Wasserenthärtung: Großes Interesse der Bürger

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Von Martin Strohal | 20.03.2019 21:42 | 6 Kommentare

Soll das Trinkwasser in Stutensee künftig mit deutlich weniger Kalk aus der Leitung kommen? Was sind die Vor- und Nachteile einer solchen zentralen Teilenthärtungseinrichtung? Was kostet das Ganze am Ende? Das waren die zentralen Fragen, die viele Bürger vergangenen Dienstag dazu bewegten, die Informationsveranstaltung in der Blankenlocher Festhalle zu besuchen.

Das Thema befindet sich bereits seit Jahren in Diskussion (wir berichteten). Viele Städte und Gemeinden im Landkreis haben inzwischen weiches Wasser. “Es ist noch keine Entscheidung getroffen”, betonte Oberbürgermeisterin Petra Becker. Sowohl ein Ja als auch ein Nein sei am Ende denkbar. Sie lege großen Wert auf neutrale und umfassende Information. Dafür sei jetzt der richtige Zeitpunkt, weil nun alle wichtigen Fakten vorlägen.

Eine ganze Reihe von Experten war vor Ort, um Vor- und Nachteile zu erläutern und Fragen der Bürger zu beantworten.

Der Plan

Der Plan sieht vor, dass in den beiden Stutenseer Wasserwerken (Blankenloch und Friedrichstal) sogenannte Membranfilter installiert werden, durch die das Wasser gedrückt wird. “Umkehrosmose” wird das Verfahren genannt, das sich bereits vielerorts bewährt habe. Es arbeitet rein physikalisch ohne Zusatz von Chemikalien. Zurück bleibt ein Konzentrat, das entsorgt werden muss. In Blankenloch ist die Einleitung in den Pfinzentlastungskanal vorgesehen, in Friedrichstal in die Pfinz-Heglach.

Gewässer: Keine negative Auswirkungen

Gewässerökologe Dr. Karl Wurm hielt in der Zusammenfassung beide Einleitungen für unbedenklich. Beide Gewässer seien erheblich vorbelastet, eine negative Beeinträchtigung sei ausgeschlossen.

Wasserpreis stiege auf 1,59 Euro

Bei der Erhebung der Kosten wurde festgestellt, dass in beiden Wasserwerken umfangreiche Investitionen erforderlich seien, insbesondere in der Elektrotechnik, da an einigen Stellen gegen bestehende Normen verstoßen werde. Während in Blankenloch das bestehende Gebäude groß genug für eine Teilenthärtungsanlage ist, wäre in Friedrichstal ein zusätzliches Gebäude erforderlich. Die geschätzten Kosten rein für die Enthärungsanlage liegen bei etwa 5,6 Mio Euro, so Dr. Frank Urban vom Ingenieurbüro H2U. Zusammen mit den notwendigen Sanierungen und den in nächster Zeit anstehenden Investitionen komme man auf eine Summe von ca. 7,9 Mio Euro. Stadtkämmerer Andreas Hambrecht rechnete vor, welche Auswirkungen das auf den Wasserpreis hätte. Dieser liegt seit Längerem bei 91 Cent pro Kubikmeter. Eine Erhöhung auf 1,10 Euro sei wegen der Investitionen unvermeidbar. Zusammen mit einer Wasserenthärtung stiege der Preis auf 1,59 Euro. Im Vergleich dazu liegt der Wasserpreis im Landkreisdurchschnitt bei 1,68 Euro und im Landesdurchschnitt bei 2,01 Euro, so Hambrecht. Der Abwasserpreis ist davon nicht betroffen.

Vor- und Nachteile

Die Vorteile einer zentralen Wasserenthärtung, also Senkung des Härtegrads von 19 auf 8 Grad deutscher Härte, liegen auf der Hand: Es wird weniger Wasch- und Putzmittel benötigt, Wartungskosten von Sanitäranlagen sinken, Entkalkungsanlagen im Haushalt werden überflüssig, so Dr.-Ing. Sebastian Hesse vom Technologiezentrum Wasser. Je nach individuellem Verhalten könnten diese Einsparungen die Erhöhung des Wasserpreises ausgleichen. Nachteil ist insbesondere der Preis. Das Wasser entspreche auch jetzt der Trinkwasserverordnung. Weiches Wasser sei keine Pflicht.

Bürgerfragen

An drei Diskussionsstationen konnten Bürger ihre Fragen und Bedenken vorbringen und direkt mit den Experten ins Gespräch kommen. Sorgen um alte Wasserrohre, die durch die Umstellung undicht werden könnten, wurden genommen. Aufgenommen wurde der Vorschlag, das Konzentrat nicht in oberirdischen Rohren abzuleiten, sondern in offenen Gräben. Der anwesende Wassermeister von Bruchsal, wo das Enthärtungsverfahren bereits im Einsatz ist, berichtete von positiver Resonanz in der dortigen Bevölkerung.

Deutliche Mehrheit dafür

Auch die anwesenden Stutenseer zeigten sich am Ende überzeugt. Gut 90 Prozent klebten einen Punkt in das Feld “für zentrale Teilenthärtung”. Nur einzelne waren unentschlossen oder dagegen.

Entscheiden wird am Ende der Zweckverband Wasserversorgung Mittelhardt, der das Trinkwasser für Stutensee und den Bruchsaler Stadtteil Büchenau liefert. Der Stutenseer Gemeinderat wird vorher darüber diskutieren und seinen Vertretern in dem Gremium eine entsprechende Weisung mitgeben. Die anwesenden Stadträte zeigten sich noch unentschlossen und wollen auf weitere Rückmeldungen aus der Bevölkerung warten. Eine zweite Gelegenheit dazu gibt es am 27. März um 18.30 Uhr in der Spöcker Spechaahalle statt. Dort wird die gleiche Veranstaltung wie in Blankenloch durchgeführt werden. Die Entscheidung kündigte Oberbürgermeisterin Becker für den Herbst an. Anschließend würde die Detailplanung beginnen. Eine Inbetriebnahme würde frühestens Ende 2021/Anfang 2022 erfolgen.

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Kommentare

Kritiker

Gewässer: Keine negative Auswirkungen
Gewässerökologe Dr. Karl Wurm hielt in der Zusammenfassung beide Einleitungen für unbedenklich. Beide Gewässer seien erheblich vorbelastet, eine negative Beeinträchtigung sei ausgeschlossen.

Was soll mir das sagen? Wir können in die Brühe ruhig noch mehr Müll kippen?

-kwg-

Die Vorbelastung muss ja wirklich schon so groß sein, dass eine weitere Anreicherung durch den zurückbleibenden und dann rückgespülten Membranschlunz keine Rolle mehr spielt. Da ist ja ein egoistischer Vorteil darin zu sehen, dass der Pfinz-Entlastungskanal eigentlich die südliche Trennlinie Stutensees darstellt und die Gemarkung dadurch nicht weiter tangiert. Im Falle der Heglach ist das schon etwas intensiver zu betrachten. In früheren Jahren hat die Abdeckerei schon mal hin und wieder für Gesprächsstoff und Stinkereien gesorgt, aber dass die Belastungen sich so darstellen, dass alles was zu dieser Mischung dazu kommt, überhaupt keine Rolle mehr spielt, da wäre schon mal eine Erklärung seitens der Verantwortlichen angebracht um welche Belastungen es sich insbesondere handelt. Sauerstoffmangel? Kläranlage? Stinkereien? Schwermetalle? Lösungsmittel? Da kommt man gleich auf ziemlich alles was das Wassernotstandsregister so hergibt. Also eines ist damit sicher.
Bekommst Du im Hardtwald im Sommer mal Lust auf kühles Nass, dann verzichte am Pfinz-Kanal und Hirschgraben auf erfrischenden Spaß, selbst dann wenn es Dir auch mächtig wird stinken- Hirschquelle nicht aus dem Hirschgraben- sondern aus Flaschen trinken. Prosit und Zum Wohl auf unsere Gesundheit-

FH...

… dass der Entlastungskanal und die Heglach hochbelastet sind, ist ja kein Geheimnis. Weit weg von Trinkwasserqualität. Bei dem einzuleitenden Konzentrat handelt es sich um die bei uns aktuell aus dem Wasserhahn fließenden Ionen, die bei der Teilenthärtung teilweise zurückgehalten und in konzentrierter Form eingeleitet würden. Dazu kommt das zugegebene Antibelagmittel, das ein Zusetzen der Membranen verhindert. Offensichtlich ist das Konzentrat so harmlos, dass man es, wie andernorts praktiziert, offen in einem Graben in die Gewässer leiten könnte. Immerhin muss man damit rechnen, dass Kinder darin planschen.
Meine Kritik bezieht sich eher auf die Kosten: Was bei einer Teilenthärtung auf jeden Fall kommt, ist eine fast-Verdopplung des Wasserpreises. Das in Aussicht gestellte Einsparpotenzial dagegen kann in meinen Fall nicht nachvollzogen werden. Nach Durchrechnen aller Posten bliebe eine Mehrbelastung von ca. 75 Euro im Jahr für eine Komfortmaßnahme, die nicht gebraucht wird.

-kwg-

So ganz ohne Hintergrund ist die Frage nach der Belastungskategorie nicht. Der Pfinz-Entlastungskanal verläuft als Stutenseer Gemarkungsgrenze zur Stadt Karlsruhe und ist somit auch ein Bestandteil des Karlsruher Wasserschutz- und Trinkwassereinzugsgebietes Hardtwald nördlich der L 604.

Jens Richter

Um es gleich vorweg zu sagen, ich befürworte die zentrale Teilenthärtung.
Für mich zählt aber der Aspekt, dass ohne diese zentrale Maßnahme die „Abfallprodukte“ der lokalen Anlagen genauso, nur über die Kläranlage in den Wasserkreislauf zurück gelangen. Hinzu kommen mehr oder weniger schädliche Rückstände der Mittel zur Kalkentfernung/Reinigung, deren Menge ebenfalls reduziert werden könnte. Was schon durch andere Kommentatoren erwähnt wurde und auch noch einmal hinterfragt werden muss, ist das Argument, dass die Vorfluter bereits so belastet sind, dass eine zusätzliche Einleitung aus der zentr. Enthärtung keine erhebliche Verschlechterung bringen würde. Was wäre, wenn die beiden Gewässer Trinkwasserqualität hätten? Würde die Genehmigung, grundsätzlich oder ohne weitere Auflagen, dann ebenfalls erteilt werden? Mittel- bis langfristig sollten diese Gewässer doch auch wieder Trinkwasserqualität erlangen.
Nun zu den zusätzlichen Kosten. Egal, auf welche Haushaltsgröße man das berechnet, es läuft auf 2 bis max.-3 Euro pro Person und Monat hinaus. Für was wir diesen Preis monatlich anderweitig bereit sind, zu bezahlen, muss ich jetzt nicht mit Beispielen belegen. Es gibt derer sehr viele. Und hier geht es um das wichtigste Lebensmittel, welches ohne Gefahr der lokalen Verkeimung durch eine schlecht arbeitende/gewartete Anlage und die Möglichkeit die Umwelt gemeinsam zu entlasten – siehe erster Absatz – aufgewertet wird. Ok, es ist ein kleiner Luxus, für den ich bereit wäre, den Mehrpreis zu bezahlen.

FH...

… im Vergleich “zentrale” vs. “lokale” Teilenthärtung gewinnt logischerweise die Enthärtung im Wasserwerk. Nun besitzt aber nur eine Minderheit eine Enthärtungsanlage zu Hause. Daher ist der Vergleich “zentrale Teilenthärtung” vs. “keine Teilenthärtung” der Entscheidende. Die Frage ist, ob man denjenigen, die seit Jahrzehnten mit unserem harten Wasser gut klar kommen, eine “Zwangsenthärtung” und die damit verbundenen Mehrkosten verordnet.
Tipps, wie man mit hartem Wasser umgeht (z.B. max. Temperatur von 60 °C im Warm-Wasserspeicher), findet man z.B. bei den Stadtwerken Karlsruhe:
https://www.stadtwerke-karlsruhe.de/swk-media/docs/service/infomaterial/produkte/Faktenblatt_Wasserhaerte.pdf


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