Von meinstutensee.de-Reporter Martin Strohal

Soll das Trinkwasser in Stutensee künftig mit deutlich weniger Kalk aus der Leitung kommen? Was sind die Vor- und Nachteile einer solchen zentralen Teilenthärtungseinrichtung? Was kostet das Ganze am Ende? Das waren die zentralen Fragen, die viele Bürger vergangenen Dienstag dazu bewegten, die Informationsveranstaltung in der Blankenlocher Festhalle zu besuchen.

Das Thema befindet sich bereits seit Jahren in Diskussion (wir berichteten). Viele Städte und Gemeinden im Landkreis haben inzwischen weiches Wasser. “Es ist noch keine Entscheidung getroffen”, betonte Oberbürgermeisterin Petra Becker. Sowohl ein Ja als auch ein Nein sei am Ende denkbar. Sie lege großen Wert auf neutrale und umfassende Information. Dafür sei jetzt der richtige Zeitpunkt, weil nun alle wichtigen Fakten vorlägen.

Eine ganze Reihe von Experten war vor Ort, um Vor- und Nachteile zu erläutern und Fragen der Bürger zu beantworten.

Der Plan

Der Plan sieht vor, dass in den beiden Stutenseer Wasserwerken (Blankenloch und Friedrichstal) sogenannte Membranfilter installiert werden, durch die das Wasser gedrückt wird. “Umkehrosmose” wird das Verfahren genannt, das sich bereits vielerorts bewährt habe. Es arbeitet rein physikalisch ohne Zusatz von Chemikalien. Zurück bleibt ein Konzentrat, das entsorgt werden muss. In Blankenloch ist die Einleitung in den Pfinzentlastungskanal vorgesehen, in Friedrichstal in die Pfinz-Heglach.

Gewässer: Keine negative Auswirkungen

Gewässerökologe Dr. Karl Wurm hielt in der Zusammenfassung beide Einleitungen für unbedenklich. Beide Gewässer seien erheblich vorbelastet, eine negative Beeinträchtigung sei ausgeschlossen.

Wasserpreis stiege auf 1,59 Euro

Bei der Erhebung der Kosten wurde festgestellt, dass in beiden Wasserwerken umfangreiche Investitionen erforderlich seien, insbesondere in der Elektrotechnik, da an einigen Stellen gegen bestehende Normen verstoßen werde. Während in Blankenloch das bestehende Gebäude groß genug für eine Teilenthärtungsanlage ist, wäre in Friedrichstal ein zusätzliches Gebäude erforderlich. Die geschätzten Kosten rein für die Enthärungsanlage liegen bei etwa 5,6 Mio Euro, so Dr. Frank Urban vom Ingenieurbüro H2U. Zusammen mit den notwendigen Sanierungen und den in nächster Zeit anstehenden Investitionen komme man auf eine Summe von ca. 7,9 Mio Euro. Stadtkämmerer Andreas Hambrecht rechnete vor, welche Auswirkungen das auf den Wasserpreis hätte. Dieser liegt seit Längerem bei 91 Cent pro Kubikmeter. Eine Erhöhung auf 1,10 Euro sei wegen der Investitionen unvermeidbar. Zusammen mit einer Wasserenthärtung stiege der Preis auf 1,59 Euro. Im Vergleich dazu liegt der Wasserpreis im Landkreisdurchschnitt bei 1,68 Euro und im Landesdurchschnitt bei 2,01 Euro, so Hambrecht. Der Abwasserpreis ist davon nicht betroffen.

Vor- und Nachteile

Die Vorteile einer zentralen Wasserenthärtung, also Senkung des Härtegrads von 19 auf 8 Grad deutscher Härte, liegen auf der Hand: Es wird weniger Wasch- und Putzmittel benötigt, Wartungskosten von Sanitäranlagen sinken, Entkalkungsanlagen im Haushalt werden überflüssig, so Dr.-Ing. Sebastian Hesse vom Technologiezentrum Wasser. Je nach individuellem Verhalten könnten diese Einsparungen die Erhöhung des Wasserpreises ausgleichen. Nachteil ist insbesondere der Preis. Das Wasser entspreche auch jetzt der Trinkwasserverordnung. Weiches Wasser sei keine Pflicht.

Bürgerfragen

An drei Diskussionsstationen konnten Bürger ihre Fragen und Bedenken vorbringen und direkt mit den Experten ins Gespräch kommen. Sorgen um alte Wasserrohre, die durch die Umstellung undicht werden könnten, wurden genommen. Aufgenommen wurde der Vorschlag, das Konzentrat nicht in oberirdischen Rohren abzuleiten, sondern in offenen Gräben. Der anwesende Wassermeister von Bruchsal, wo das Enthärtungsverfahren bereits im Einsatz ist, berichtete von positiver Resonanz in der dortigen Bevölkerung.

Deutliche Mehrheit dafür

Auch die anwesenden Stutenseer zeigten sich am Ende überzeugt. Gut 90 Prozent klebten einen Punkt in das Feld “für zentrale Teilenthärtung”. Nur einzelne waren unentschlossen oder dagegen.

Entscheiden wird am Ende der Zweckverband Wasserversorgung Mittelhardt, der das Trinkwasser für Stutensee und den Bruchsaler Stadtteil Büchenau liefert. Der Stutenseer Gemeinderat wird vorher darüber diskutieren und seinen Vertretern in dem Gremium eine entsprechende Weisung mitgeben. Die anwesenden Stadträte zeigten sich noch unentschlossen und wollen auf weitere Rückmeldungen aus der Bevölkerung warten. Eine zweite Gelegenheit dazu gibt es am 27. März um 18.30 Uhr in der Spöcker Spechaahalle statt. Dort wird die gleiche Veranstaltung wie in Blankenloch durchgeführt werden. Die Entscheidung kündigte Oberbürgermeisterin Becker für den Herbst an. Anschließend würde die Detailplanung beginnen. Eine Inbetriebnahme würde frühestens Ende 2021/Anfang 2022 erfolgen.

Bildquellen

  • Infoveranstaltung Teilenthärtung: Martin Strohal
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