Von meinstutensee.de-Reporter Martin Strohal

„Play Luther“, ein musikalisches Theaterstück, war vergangenen Sonntagabend zu Gast in der Stafforter Kirche auf Einladung von Pfarrer Holger Müller. Gespielt wurde das Stück von den beiden Künstlern Till Florian Beyerbach und Lukas Ullrich. Es handelte von Leben und Werk Martin Luthers und kam quasi ohne Kulissen aus. Einzig eine Holzkonstruktion aus Dreiecken, Fünfecken und Sechsecken, die sich im Laufe des Stücks zu einer Kuppel formten, war auf der Bühne vor dem Altar zu sehen. Die Dreiecke symbolisierten die Dreifaltigkeit, die ganze Konstruktion die sich stetig verändernde und aufeinander aufbauende, sich selber tragende Gesellschaft. Dazu kamen die beiden Schauspieler Beyerbach und Ullrich. Der eine mit E-Piano auf der einen Seite der Bühne, der andere mit einem E-Schlagzeug auf der anderen Seite.

Aus diesen wenigen Zutaten entstand im Lauf des Abends eine abwechslungsreiche Inszenierung. Mal unterhielten sich die beiden in der Gegenwart von Till zu Lukas über Luther, sein Leben und seine Leistung. Dann spielten sie einzelne Szenen aus Luthers Leben nach, so die harte Erziehung des jungen Martin in seinem Elternhaus oder die Vorladung vor den Reichstag zu Worms mit der Aufforderung, seine Thesen zu widerrufen. Dazu wechselte jeweils die Beleuchtung. Zwischendurch wurden Lieder in verschiedenen Musikstilen vorgetragen, die auf Werken Martin Luthers basierten.

Inhaltlich zog sich das Stück von der Kindheit Luthers über sein Gelübde, Mönch zu werden, über sein Turmerlebnis – sehr plastisch dargestellt – und seine Wut auf den Ablasshandel, seine 95 Thesen und die Zeit auf der Wartburg bei Eisenach, während der er die Bibel ins Hochdeutsche übersetzte, bis zu den Folgen der Reformation. Auch seine späteren Jahre als Familienvater, in denen er Moselms umbringen und Juden in Arbeitslager stecken wollte, wurden nicht ausgespart.

In all das waren die bekannten Luther-Zitate eingearbeitet: „Warum furzet und rülpset ihr nicht? Hat es euch nicht geschmecket?“ oder „Hier stehe ich. Ich kann nicht anders.“ Auch Beispiele, wie Luther die deutsche Hochsprache prägte mit noch heute bekannten Redewendungen wie „Perle vor die Säue werfen“ oder „Wer anderen eine Grube gräbt“ wurden nicht ausgespart. Was sogar zu der Frage führte, ob Luther möglicherweise als Dichter bedeutender gewesen sei als als Theologe.

Immer wieder haben Ullrich und Beyerbach im Stück Referenzen auf die Gegenwart eingebaut. So wurden Gauck und Merkel als Kinder von Pfarrersfamilien genannt, die es erst dank Luther gibt. Edward Snowden wurde mit Luther verglichen, weil auch er die Möglichkeiten moderner Kommunikationsmittel zu nutzen wusste – wie Luther einst die Erfindung des Buchdrucks, Snowden heute auf Facebook und Twitter.

„Play Luther“ wurde von Lukas Ullrich und Till Florian Beyerbach selbst entwickelt, wird von ihnen selbst gespielt und vermarktet. „Sogar den Lkw fahren wir selbst“, wie sie zum Abschluss der Aufführung in Staffort betonten. Uraufgeführt wurde „Play Luther“ im Jahr 2014 in Stuttgart. Seitdem wurden bereits 185 Auftritte absolviert. Mal seien sie das erste Theaterstück, das Menschen sehen, wenn sie in Schulen auftreten – wie am Montag in Stutensee -, mal auch das letzte bei Auftritten in Seniorenheimen und Hospizen. In ganz Deutschland waren die beiden schon unterwegs, inzwischen ist auch eine englische Version erarbeitet und führt die Künstler in das benachbarte Ausland.

Das Stück kam beim Publikum in der gut gefüllten Stafforter Kirche sehr gut an. Sogar aus Pforzheim waren Zuschauer extra angereist. Informationen über das Werk sind im Internet unter www.playluther.de zu finden. Die Aufführung bildete den Abschluss der Stutenseer und Weingartener Kulturwochen zum Thema „500 Jahre Reformation“.

Bildquellen

  • Play Luther: Martin Strohal
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