Jan Uwe Rogge: Erziehungsberatung aus dem Alltag

Jan Uwe Rogge

Bild: Martin Strohal

Von Martin Strohal | 17.05.2019 21:35 | Keine Kommentare

Am vergangenen Donnerstag war Autor und Erziehungsexperte Dr. Jan Uwe Rogge nach Stutensee zu einem Fachvortrag in die Festhalle gekommen. Er war der Einladung der Jugendeinrichtung Schloss Stutensee gefolgt.

Der Vortrag war Teil der Veranstaltungsreihe im Jubiläumsjahr “100 Jahre Jugendeinrichtung Schloss Stutensee”. Jens Brandt, der Leiter der Einrichtung, habe schon über 20 Jahre Kontakt zu Rogge, dem Erziehungsexperten und bekannten Buchautor aus dem Norden Deutschlands. Deswegen hatte er versucht, ihn für diesen Vortrag nach Stutensee zu bekommen. “Bei Rogge steht das Kind im Mittelpunkt”, so Brandt. Das sei die Verbindung zur Jugendeinrichtung.

Mit etwa 500 Besucherinnen und Besuchern war die Festhalle sehr gut gefüllt. Der 72-jährige Rogge hatte das vorwiegend weibliche Publikum schnell auf seiner Seite. “Schreiben Sie nicht mit!” empfahl er und grinste, als er viele ertappte Gesichter sah von Eltern, die sich die ultimativen Erziehungstipps für den Umgang mit ihrem Kind erhofft hatten.

“Seien Sie Eltern aus Fleisch und Blut”, empfahl Rogge. “Es geht nicht um das Punktesammeln für das Paradies!” Kinder seien Geschenke – und wie beim Geburtstag wisse man vorher auch nicht, was man bekommt. Er habe beobachtet, dass hyperaktive Eltern als erstes Kind häufig eine Schnecke bekämen – und Schnecken ein hyperaktives Kind.

Es folgte ein fast zweistündiger Vortrag ohne trockene pädagogische Theorie, sondern mit einer Alltagsgeschichte aus seinem Erfahrungsschatz nach der anderen. Das Publikum lachte viel – mal ertappt bei eigenem Fehlverhalten, mal bei kuriosem Ausgang einer Situation.

“Eltern haben häufig eine Macke”, stellte Rogge fest. “Und davon lebe ich gut.” Sein Tipp: “Dreht doch mal durch – aber lasst auch die Kinder durchdrehen!”

Jan Uwe Rogge und Jens Brandt

Es folgten Anekdoten von dem Kind, das nicht aufräumen wollte, bis die Mutter die Gutenachtgeschichte nur noch von der Tür aus vorlas, oder von dem Kind, das Haare erst waschen wollte, wenn es groß ist. Und immer wieder erläuterte er die Sichtweise der Kinder. “Kinder mögen Kinder. Sie mögen auch die Schule, aber nicht um zu lernen, sondern wegen der anderen Kinder! Dort finden Kinder die passenden Freunde, die den Eltern nicht passen.” Und: “Kinder lieben die Grenzverletzung. Ich kenne kein Kind, das zwei Meter vor einer Grenze stehen bleibt.”

Viele anwesende Eltern erkannten sich in Sätzen wie “Muss ich es dir noch zweimal sagen?!” – Rogge: “Das Kind weiß: Mutter sagt es noch zehnmal und macht es dann doch selbst.”

Sein Ratschlag zum Abschluss: Man solle ein Kind annehmen wie es ist, nicht wie man es gerne hätte – auch wenn es bei Lidl an der Kasse auf dem Boden liegt. Letztlich sei Erziehung wirkungsoffen.

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