Von meinstutensee.de-Reporter Martin Strohal

In seiner Dezember-Sitzung beschloss der Stutenseer Gemeinderat den Siegerentwurf für die Bebauung der Fläche, auf der sich aktuell noch das alte Stutensee-Bad befindet. Nach Inbetriebnahme des neuen Bades soll dieses abgerissen und mit Wohnhäusern bebaut werden. Dafür hatte der Gemeinderat im März 2017 einen Investorenwettbewerb gestartet. „Ziel war die Schaffung eines Wohnquartiers in Blankenloch, das auch die Themen kostengünstiges Wohnen und Barrierefreiheit beinhaltet“, so Oberbürgermeister Klaus Demal. Jede Bewerbung wurde von einem Investor und einem Planungsbüro (Architekt/Stadtplaner) eingereicht. Fünf dieser Arbeitsgemeinschaften standen am Ende zur Auswahl. Im November tagte das Preisgericht, vor dem die Entwürfe vorgestellt und Rückfragen beantwortet wurden. Geleitet wurde das Preisgericht von Architekt Peter W. Schmidt aus Pforzheim und setzte sich ansonsten zusammen aus Oberbürgermeister Klaus Demal, Erster Bürgermeisterin Sylvia Tröger sowie je einem Vertreter aller Gemeinderatsfraktionen. Die Stadt berieten Werner Gerhardt vom Büro Gerhardt.Stadtplaner.Architekten und Rüdiger Kunst von der Kommunale StadtErneuerung GmbH.

Die Konzepte seien alle sehr hochwertig und durchdacht gewesen, wie die Stadtverwaltung festhält. Das Preisgericht kürte jedoch einstimmig das Planungskonzept der Arbeitsgemeinschaft Volkswohnung GmbH (Investor) und Ackermann + Raff GmbH & Co KG (Architektur und Städtebau). Der Siegerentwurf weist insgesamt 151 Wohneinheiten in drei- bis viergeschossigen Gebäuden aus. Der Anteil an bezahlbarem Wohnraum, welcher nach dem Landeswohnraumprogramm gefördert wird, beträgt 33 %. Das Verhältnis von Miete und Eigentum liegt bei 63 % zu 37 %. Dies wurde vom Preisgericht entsprechend gewürdigt.

Es habe eine hohe Priorität auf Gestaltung und Architektur gelegen, erklärte Erste Bürgermeisterin Sylvia Tröger. Außerdem sollen doch unterschiedlich geschnittene Wohnungen verschiedene Zielguppen angesprochen werden.

„Das Quartier wird autofrei“, stellte Architekt Gerhardt das Gewinnerkonzept vor. Eine komplett unter der Erde liegende Tiefgarage soll von Norden befahrbar sein. An der Festhalle sei ein Café geplant, Dachbegrünung sei selbstverständlich. Die Wohnungen seien so ausgerichtet, dass sie nicht direkt auf die Schallquellen von Festplatz, Schulzentrum und Sporthallen ausgerichtet seien. Durch die Idee, auch „barrierearme“ Wohnungen anzubieten, gehe dieses Konzept über die Anforderungen hinaus.

Barrierefreiheit:

  • 29 Wohneinheiten (19 %) barrierefrei nach DIN 18040-2
  • 67 Wohneinheiten (44 %) barrierefrei nach LBO § 35 Abs. 1
  • 55 Wohneinheiten (37 %) „barrierearm“ gemäß Def. VOWO

Wohnungsgrößen:

  • 1-Zimmer-Wohnung: 2
  • 2-Zimmer-Wohung „Kompakt“: 47
  • 2-Zimmer-Wohnung „Plus“: 23
  • 3-Zimmer-Wohnung: 38
  • 4-Zimmer-Wohnung: 36
  • 5-Zimmer-Wohnung: 5

Nicole LaCroix lobte die hohe Verdichtung: „Hohe städtebauliche Qualität, trotzdem hohe Verdichtung, die man nicht spürt.“ Außerdem sei es der einzige Entwurf, bei dem die Tiefgarage komplett versenkt und nicht immer im Blick sei. Das Konzept der „Schalträume“, die wahlweise der einen oder anderen Wohnung zugeordnet werden können, mache die Wohnungsentwürfe sehr flexibel.

Diesen Punkt hob auch Manfred Beimel für die Freien Wähler hervor. Zudem lobte er das nachhaltige Konzept bei der Energieversorgung (Wärmepumpen-Eisspeicher-System und Blockheizkraftwerk und Spitzenlastkessel). An die versenkte Tiefgarage glaube er jedoch noch nicht, da das sehr teuer käme.

„Es war gleich klar, dass dieser Entwurf die Nase vorne hat“, stellte Heinrich Sickinger (SPD) fest. Die Stadt verzichte dafür auf 3 Mio Euro. Zwei Drittel der Fläche sei für bezahlbares Wohnen angelegt, was die Stadt somit subventioniere. Die Mietpreise würden bei 6 bis 7 Euro liegen. Das Gebiet sei verkehrsgünstig gelegen. „Außerdem muss es nicht von der Stadt verwaltet werden, sondern von einem großen Player, der Volkswohnung.“ Volkswohnung habe zugesagt, dass die Stadt Einfluss bei der Vergabe der Wohnungen habe, z.B. auch bei Berücksichtigung von Menschen mit Wohnberechtigungsschein.

Auch Lars Zinow (Grüne) zeigte sich zufrieden. „Die Verdichtung wird Blankenloch als Zentralort gerecht.“ Durch mehr Einwohner führe das zur Stärkung des innerörtlichen Einzelhandels. Miet- und Eigentumswohnungen seien gut durchmischt, auch das Energiekonzept sei lobenswert. “ Da sind ein paar richtig intelligente Sachen eingebaut.“ Sein Vorschlag, zu prüfen, ob man die östliche Gebäudereihe noch um ein weiteres Stockwerk erhöhen könne angesichts des Wohnraummangels, wurde von den anderen Fraktionen mit Verweis auf dann zusätzlich benötigte Stellplätze abgelehnt.

„Ich freue mich richtig auf dieses Gebiet“, betonte Luitgard Mitzel-Landbeck (Grüne) und verwies auf dort geplante betreute Wohngemeinschaften für Senioren, einzelne Zimmer in einer Wohnung. Durch ein in der Anlage geplantes Gästeappartment könnte trotzdem Übernachtungsbesuch empfangen werden. So etwas sei im Seniorenzentrum derzeit aus finanziellen Gründen leider nicht möglich.

Der Gemeinderat bestätigte den Siegerentwurf des Preisgerichts einstimmig. Dieser soll nun als Grundlage für eine weitere Ausarbeitung dienen.

Bildquellen

  • Entwurf Bebauung altes Hallenbadgelände: Volkswohnung/ackermann+raff
  • Entwurf Bebauung altes Hallenbadgelände: Volkswohnung/ackermann+raff
  • Entwurf Bebauung Hallenbadgelände: Volkswohnung/ackermann+raff
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