Pressemitteilung von BUND-Ortsgruppe Stutensee

In der offiziellen Informationsschrift der Stadtverwaltung zum Bürgerentscheid über die geplante Teilbebauung des Lachwalds ist in der Karte auf Seite 3 westlich des Lachwalds eine Fläche zwischen Bahnlinie und der ehemaligen L 560 eingezeichnet, die möglicherweise als Ausgleichsmaßnahme für den wegfallenden Lachwald-Teil aufgeforstet werden soll (siehe Abbildung). Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Ortsgruppe Stutensee, hält diese Idee für ungeeignet.

Diese Fläche sei schon bisher kein wertloses Brachland, das durch eine Aufforstung verbessert werden könnte, sondern ein hochwertiges Biotop, das als Ausgleichsmaßnahme in Form einer Aufforstung nur „verschlimmbessert“ werden könne, so die Naturschützer. Der jetzige ökologische Wert dieser Fläche sei weit höher, als er nach einer Aufforstung auch in vielen Jahren überhaupt sein könne. Diese Fläche bilde zusammen mit dem Lachwald aktuell eine ökologisch sinnvolle Kombination, die nicht zerstört werden sollte. Zudem handele es sich zumindest bei der dort vorhandenen Baumhecke um ein nach dem Bundesnaturschutzgesetz geschütztes Biotop. „Das steht einer Aufforstung im Weg“, meint die BUND-Ortsgruppe.

Das ins Auge gefasste Gebiet zähle im aktuellen Zustand schon zu den ökologisch wertvollsten Flächen in Stutensee. Als Sandrasen-Offenlandbiotop mit einzelnen Bäumen und Sträuchern sowie Hecken und Baumhecken mit überwiegend einheimischen Arten zeichne es sich durch eine hohe strukturelle Vielfalt aus. Seit vielen Jahren brüte dort ein Neuntöter-Paar, es seien auch regelmäßig Jungvögel zu beobachten. „Dies ist ein sicheres Zeichen dafür, dass dort ein artenreiches Insektenleben vorkommt“, teilt die BUND-Ortsgruppe mit. Außerdem sei das Gebiet Nahrungshabitat für zahlreiche und teilweise besonders streng geschützte Arten wie Sperber, Rotmilan, Schwarzmilan, Waldkauz, Grünspecht, Grauspecht, Wendehals usw. Die Fläche sei Bestandteil des Grünzugs zwischen Lachwald und Hardtwald und damit auch Lebensraum von im Vogelschutzgebiet Hardtwald vorkommenden seltenen und europaweit geschützten Vogelarten. Eine Aufforstung würde dieses Biotop erheblich in seiner Wertigkeit mindern und wäre dann für viele Vogelarten nicht mehr oder nur noch eingeschränkt nutzbar. „Würde diese Fläche als Ausgleichsmaßnahme für den Wegfall eines Teils des Lachwalds tatsächlich in Anspruch genommen werden, dürfte der ökologische Schaden mindestens ebenso groß, wenn nicht größer, sein, wie der durch die Lachwald-Abholzung selbst“, so die ehrenamtlichen Naturschützer.

Maßnahmenplan zum Stadtbahnbau von 1993

Zudem wird von den Naturschützern vermutet, dass sich die geplante Waldausgleichsfläche mit der bereits vor vielen Jahren als Ausgleich für die Umwelteingriffe in Verbindung mit dem Stadtbahnbau nach Blankenloch ausgewiesenen Fläche überlappt. In diesem Fall stünde sie nicht erneut für einen Ausgleich zur Verfügung. Nach Angaben des Regierungspräsidiums Karlsruhe gab es 1993 tatsächlich eine Ausgleichsmaßnahme zwischen Bahnstrecke und heutiger Kreisstraße. Es sei ein rund 220 Meter langer und drei bis fünf Meter breiter Gehölzstreifen aus Sandbirken-Hochstämmen und dichter Unterpflanzung mit Heistern und Sträuchern angelegt worden. Die Gesamtfläche betrage etwa 1970 Quadratmeter.

Die Stadtverwaltung habe sich die Ausgleichsplanung aus dem Bereich zukommen lassen, so Erste Bürgermeisterin Sylvia Tröger auf Anfrage von meinstutensee.de. „Die Fläche ist nicht als Ausgleichsfläche eingetragen.“ Alles Weitere werde im weiteren Verfahren abgearbeitet und geprüft, abhängig vom Ausgang des Bürgerentscheids am 18. Februar.

Quelle: BUND-Ortsgruppe Stutensee

Bildquellen

  • Skizze Wohngebiet Lachwald II: Stadt Stutensee
  • Maßnahmenplan Stadtbahnbau am Lachwald: Regierungspräsidium Karlsruhe
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