Von meinstutensee.de-Reporter Martin Strohal

Der im vergangenen Jahr neu errichtete Haltepunkt der Deutschen Bahn in Friedrichstal ist an beiden Enden eines jeden Bahnsteigs mit einer Metalltreppe ausgestattet, die hinunter auf die Gleise führt. Dabei handelt es sich jedoch nicht um eine offizielle Möglichkeit zur Überquerung der Gleise, auch wenn dieser Weg deutlich kürzer ist als der durch die Unterführung. Abgesperrt sind die Treppen zwar nicht, aber es steht ein Verbotsschild daneben.

Dieser Zustand missfällt SPD-Stadträtin Beate Hauser, wie sie in der letzten Gemeinderatssitzung deutlich machte. Für Kinder und Jugendliche sei die Situation viel zu gefährlich, v.a. angesichts des nahegelegenen Mehrgenerationenspielplatzes. Die Treppen zum Gleisbett befinden sich direkt neben dem Zugang zum Bahnsteig. Im Gegensatz zum früheren Haltepunkt in Friedrichstal befindet sich auch keine Absperrung zwischen den Gleisen, die ein schnelles Überqueren erschweren würde.

Die Stadtverwaltung wies darauf hin, dass es sich um eine Einrichtung der Deutschen Bahn handle. Man habe schon mehrfach Kontkt aufgenommen und die Zustände geschildert, hieß es aus dem Rathaus. Leider sei nicht mehr möglich.

meinstutensee.de wollte wissen, was die Bahn als Betreiber des Haltepunkts dazu sagt. Ist eine unabgesperrte und lediglich mit einem Hinweisschild versehene Treppe zu den Gleisen in Ordnung? Oder begünstigt man damit nicht die schnelle Gleisüberquerung? Die Antwort der DB Mobility Logistics AG ist eindeutig: Die Treppen dienten dem Zweck, „im Rahmen des Arbeitsschutzes und der Arbeitsstättenrichtlinien dem Personal, welches mit Wartung-, Inspektions- oder Bauarbeiten beschäftigt ist, eine sichere Überwindung des Höhenunterschiedes zwischen Bahnsteig (als Dienstweg) und angrenzendem Bahngelände zu ermöglichen.“

„Ein grundsätzliches Erfordernis, diese Treppen mit Ketten abzusichern besteht nicht. Das Schild „Durchgang verboten“ gilt als hinreichendes Verbot, den daran angrenzenden Bereich zu betreten“, so Bahn-Sprecher Werner Graf. „Ein Verstoß gegen diese Bestimmung der EBO [Eisenbahn-Bau- und -Betriebsordnung] stellt eine Ordnungswidrigkeit dar und kann entsprechend geahndet werden.“

Ob eine Absperrung zwischen den Gleisen möglich wäre, beantwortet Graf so: „Eine feste Absperrung innerhalb des Gleisbereichs ist eine Gefahrenquelle und offensichtliche Stolperfalle für unser Instandhaltungspersonal. Des Weiteren wäre eine Evakuierung eines Zuges durch den Bau einer Absperrung in Richtung des Gleises nicht mehr möglich. Durch das Regelwerk wird weiterhin ein zwingend freizuhaltender Bereich (Lichtraumprofil) gefordert. Dieser wird durch den Einbau einer Absperrung eingeschränkt und ist somit nicht zulässig.“

Die Bahn wird also keine Aktionen vornehmen, um die aktuelle Situation zu verändern. Bleibt Eltern nur, ihre Kinder auf das Verbot hinzuweisen, die Treppen zu benutzen. Und die Erwachsenen sollten Vorbild sein und durch die Unterführung gehen, statt die Gleise zu überqueren. Die Bahnstrecke durch Friedrichstal ist eine Schnellbahnstrecke und kann von ICEs mit 200 km/h befahren werden.

Bildquellen

  • Bahnsteig Friedrichstal: Martin Strohal
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