Von meinstutensee.de-Reporter Martin Strohal

Vergangenen Donnerstag Abend traf sich eine Gruppe von knapp 40 Interessierten vor dem Stafforter Rathaus, um mehr über die Geschichte des kleinsten Stutenseer Stadtteils zu erfahren. Selbst ein kräftiger Schauer schreckte keinen ab. Dennoch wurde die Möglichkeit genutzt, die erste halbe Stunde in der evangelischen Kirche im Trockenen zu verbringen. Hier begrüßte Erhard Gamer, der diese Art von Ortsrundgang bereits zum vierten Mal durchführte, seine Zuhörer. Ohne sich in Details zu verlieren, begann er, über die Gebäude rund um den Rathausvorplatz zu erzählen. Beeindruckt zeigte er sich über die kurze Bauzeit der Stafforter Kirche von nur ca. 1,5 Jahren (1900 bis 1901). Allerdings verwies er auch auf den 25-jährigen Streit zwischen Ober- und Unterdorf über den Standort der neuen Kirche. Man habe sich bekriegt und gestritten.

Weiter ging es mit Kirchengeschichte, insbesondere der Gemeinde Spöck-Staffort, die aufgrund von Pfarrer Aloys Hennhöfer, der u.a. auch das Diakonissenkrankenhaus in Rüppurr gründete, weshalb Stafforter bei Erkrankungen bevorzugt dorthin überwiesen wurden. Hennhöfer war vom katholischen zum evangelischen Glauben gewechselt – genau wie der Markgraf von Baden, der seine Gründe dafür schriftlich festgehalten hatte: im „Stafforter Buch“, das im Stafforter Schloss gedruckt wurde.

Das Schloss fiel den Angriffen im pfälzischen Erbfolgekrieg zum Opfer wie auch viele andere Ortschaften entlang des Rheins. Beim späteren Wiederaufbau der Karlsburg in Durlach verweigerten die Stafforter ihre Mitarbeit. Die Karlsburg wurde nie ganz fertig gestellt. Stattdessen wurde Karlsruhe gegründet und dort ein neues Schloss gebaut – mit ausländischen Arbeitskräften.

„Der Krieger auf dem Denkmal am Stafforter Rathausvorplatz blickt nach Westen“, erklärte Erhard Gamer. „Nach Frankreich, zum Erzfeind.“

In Gamers Erzählungen, die auch einige Anekdoten aus seiner Jugendzeit beinhalteten, folgten der Bau des Rathauses 1937, des Kindergartens 1960 und des Backhauses hinter dem Rathaus 2009.

Inzwischen hatte es aufgehört zu regnen, so dass die Gruppe sich über einen schmalen Fußweg von der Lutherstraße, vorbei am Hummelstall, auf den Weg zur Dreschhalle machen konnte. Diese sei die schönste im weiten Umkreis, die er kenne, betonte Gamer. Er erwähnte „Terra Medica“, das Hauptanbaugebiet von über 600 unterschiedlichen Pflanzen zur Herstellung homöopathischer Medikamente. Außerdem zeigte er einen Acker, auf dem er selbst Tabak angepflanzt hatte, um das Theaterstück „Lenin in Stutensee“ zu unterstützen.

Staffort spielte beim Tabakanbau nach Friedrichstal und Graben eine große Rolle. Deshalb führte der Weg anschließend auch zu einem moderneren und einem einfacheren Tabakschopf. Gamer demonstrierte das Einfädeln von Tabakblättern an einer Maschine und manuell.

Daneben ging er auf die Lage des kleinen Ortes nahe bei Karlsruhe ein. Anfang Februar 1945 sei diese Nähe dem Ort zum Verhängnis geworden. Aufgrund schlechten Wetters trafen die Bombenangriffe, die eigentlich Karlsruhe galten, das Dorf, obwohl es kein strategisches Ziel war. 80 % der Gebäude sei dabei beschädigt worden. Wie durch ein Wunder sei die Kirche unbeschädigt geblieben. Im „Transit“, einem ehemaligen Zwischenlager für Tabak, das heute im Erdgeschoss von der katholischen Kirche genutzt wird, erklärte Gamer mit Hilfe einiger Einheimischer die Stafforter Himmelsrichtungen. So geht es nach Stuttgart „hinnere“, nach Graben und Spöck „nunner“, nach Karlsruhe „nuff“, nach Weingarten „niwwer“ und nach Bruchsal „nei“.

Bildquellen

  • Stafforter Geschichte(n): Martin Strohal
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