Gewalt eskaliert: Blankenlocher Hexen setzen ein Zeichen

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Von Thomas Riedel | 21.02.2017 22:03 | 3 Kommentare

Übermäßiger Alkoholkonsum führt oftmals zu Pöbeleien und handfesten Auseinandersetzungen. Gewaltorgien sorgten in der Vergangenheit dazu, dass ganze Umzüge in kleinen Gemeinden nicht mehr durchgeführt wurden. Wo zur Betreuung der Besucher  in den 80er-Jahren an der Umzugsstrecke die Sanitäter mit einem Krankentransportwagen standen, bedarf es heute speziell eingerichteter Medical Center mit Rettungsassistenten und Notärzten. Dieser Wandel ist nicht nur den immer häufiger werdenden Patientenzahlen durch Alkohol und Gewalttaten geschuldet, sondern auch den komplexeren Anforderungen an Großveranstaltungen. Kosten, die sich Städte, Gemeinden und Vereine immer weniger leisten können und wollen.

Vor ein paar Jahren ist beim 11. Bruchhausener Umzug die Gewalt derart eskaliert, dass seitdem kein Umzug mehr durchgeführt wurde. “Grund genug ein Zeichen gegen Gewalt zu setzen”, erzählt Reinhold Nagel von den Blankenlocher Hardtwaldhexen. Mit der Aktion “Gemeinsam gegen Gewalt! Zum Erhalt von Tradition und Brauchtum” werben die Hästräger gemeinsam mit den Brückenhexen Maximiliansau für eine gewaltfreie Fasnacht.

Doch die Bedenken bleiben bei Reinhold Nagel. “Vermutlich wird es die kleineren Umzüge in den nächsten Jahrzehnten nicht mehr geben. Die Auflagen und Teilnahmebedingungen bei Umzügen werden immer strenger. Früher hatten wir Hexen die am Straßenrand stehenden Zuschauer mit Klebeband gefesselt”, so Nagel. Heute ist Klebeband aus Angst vor Eskalationen in den Teilnahmebedingungen verboten. Brauchtum und Tradition gehen Stück für Stück verloren. Zunehmende Kosten für den geforderten Sicherheitsapparat könnten auch in Zukunft ein Problem für die Straßenfasnacht werden. Wenn Städte und Gemeinden die Vereine nicht mehr unterstützen, wird Reinhold Nagel wohl leider recht behalten.

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Kommentare

Darius

Diese Entwicklung ist ein echtes Trauerspiel und spiegelt leider die zunehmende Brutalisierung in unserer Gesellschaft wider. Auch in Malsch gab es dieses Jahr ja große Probleme. Aber wenn bereits 15 jährige Mädchen mit 1,88 Promille (Quelle: BNN) und Jugendliche “zum Teil aus gutem Haus” (BNN) nur dazu anreisen, um Randale zu machen, kann man nur den Kopf schütteln. Vielleicht trifft die oft von Älteren geäußerte Vermutung doch zu, dass es den jungen Leuten heute doch zu gut geht.

Welche Zeichen soll bzw kann ein Verein denn setzen ? Es gab vor 2-3 Jahren ” Hästräger gegen Gewalt ” mit Buttons und allem möglichen. Dann gab es die ” Gelbe Schelle ” . Alles bereits zu Zeiten als Bruchhausen noch stattfand. Es wurde von Jahr zu Jahr schlimmer, aber kein schleichender Prozess. Bruchhausen war innerhalb drei Jahre kaputt. Kaputt von Jugendlichen, die mit der S-Bahn anreisen. Als Vorstand einer Südbadischen Narrenzunft, kann ich wirklich nur eins feststellen. Überall, wo die Jugendlichen mit ihrer Monatsfahrkarte im Nordbadischen hin kommen, wird es Jahr zu Jahr immer schlimmer. Eine Lösung dafür zu finden wird sehr schwer werden. Eigentlich hilft nur das konsequente Entfernen von der Umzugsstrecke bei Fehlverhalten. Nur !! Woher bzw wer soll all die Kräfte bezahlen ? Früher stellte das Land Kräfte der Bereitschaftspolizei zur Verfügung. Heute heißt es : Nix da, das Land habe die Kosten und die Vereine das Geld. Komischerweise stehen sie an den Fußballstadien immer noch jedes Wochenende. Was würde gehen ? Vielleicht mehr bzw größere Partnerschaften unter den Zünften. Partnerschaften in denen die Zünfte enger zusammen rücken, gemeinsam etwas planen ( ein Jahr diese, das nächste Jahr die andere ) aber trotzdem jedes Jahr ein Zusammenschluss, damit man genug Ordner auf die Straße bekommt, um von Anfang an durchgreifen zu können. Etwas anderes fällt mir leider nicht ein.

Darius

Die Fußballvereine haben eben eine mächtigere Lobby. Da ist es selbstverständlich, dass Polizisten zu hunderten für Ordnung sorgen. Da hat das Brauchtum eher schlechte Karten. Es ist wirklich traurig.