Von meinstutensee.de-Reporter Sebastian Raviol

Ein echtes Feuerwerk brannte Kabarettist Gunzi Heil beim Mundart-Abend im Rahmen der Friedrichstaler Kerwe ab. Das erlebten die 240 Besucher in der Friedrichstaler Sängerhalle spätestens dann, als der Liedermacher und Parodist tatsächlich auf der Bühne ein Feuerwerk abbrennen ließ und dazu spielte. Heil sollte wie schon 2017 wieder mit Else Gorenflo auftreten, ein bewährtes Duo. Die Friedrichstaler Mundart-Dichterin hatte aber aus persönlichen Gründen kurzfristig absagen müssen. “Ich bestreite die erste Hälfte, dann ist eine Pause – die zweite Hälfte wird man sehen oder gehen. Das steht zur freien Entscheidung”, kündigte Heil an und erntete die ersten Lacher.

Zur Begrüßung gratulierte ihm der ehemalige Ortsvorsteher Kurt Gorenflo zur Wahl zum Badener des Jahres und hing ihm die badische Fahne um. Unter den Gästen waren auch die neue Oberbürgermeisterin Petra Becker, die zur Begrüßung humorvolle Sprüche abbekam (Heil stellte den Sinn der Sängerhallen-Fenster in Frage, wenn sie doch in der Höhe hingen und man nicht hinaus schauen kann). Ebenso anwesend war die Erste Bürgermeisterin Sylvia Tröger, Bürgermeister Edgar Geißler sowie der ehemalige Erste Bürgermeister Dr. Matthias Erhlein. Letzterer legt auch als Blankenlocher Wert auf die Friedrichstaler Kerwe, wie er gegenüber meinstutensee.de betont: “Ich mag sie, das ist eine Traditionsveranstaltung.”

Ingeborg Droll aus Friedrichstal indes hatte sich besonders auf Mundartdichterin Gorenflo gefreut: “Ich mag die Art und Weise von Else Gorenflo, ich bin auch ihretwegen gekommen.” Die Friedrichstalerin ist allerdings fester Bestandteil des Mundart-Abends und soll im kommenden Jahr wieder dabei sein. Die Veranstaltung zog sogar Besucher aus der Entfernung an. Siegrid Kleiß wurde von ihrer Freundin aufmerksam gemacht und sagt: “Ich liebe solche Veranstaltungen, die heimatbezogen sind.”

Der Heimatbezug kam im Programm von Gunzi Heil oftmals vor und sorgte bei den Besuchern für großes Gelächter. Er nannte Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Eggenstein-Leopoldshafen, Karlsdorf-Neuthard, Linkenheim-Hochstetten – natürlich durften in dieser Aufzählung Friedrichstal und Spöck mit ihren Differenzen nicht fehlen. Auch die Friedrichstaler Kerwe kam vor, als Heil einen Flohmarkt-Stand von Kindern darstellte, die ihre Sachen günstig verkaufen. Die Eltern versuchten im Hintergrund, den Preis in die Höhe zu treiben.

Die Friedrichstaler hatten sich einen echten Alleskönner eingeladen. Heil spielte Bob Dylan, mit Mundharmonika und Gitarre. Dazwischen gab es Sprüche, die ihren Applaus verdient hatten. Er wollte eigentlich Cowboy werden, sagte Heil, kam dann aber in die Grundschule. “Damit war die Sache erledigt.” Auch auf die Zeitumstellung ging er humorvoll ein. Man denke da nur mal an eine Zwillingsgeburt, sagte Heil. Der eine komme um 2.58 Uhr auf die Welt, der andere nach der Zeitumstellung, wenn es dann 2.01 Uhr ist – und wer ist dann der Erstgeborene? Gelächter im Saal. Weiter Lieder folgten: “Einen Stein, der deinen Namen trägt” oder “Atemlos in den Schacht – was das Leben aus einem macht”.

Und ein Eingeständnis: “Ich mache Kabarett, weil ich weiß, dass ich anschließend immer eine warme Mahlzeit bekomme.” Selbst Spiegeleier würden ihm verunglücken, da sei Spaghetti Bolognese einfacher – also präsentierte Heil ein passendes Lied dazu. Eine besondere Aktion hatte der Kabarettist im Saal der Sängerhalle vorbereitet: Auf jedem Platz lag ein Kuscheltier. “Es beruhigt mich, zu wissen, dass alle Plätze besetzt sind”, rief Heil. Später spielte er einen Walzer und sang “Kuscheltier, komm zurück zu mir” – die Besucher folgten der Aufforderung und warfen die Tiere auf die Bühne.

 

Dass das Programm so gut ankam, lag auch an der Vorbereitung. Gegenüber meinstutensee.de sagte Heil: “Ich stelle für jeden Abend individuell ein Programm her und passe das örtlich an.” Provokation gehöre dazu, um das Publikum mitzunehmen. Manches falle ihm aber spontan ein, etwa die Sache mit den Fenstern in der Sängerhalle: “Das ist mir beim Bühnenaufbau aufgefallen.” Für 2019 plane er Auftritte in Karlsruhe und in ganz Deutschland, auch Liechtenstein gehöre zu den Veranstaltungsorten. Zum Abschied hatte Friedrichstals Ortsvorsteher Lutz Schönthal dann noch ein kleines provokatives Geschenk parat: ein Haarshampoo “für dünnes feines Haar ohne Substanz”. Heil nahm es mit Humor und beendete nach einer Zugabe sein Feuerwerk in der Sängerhalle.

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