Von meinstutensee.de-Reporter Thomas Riedel

Übermäßiger Alkoholkonsum führt oftmals zu Pöbeleien und handfesten Auseinandersetzungen. Gewaltorgien sorgten in der Vergangenheit dazu, dass ganze Umzüge in kleinen Gemeinden nicht mehr durchgeführt wurden. Wo zur Betreuung der Besucher  in den 80er-Jahren an der Umzugsstrecke die Sanitäter mit einem Krankentransportwagen standen, bedarf es heute speziell eingerichteter Medical Center mit Rettungsassistenten und Notärzten. Dieser Wandel ist nicht nur den immer häufiger werdenden Patientenzahlen durch Alkohol und Gewalttaten geschuldet, sondern auch den komplexeren Anforderungen an Großveranstaltungen. Kosten, die sich Städte, Gemeinden und Vereine immer weniger leisten können und wollen.

Vor ein paar Jahren ist beim 11. Bruchhausener Umzug die Gewalt derart eskaliert, dass seitdem kein Umzug mehr durchgeführt wurde. „Grund genug ein Zeichen gegen Gewalt zu setzen“, erzählt Reinhold Nagel von den Blankenlocher Hardtwaldhexen. Mit der Aktion „Gemeinsam gegen Gewalt! Zum Erhalt von Tradition und Brauchtum“ werben die Hästräger gemeinsam mit den Brückenhexen Maximiliansau für eine gewaltfreie Fasnacht.

Doch die Bedenken bleiben bei Reinhold Nagel. „Vermutlich wird es die kleineren Umzüge in den nächsten Jahrzehnten nicht mehr geben. Die Auflagen und Teilnahmebedingungen bei Umzügen werden immer strenger. Früher hatten wir Hexen die am Straßenrand stehenden Zuschauer mit Klebeband gefesselt“, so Nagel. Heute ist Klebeband aus Angst vor Eskalationen in den Teilnahmebedingungen verboten. Brauchtum und Tradition gehen Stück für Stück verloren. Zunehmende Kosten für den geforderten Sicherheitsapparat könnten auch in Zukunft ein Problem für die Straßenfasnacht werden. Wenn Städte und Gemeinden die Vereine nicht mehr unterstützen, wird Reinhold Nagel wohl leider recht behalten.

Bildquellen

  • Umzug: Thomas Riedel
Werbung