Pressemitteilung von Landratsamt Karlsruhe

Der deutlich wahrnehmbare Rückgang von Insekten und die damit verbundenen Folgen waren Thema im jüngsten Ausschuss für Umwelt und Technik des Landratsamts Karlsruhe, der am 14. Dezember tagte.

„Die Lebensbedingungen für blütenbestäubende Insekten haben sich in den letzten Jahrzehnten aus verschiedenen Gründen verschlechtert“, informierte der Leiter des Landwirtschaftsamtes Dr. Ulrich Kraft. Wie dieser Entwicklung entgegengetreten wird, zeigte er anhand verschiedener Beispiele auf: So sind Landwirte im Rahmen von EU-Förderungen verpflichtet, 5 % ihrer Ackerfläche als sogenannte ökologische Vorrangflächen zur Verfügung zu stellen und beispielsweise mit insektenfreundlichen Blühmischungen zu bestellen. Die Beratung des Landwirtschaftsamtes wirkt darauf hin, dass auch nach der Ernte der Hauptkultur eine Zwischenfruchtmischung angebaut wird. Diese dient der Bodenverbesserung durch Humusaufbau und ist Augen- und Bienenweide zugleich. Um Monokulturen zu vermeiden müssen im Jahr mindestens zwei bzw. drei verschiedene Kulturen angebaut werden. Das Land Baden-Württemberg fördert darüber hinaus spezielle Maßnahmen zum Erhalt von extensivem Grünland, den Streuobstbau sowie die Einführung und Beibehaltung des ökologischen Landbaus. Honoriert werden der Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmitteln sowie der Einsatz von Nützlingen. Den Landwirten werden Beratungen angeboten und die Einhaltung von Pflanzenschutzgesetzen oder die Düngeverordnung regelmäßig kontrolliert. Das Landwirtschaftsamt im Landratsamt schließt Verträge mit Landwirten ab, die Ackerflächen in extensives Grünland umwandeln. Gleiches tut die Untere Naturschutzbehörde in Zusammenarbeit mit dem Landschaftserhaltungsverband im Hinblick auf eine dauerhafte Pflege ökologisch wertvoller Flächen. Obstbauern werden dazu animiert, ihre Wiesen zu pflegen und Nisthilfen für Wildbienen aufzuhängen. Seit 2009 ist ein Arbeitskreis Bienenschutz eingerichtet, in dem Vertreter der Imkerverbände, der Erwerbsobstbauern, des Bauernverbandes und Behördenvertreter des Stadt- und Landkreises sowie der Bienenfachberater des Regierungspräsidiums eng zusammenarbeiten. Ebenfalls setzt sich die Untere Naturschutzbehörde gegen den Rückgang artenreicher Mähwiesen ein. So gilt in FFH-Gebieten das Verschlechterungsverbot, wonach alle Veränderungen und Störungen, die sich negativ auf diese Lebensraumtypen auswirken, unzulässig sind. Auch hier werden mit den Bewirtschaftern und Eigentümern öffentlich-rechtliche Verträge zur Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes abgeschlossen. Ein besonderes Augenmerk wird bei Eingriffen in Natur und Landschaft auf Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen gelegt: Zunächst wird geprüft, ob Eingriffe in die Umwelt vermieden werden können. Ist dies nicht möglich, werden von der Naturschutzbehörde Ausgleichsmaßnahmen gefordert.

Jeder kann etwas tun

Jeder Hausbesitzer kann die Insekten unterstützen, indem er zum Beispiel seinen Vorgarten arten- und blütenreich statt mit Schotter und Nadelgehölzen gestaltet. Der Landkreis geht mit gutem Beispiel voran: So wurde vor dem Landratsamtsgebäude inmitten der Stadt Karlsruhe eine Bienenweide angelegt. Straßenbegleitgrün wird nicht nur im Hinblick auf die Verkehrssicherheit sondern auch aus dem Blickwinkel der Ökologie angelegt und gepflegt. Regelmäßig werden Informations- und Fortbildungsveranstaltungen z.B. für ehrenamtliche Naturschutzwarte und Naturschutzbeauftragte angeboten, im Kreisumweltforum tauscht man sich mit den Naturschutzverbänden über aktuelle Themen aus. Auch der Kreisumweltschutzpreis und die ÖkoRegio-Touren sorgen in der breiten Öffentlichkeit für Aufmerksamkeit. Vorbildliche Aktivitäten wie die Streuobstinitiative werden vom Landkreis unterstützt.

Quelle: Landratsamt Karlsruhe

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  • Blumenwiese Landratsamt: Landratsamt Karlsruhe