Von meinstutensee.de-Reporter Sebastian Raviol

„Ich bin sehr dankbar, dass ich für die Stadt Stutensee 27 Jahre tätig sein konnte.“ Das betonte Klaus Demal, als er in einer Ausschusssitzung Anfang April seinen Rücktritt als Oberbürgermeister in Stutensee erklärte. Er begründete diesen Schritt mit gesundheitlichen Einschränkungen. Am 10. Mai hatte Demal seinen letzten Arbeitstag, im Juli stehen Neuwahlen an. Im Interview mit meinstutensee.de spricht Demal über sein wichtigstes Projekt und darüber, was er sich von seinem Nachfolger wünscht.

 

Sie sind der dienstälteste Oberbürgermeister Baden-Württembergs. Hätten Sie das bei Amtsbeginn in Stutensee am 2. Mai 1991 einmal für möglich gehalten?

Demal: „Als ich 1987 in Flein als Bürgermeister gewählt wurde, hatte ich eine gesamte Amtszeit von 31 Jahren sicher nicht vor Augen. Auch bei meinem Beginn 1991 hier in Stutensee ging es gleich darum, die anstehenden Themen anzupacken. Die Dienstzeit habe ich daher nie bewusst wahrgenommen, da in der täglichen Arbeit von Anfang an die Sachthemen absolut dominiert haben.“

 

War die lange Dienstzeit manchmal ein Thema bei Gesprächen mit anderen Oberbürgermeistern oder Bürgern?

„Bei den Bürgern eher weniger, bei Kollegen war die lange Dienstzeit schon mal ein Thema. In letzter Zeit aber habe ich viele Briefe und E-Mails von Mitbürgerinnen und Mitbürgern aus Stutensee bekommen, die mich im Laufe der 27 Jahre hier begleitet haben. Dabei hat mich gefreut, dass viele langjährig im Ehrenamt Tätige sich nochmal bei mir gemeldet haben.“

 

Sie waren Bürgermeister der 7000-Einwohner-Gemeinde Flein. Was war ähnlich, was war anders als in Stutensee? Was konnen Sie aus dieser ersten Amtszeit mitnehmen?

„Anders war, dass es dort alle Infrastruktur-Einrichtungen nur einmal gab, während es in Stutensee viele Einrichtungen viermal, manche sogar fünfmal gibt. Ähnlich ist die geografische Lage der Kommunen: Sowohl Stutensee als auch Flein liegen direkt angrenzend an ein Oberzentrum – Karlsruhe und Heilbronn. Mitnehmen konnte ich, wie wichtig die Förderung eines guten ÖPNV ist, ebenso die Unterstützung von Familien und Senioren.“

 

Wie kam es dann zu Ihrer Kandidatur in Stutensee?

„Stutensee war mir bereits ein Begriff, da ich in Nordbaden aufgewachsen bin. Als die Stelle frei wurde, habe ich mich nach Beratung mit meiner Familie entschlossen, ins Badische zurückzukehren. Dies machte es meinem damals neunjährigen Sohn auch leichter, mit der Bahn zu den Großeltern zu kommen.“

 

Dann wurden Sie 1991 zum Bürgermeister in Stutensee gewählt. Was galt es damals besonders anzupacken?

„Über die Stadtbahn ist damals schon viel diskutiert worden, aber für dieses circa 100-Millionen-DM-Projekt mussten Zuschüsse organisiert werden, die Nordumfahrung in Blankenloch war auf den Weg zu bringen, die Abwasser- und Wasser-Infrastruktur im Bereich der Trasse war aufwendig abzustimmen. Daneben liefen viele weitere Projekte parallel, so zum Beispiel die Gründung von Musikschule und Jugendzentrum, die Beseitigung mehrerer schienengleicher Bahnübergänge oder auch die Erweiterung von Kindergärten und Schulen.“

 

Sind die Themen bis heute unverändert?

„Manche Themen gab es damals wie heute, zum Beispiel die Flüchtlingsthematik. Vieles von den damals anstehenden Themen ist nachhaltig abgearbeitet und wirkt positiv in die Zukunft. Eine der wichtigsten Aufgaben war die Weiterentwicklung Stutensees zur familienfreundlichen Kommune. Nicht ohne Grund wurde Stutensee mit dem seltenen Titel „Familienbewusste Kommune Plus“ ausgezeichnet.“

 

Was war das bedeutendste Projekt Ihrer Amtszeit?

„Das bedeutendste Projekt war sicher die Entwicklung eines optimalen Öffentlichen Personennahverkehrs mit Stadtbahnanbindung über Blankenloch nach Friedrichstal und Spöck, mit einem ergänzenden Bus-System und den mittlerweile barrierefrei ausgebauten Bahnhöfen.“

 

Welches Projekt hätte Stutensee aus Ihrer Sicht gut zu Gesicht gestanden, ist aber nie umgesetzt worden?

„Wir hatten über viele Monate mit einem Architektenteam über eine solarbetriebene Wasserstoffsiedlung diskutiert. Diese ist aber nie umgesetzt worden, weil das Land die beantragten Zuschüsse nicht bereitstellen konnte.“

 

Welchen Nachfolger wünschen Sie sich als Oberbürgermeister?

„Ich könnte mir eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger gut vorstellen, die oder der in konstruktiver Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat und den Bürgerinnen und Bürgern die gute Entwicklung von Stutensee fortsetzt, gerade was die Familienfreundlichkeit anbelangt.“

 

Werden Sie mit Ihrer Familie weiter in Stutensee wohnen?

„Ja, denn unsere lebens- und liebenswerte Stadt ist mir und meiner Familie zur Heimat geworden.“

 

Welche Themen müssen in Stutensee in naher Zukunft angepackt werden?

„Die Digitalisierung ist auch in Stutensee ein wichtiges Gegenwarts- und Zukunftsthema. Gemeinderat und Verwaltung sind hier bereits wichtige Schritte gegangen und können diesen Weg konsequent weitergehen. Für unsere Digitalisierungsstrategie „Lebendige Zukunftskommune – Stutensee 4.0“ konnten wir gerade eine Landesförderung in Höhe von 40.000 Euro erreichen. Der demografische Wandel und die rasch älter werdende Gesellschaft erfordern ebenfalls weitere Schritte. Auf die geschaffene Infrastruktur mit Pflegeeinrichtungen und Betreutem Wohnen kann aufgebaut werden. Die bereits begonnene Quartiersentwicklung liefert hier wichtige Hinweise.“

Bildquellen

  • Richtfest Stutenseebad: Martin Strohal
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