Von meinstutensee.de-Reporter Martin Strohal

Die Bevölkerung wird älter, die Nachfrage nach Wohnraum im Großraum Karlsruhe steigt – es gibt eine Menge großer Herausforderungen für die künftige Städteplanung. Die Stadtverwaltung hatte vergangenen Montag alle Bürger Stutensees in die Festhalle eingeladen, die sich für dieses Themengebiet interessieren, ihre Fragen und Bedenken los werden wollen oder Anregungen haben. Die Veranstaltung, die von Ute Kinn von der Ettlinger Gesellschaft für intelligente Projektsteuerung moderiert wurde, bildete den Auftakt eines neuen Bürgerbeteiligungsprozesses zum Thema Wohnen in Stutensee.

Dr. Sebastian Wilske vom Regionalverband Mittlerer Oberrhein und Prof. Dr. Dita Leyh vom Internationalen Stadtbauatelier stellten in zwei kurzen Vorträgen die Herausforderungen dar, vor denen die Menschen, nicht nur in Stutensee, stehen und wie man damit kreativ umgehen kann. Selbst eine hohe Wohndichte könne attraktiv gestaltet und mit Grün versehen werden – auch wenn sich Stutensee nicht mit internationalen Großstädten vergleichen lässt. „Dichte ist eine Frage der Gestaltung“, so Leyh. Auch müsse es keine separaten Gewerbegebiete geben. Entsprechende Firmen und Geschäfte könnten sich im Erdgeschoss befinden, während darüber gewohnt wird.

Nach diesen Impulsen lag es an den Bürgern, sich einzubringen. Ute Kinn hatte dafür sechs Dialogstationen im Saal verteilt aufgebaut, die sich den Themen „Flächenbedarf/Wachstum“, „Wohnformen und Zielgruppen“, „Zukunftsorientiertes, umweltgerechtes Bauen“, „Mobilität und Sicherheit“, „Naturschutz, Grün- und Freiflächen, Naherholung“ sowie „Kommunale Infrastruktur und Finanzen“ widmeten. Jede Station wurde von Mitarbeitern der Stadtverwaltung sowie externen Experten betreut. Es dauerte nicht lange, bis sich überall kleine Diskussionsgrüppchen bildeten. Fragen und Anregungen wurden auf Kärtchen notiert und angeheftet, Argumente ausgetauscht, oder man nutzte die Gelegenheit, sich beispielsweise die Haushaltsplanung vom städtischen Kämmerer erläutern zu lassen. Überall war das Interesse zu erkennen, anwesende Gemeinde- und Ortschaftsräte waren gespannt auf die Ideen der Bürger und zeigten sich erfreut, dass sich die Spannungen, die im Verfahren um die mögliche Bebauung des Lachwalds aufgetreten waren, scheinbar aufgelöst hätten. „Auch für uns war es ein Erlebnis, so viele Meinungen so sachlich zu hören“, erklärte der ehemalige Schulleiter Süß, Betreuer einer Dialogstation.

Nach knapp einer Stunde wurden die Ergebnisse der Dialogstationen vorgestellt. Die Fragen und Ideen waren von sehr unterschiedlicher Natur. Es ging von akuten Problemen wie zugeparkten Gehwegen und verdreckten Sandkästen über nur schwer realisierbare Wünsche wie die Erweiterung der Stadtbahn nach Staffort und Bruchsal. Mehrfach wurde die Frage nach der Bedeutung von „bezahlbarem Wohnen“ gestellt und eine Anbindung des Blankenlocher Einkaufszentrums mit Bussen oder Shuttle-Verkehr gewünscht. Auch der Lachwald war Thema, wenn auch nur am Rande. Gewünscht wurde auch mehr Offenheit bei der Stadtplanung, es müsse nicht alles rechtwinklig sein, Interesse an Fernwärme wurde angemeldet ebenso wie mehr Begrünung und eine Forcierung naturnaher Gestaltung. Bessere Radwegeverbindungen sowie Abstellmöglichkeiten für Fahrräder standen auf den Kärtchen wie auch neue Wohnformen und das Bauen in zweiter oder dritter Reihe über Projektgemeinschaften. Patenschaften für Grünflächen wurden angeregt wie auch mehr Dachbegrünung oder Wasserflächen in Wohngebieten.

Erste Bürgermeisterin Sylvia Tröger, in deren Zuständigkeitsbereich das Thema Stadtplanung fällt, zeigte sich sehr zufrieden mit den Ergebnissen: „Ich fand die Veranstaltung sehr gut, sie hat meine Erwartungen voll erfüllt.“ Die erste Analyse der Themen habe keine Überraschungen für sie ergeben, aber sie freue sich über die Vielfalt an Ideen und Anliegen. „So habe ich mir das vorgestellt.“

All diese Punkte wurden protokolliert und bilden die Grundlage der beiden Perspektivwerkstätten, die in im März und im Mai kommenden Jahres stattfinden werden. Daran werden zur einen Hälfte nach demographischen Aspekten ausgewählte Bürger teilnehmen und zur anderen Hälfte Interessierte nach dem Zufallsprinzip. Interessenten können sich hierfür noch bei der Stadtverwaltung unter buergerbeteiligung@stutensee.de bis 15. Dezember 2017 anmelden.

Bildquellen

  • Auftaktveranstaltung Bürgerbeteiligung: Martin Strohal
  • Auftaktveranstaltung Bürgerbeteiligung: Martin Strohal
  • Auftaktveranstaltung Bürgerbeteiligung: Martin Strohal
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