Stutensee erkennt drei Ehrenbürgerschaften ab

Beitragsbild: Stadt Stutensee

Von Sebastian Raviol | 17.12.2018 22:47 | 2 Kommentare

In Zeiten des Nationalsozialismus ernannten etwa 4000 deutsche und österreichische Gemeinden und Städte Adolf Hitler zum Ehrenbürger. Dazu zählt auch Blankenloch: Die damalige Gemeinde ehrte im Mai 1933 neben Hitler auch Robert Wagner (badischer Reichsstatthalter und Gauleiter) sowie Walter Köhler (1933 bis 1945 Ministerpräsident von Baden). In der Sitzung am Montag entzog der Gemeinderat Hitler, Wagner und Köhler die Ehrenbürgerschaft per einstimmigem Beschluss.

“Stutensee ist eine weltoffene und tolerante Stadt”, heißt es dazu im Beschluss. “Der Gemeinderat setzt hierfür ein klares Zeichen und entzieht den Genannten die Ehrenbürgerwürde mit Geltung für ganz Stutensee.” Hitler, Wagner und Köhler waren nur in den Blankenlocher Akten aufgetaucht: “Schriftliche Belege für die anderen Stadtteile liegen nicht vor.”

Bereits 1996 hatte sich der Ältestenrat der Stadt Stutensee mit dem Thema auseinandergesetzt, die Ehrenbürgerschaften allerdings nicht entzogen. Diese enden automatisch mit dem Tod der Person. In der Sitzung am Montag ging es den Gemeinderäten allerdings darum, ein Zeichen zu setzen. Zusätzlich zum Entzug der Ehrenbürgerschaften verabschiedete das Gremium eine Resolution für Vielfalt und Toleranz. “Als Zeichen, um das nicht alleine stehen zu lassen”, begründete Oberbürgermeisterin Petra Becker.

In der Resolution heißt es: “Die Stadt Stutensee steht für Vielfalt, Toleranz und demokratische Werte in einer weltoffenen Stadtgesellschaft. Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz haben in Stutensee keinen Platz. Unser vielfältiges gesellschaftliches Miteinander in Stutensee ist geprägt durch das harmonische und respektvolle Zusammenleben aller Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft und Kultur. Wir ermutigen alle Bürgerinnen und Bürger, mit uns gemeinsam für Freiheit und gesellschaftlichen Frieden und gegen Vorurteile und Populismus einzutreten und eindeutig Position gegen jegliche Form von Extremismus zu beziehen.”

forum Kommentare

Rolf Pessel

Ich glaube, die Zeit ist nun reif, auch die alten Beschlüsse des Gemeinderates über die Beibehaltung des Straßennamen in Friedrichstal “Hindenburgstraße” zu revidieren.
Der Totengräber der Weimarer Republik und Steigbügelhalters Adolf Hitlers sollte bei uns im “Dorf” nicht weiter durch einen Straßennamen geehrt werden.
Um konstruktiv zu sein, wäre es mit Blick auf die bedeutende Europawahl am 26. Mai 2019 eine wichtige und gelungene Geste, jetzt starke Europäer*innen mit einem Straßennamen zu ehren und auch die offizielle Umbenennung kurz vor dem Wahltermin vorzunehmen. Mit der Verbundenheit unserer Hugenottengemeinde zu Frankreich bietet sich mit “Robert-Schumann-Straße” eine wirklich demokratische Alternative. Bitte nennen Sie weitere Vorschläge und schreiben Sie auch, falls an meinem Gedanken etwas verwerflich oder gar falsch ist. Die Diskussion ist eröffnet – danke.
Rolf Pessel

-kwg-

Ja Herr Pessel- sie haben vollkommen recht. Da gibt es noch einige nachdenkenswerte Auslöschungsmöglichkeiten auf dieser Welt historischer Straßennamen, Stadt- oder Dorfplätzen. Aber trotz allem waren “die drei” dann noch recht lange Ehrenbürger von Blankenloch. Irgendwie ist es aber als sehr seltsam zu empfinden, dass diese Ehrenbürger-Geschichte, uns in Zeiten von Kirchenglocken und verschollenen Manuskripten gerade jetzt wieder einholt. Letztendlich revidieren Personen des heutigen Rates, die mit der ganzen Sache nichts zu tun haben, nach 85 Jahren die Gesinnungen der damaligen Beschlußfasser. Wenn das so einfach wäre- toll. Die Geschichte wird deshalb nicht umgeschrieben, sondern fortgeschrieben. Und daran ändert auch die Aberkennung einer vor drei Generationen beschlossenen Ehrenbürgerschaft nichts mehr.


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