Wie soll Stutensee in Zukunft aussehen?

Dialogstation bei Bürgerbeteiligung

Bild: Martin Strohal

Von Martin Strohal | 28.11.2017 21:23 | 3 Kommentare

Die Bevölkerung wird älter, die Nachfrage nach Wohnraum im Großraum Karlsruhe steigt – es gibt eine Menge großer Herausforderungen für die künftige Städteplanung. Die Stadtverwaltung hatte vergangenen Montag alle Bürger Stutensees in die Festhalle eingeladen, die sich für dieses Themengebiet interessieren, ihre Fragen und Bedenken los werden wollen oder Anregungen haben. Die Veranstaltung, die von Ute Kinn von der Ettlinger Gesellschaft für intelligente Projektsteuerung moderiert wurde, bildete den Auftakt eines neuen Bürgerbeteiligungsprozesses zum Thema Wohnen in Stutensee.

Dr. Sebastian Wilske vom Regionalverband Mittlerer Oberrhein und Prof. Dr. Dita Leyh vom Internationalen Stadtbauatelier stellten in zwei kurzen Vorträgen die Herausforderungen dar, vor denen die Menschen, nicht nur in Stutensee, stehen und wie man damit kreativ umgehen kann. Selbst eine hohe Wohndichte könne attraktiv gestaltet und mit Grün versehen werden – auch wenn sich Stutensee nicht mit internationalen Großstädten vergleichen lässt. “Dichte ist eine Frage der Gestaltung”, so Leyh. Auch müsse es keine separaten Gewerbegebiete geben. Entsprechende Firmen und Geschäfte könnten sich im Erdgeschoss befinden, während darüber gewohnt wird.

Nach diesen Impulsen lag es an den Bürgern, sich einzubringen. Ute Kinn hatte dafür sechs Dialogstationen im Saal verteilt aufgebaut, die sich den Themen “Flächenbedarf/Wachstum”, “Wohnformen und Zielgruppen”, “Zukunftsorientiertes, umweltgerechtes Bauen”, “Mobilität und Sicherheit”, “Naturschutz, Grün- und Freiflächen, Naherholung” sowie “Kommunale Infrastruktur und Finanzen” widmeten. Jede Station wurde von Mitarbeitern der Stadtverwaltung sowie externen Experten betreut. Es dauerte nicht lange, bis sich überall kleine Diskussionsgrüppchen bildeten. Fragen und Anregungen wurden auf Kärtchen notiert und angeheftet, Argumente ausgetauscht, oder man nutzte die Gelegenheit, sich beispielsweise die Haushaltsplanung vom städtischen Kämmerer erläutern zu lassen. Überall war das Interesse zu erkennen, anwesende Gemeinde- und Ortschaftsräte waren gespannt auf die Ideen der Bürger und zeigten sich erfreut, dass sich die Spannungen, die im Verfahren um die mögliche Bebauung des Lachwalds aufgetreten waren, scheinbar aufgelöst hätten. “Auch für uns war es ein Erlebnis, so viele Meinungen so sachlich zu hören”, erklärte der ehemalige Schulleiter Süß, Betreuer einer Dialogstation.

Nach knapp einer Stunde wurden die Ergebnisse der Dialogstationen vorgestellt. Die Fragen und Ideen waren von sehr unterschiedlicher Natur. Es ging von akuten Problemen wie zugeparkten Gehwegen und verdreckten Sandkästen über nur schwer realisierbare Wünsche wie die Erweiterung der Stadtbahn nach Staffort und Bruchsal. Mehrfach wurde die Frage nach der Bedeutung von “bezahlbarem Wohnen” gestellt und eine Anbindung des Blankenlocher Einkaufszentrums mit Bussen oder Shuttle-Verkehr gewünscht. Auch der Lachwald war Thema, wenn auch nur am Rande. Gewünscht wurde auch mehr Offenheit bei der Stadtplanung, es müsse nicht alles rechtwinklig sein, Interesse an Fernwärme wurde angemeldet ebenso wie mehr Begrünung und eine Forcierung naturnaher Gestaltung. Bessere Radwegeverbindungen sowie Abstellmöglichkeiten für Fahrräder standen auf den Kärtchen wie auch neue Wohnformen und das Bauen in zweiter oder dritter Reihe über Projektgemeinschaften. Patenschaften für Grünflächen wurden angeregt wie auch mehr Dachbegrünung oder Wasserflächen in Wohngebieten.

Erste Bürgermeisterin Sylvia Tröger, in deren Zuständigkeitsbereich das Thema Stadtplanung fällt, zeigte sich sehr zufrieden mit den Ergebnissen: “Ich fand die Veranstaltung sehr gut, sie hat meine Erwartungen voll erfüllt.” Die erste Analyse der Themen habe keine Überraschungen für sie ergeben, aber sie freue sich über die Vielfalt an Ideen und Anliegen. “So habe ich mir das vorgestellt.”

All diese Punkte wurden protokolliert und bilden die Grundlage der beiden Perspektivwerkstätten, die in im März und im Mai kommenden Jahres stattfinden werden. Daran werden zur einen Hälfte nach demographischen Aspekten ausgewählte Bürger teilnehmen und zur anderen Hälfte Interessierte nach dem Zufallsprinzip. Interessenten können sich hierfür noch bei der Stadtverwaltung unter buergerbeteiligung@stutensee.de bis 15. Dezember 2017 anmelden.

Bildquellen

  • Auftaktveranstaltung Bürgerbeteiligung: Martin Strohal
  • Auftaktveranstaltung Bürgerbeteiligung: Martin Strohal
  • Auftaktveranstaltung Bürgerbeteiligung: Martin Strohal
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Kommentare

Im Grunde keine schlechte Veranstaltung ,ob die Stadt die Anregungen annimmt wird man sehen.
DER LACHWALD WAR offiziell ausgeklammert und dennoch waren sehr wohl sehr viele Bedenken an den Pinwänden zu sehen. Auch bei den Vorträgen hörte man nie, man muss einen Wald fällen,
sondern Umwandlung von Gewerbegebieten in zumindest Mischgebiete was sich ja im Gebiet westlich der Bahn Blankenloch anbieten würde.
Weiterhin innerörtliche Verdichtung. Keine Naturvernichtung. Keine GETTObildung.
Bei dem ersten Vortrag hätte man vielleicht neuere Zahlen verwenden können(Stat. Landesamt 2014)dort ist zu lesen Entwicklungskorridor für Gemeinden:
:Stutensee 2014 vorraussichtlich 24780 Einwohner Stand 1.11 2017 24436 incl Flüchtlinge was bedeutet die Bevölkerung ist nicht so stark gewachsen wie geplant.
Bei geplanten oder im Bau befindlichen 450-700 Wohnungen in den nächsten 2-4 Jahren ca 1000-1400 Einwohner mehr ist Stutensee auch ohne Lachwald gerüstet laut Liste bis mindestens 2030.
Aber es geht ja beim LACHWALD nicht um WOHNUNGEN sondern UM GELD für STADT und Investoren.
DER BÜRGER ENTSCHEIDET AM 18.02 2018 Natur oder Geldgier.
Im zweiten Beitrag wurden leider hautsächlich Beispiele aufgezeigt die in Stutensee nicht möglich sind,da z.b.keine Kasernen gelände oder Industriebrachen vorhanden sind.
Die Wohnformen in der Verdichtung waren sehr interessant,in Stutensee in zweiter Reihe oder bei ehemaligen Landw.Gebäuden vorstellbar.Die Stadt sollte mehr auf die Besitzer solcher Gebäude zugehen und die möglichen Förderungen vom Staat und Land, bis über 800 pro qm Wohnfläche bei soz Wohnbau möglich,aufzeigen.Einige Private würden hier bestimmt zugreifen .
Auch war an den PIN Wänden zusehen wenig bis gar keine räumliches wachsen von Stutensee, Das dörfliche Gefüge sollte erhalten bleiben.Der öffentliche Verkehr kann zu Stoßzeiten noch nicht einmal jetzt mithalten,wie dann bei dem von der Stadt ,ohne die Zustimmung vieler Bürger,geplanten Wachstums.

Bist du auch einer der tollen Anhäger der Verschwöhrungstheoretiker von http://lachwald-erhalten.de der Angst vor der radioaktiven Seuche hat ?

Ich weiß zwar nicht was an meinem Kommentar radioaktiv ist,aber vielen Dank für die Werbung,den Lachwald zu erhalten .Wenn man einen Kommentar schreibt, sollte man auch mit Klarnamen dazu stehen.


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