100 Jahre Jugendeinrichtung: “Die Welt zu einem besseren Ort machen”

Skulptur zum Jubiläum

Bild: Martin Strohal

Von Martin Strohal | 19.07.2019 21:55 | Keine Kommentare

Schon das ganze Jahr feiert die Jugendeinrichtung Schloss Stutensee ihr 100-jähriges Jubiläum mit diversen Veranstaltungen. Heute fand der offizielle Festakt mit geladenen Gästen aus Politik, Verwaltungen, Partnern und Mitarbeitenden statt.

Im Jahr 1919 gründete das Ehepaar Heinrich und Therese Wetzlar die Einrichtung im Schloss, das damals nach dem ersten Weltkrieg marode und heruntergewirtschaftet war. “Sie haben sich mit Herz und Seele für die Jugendlichen eingesetzt”, berichtete Marie Louise Blans, die Urenkelin der Gründer. “Sie haben gearbeitet, um aus der Welt einen besseren Ort zu machen.”

Während der Nazizeit war die Einrichtung verboten, gegen Ende des Kriegs diente das Schloss als Lazarett. Dennoch ging es immer weiter. Nach dem Krieg wurde das Gebäude saniert, das Angebot stetig erweitert. 1991 wurde das Schloss durch Brandstiftung fast vollständig zerstört. Aber auch das konnte den Erfolgskurs nicht aufhalten. Die Einrichtung wurde auch für Mädchen geöffnet, Wohngruppen auch außerhalb des Schlossareals eingerichtet.

Die Jugendeinrichtung ist etwas Besonderes. Darin waren sich alle Festredner einig. “Nicht viele Landkreise haben ein solches Angebot”, betonte Landrat Christoph Schnaudigel. Der Landkreis ist seit 2009 Träger der Einrichtung. Besonders hervor hob er die schnelle Unterstützung bei der Unterbringung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge in den letzten Jahren. Die Einrichtung sei in Stutensee angekommen. “Es ist kein geschlossenes Heim für böse Buben.”

Landrat Christoph Schnaudigel

“Die pädagogischen Ansätze sind überregional bekannt”, sagte Stutensees Oberbürgermeisterin Petra Becker und lobte die gute Zusammenarbeit.

Staatsekretärin Bärbl Mielich aus dem baden-württembergischen Sozialministerium betonte in ihrem Festvortrag: “Kinder sind unsere Zukunft – ihnen muss es in unserem Land besonders gut gehen!” Sie lobte die Arbeit der Einrichtung in Stutensee und führte aus, was Baden-Württemberg für Kinder und Jugendliche getan hat und noch tun will, von Schulsozialarbeit über Ombudschaft, Aufnahme der Kinderrechte in Landesverfassung und Grundgesetz sowie die Stärkung der Teilhabe von Kindern und den Jugendschutz.

Marie Louise Blans, Urenkelin des Gründers Heinrich Wetzlar

Marie Louise Blans, die Urenkelin der Gründer, war eigens aus den Niederlanden angereist. Sie freute sich, dass der Kontakt zu ihrer Familie auch nach 100 Jahren noch bestehe. Sie habe ihrem Vater versprochen, ihn nicht abreißen zu lassen. “Die Einrichtung gleicht einem Familienbetrieb.”

Nach den umfangreichen Rückblicken in die Geschichte blickte Geschäftsführer Jens Brandt auch in die Zukunft. Man plane eine Nahwärmeversorgung, weg vom Öl. Der Neubau der U-Haft-Vermeidung sowie die Renovierung des alten Gebäudes stünden an. Ein geschütztes WLAN stehe ebenfalls auf dem Plan wie die Digitalisierung der Verwaltung. “Aber das ist nur Mittel zum Zweck”, betonte Brandt. “Bei uns stehen die Kinder im Mittelpunkt.” Es gehe nicht um Gewinnmaximierung. Um das umzusetzen seien engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erforderlich. “Wir haben die tollsten Mitarbeitenden”, freute sich Brandt. Alle würden mithelfen, die Startschwierigkeiten der Kinder und Jugendliche ins Leben zu überbrücken.

Umrahmt wurden die Reden durch den Lehrerchor der Einrichtung, unter anderem mit dem “100-Jahr-Song”, einer Hymne auf Schloss Stutensee, die Lehrer Detlef Becker eigens komponiert hatte.

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