Ludwig-W. HeidtDas ist schwierig als Fulltime-Jobler, sowieso als Unternehmer das zu machen. Da bewundere ich den Kollegen Beimel ganz sakrisch! Bei mir war es damals so, ich ging dann in den Ruhestand und wurde hier gewählt. Wenn man die anderen Mandate ernst nimmt, kostet es auch viel Zeit, aber sehen Sie, sowohl der Manfred Beimel als auch ich 2010 hatten natürlich das große Glück und die große Freude, dass wir unsere Stadtteil-Jubiläen dadrin hatten. Und ich sage Ihnen: Wir haben 3,5 Jahre vorher, da haben mich alle für verrückt erklärt und gesagt, jetzt fängt er an zu spinnen, den liefern sie demnächst irgendwann mal ein, angefangen zu planen die 900-Jahr-Feier. Das habe ich auch den Spöckern empfohlen. Ich habe ihnen meine ganzen Organisationsakten gegeben, damit sie die Räder nicht neu erfinden müssen. Trotzdem können sie natürlich ihren individuellen Touch reinbringen. Das war toll, wie die Leute zusammengewirkt haben, insbesonder auch Neubürger. Und nur deshalb hat es funktioniert. 3,5 Jahre! Da können Sie erleben, was da abgeht. Da ist jeden Tag irgendein Arbeitskreis. Und wenn ein Tag noch frei ist, wird ein neuer Arbeitskreis erfunden.

Das war am Ende auch sehr erfolgreich.

War schön, ja. Es ist Gott sei Dank nichts passiert, mit dem Geld sind wir auf den Punkt klargekommen, sowohl im Soll als auch im Haben. Nein, es war toll. Ich muss sagen: Da konnte man stolz sein. Auch bei den anderen Dingen, mit unseren Dorfverschönerungsaktionen, den Blumenschalen, die Traversen, die draußen hängen, die sind ja alle gesponsert. Die werden ja von Leuten bezahlt. Spendiert jedes Jahr. Wir machen zwar die Arbeit, aber das muss halt auch gemacht werden. Jetzt kam irgendwann der Appell, dass man sich wieder melden kann. Jetzt kommen die ersten Bestellungen rein. Und irgendwann werden wir bald 100 Laternen haben, dir wir mit Geranien bestücken. Das sind halt Dinge, an denen man erkennen kann, dass die Leute mitziehen. Nur wenn man sagt „Mach mal“ und bringt sich selber nicht ein, dann funktioniert das nicht. Führen durch Vorbild, nur dann funktioniert es.

Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für uns genommen haben, Herr Heidt!

 

Bildquellen

  • Interview Ludwig-W. Heidt: Dirk Gebhardt
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