Exkursion zur Friedrichstaler Düne am 22.9.

Düne Friedrichstal

Bild: Reiner Dick

Pressemitteilung von Agenda "Natur und Umwelt" Stutensee | 15.09.2019 21:15 | Keine Kommentare

In Friedrichstal gibt es Dünen, einige jahrtausendalte und eine neugeschaffene. Die „Altdünen“ gehören mit Flugsandfeldern zu einem Sandgürtel, der sich in der östlichen Rheinebene zwischen Mannheim im Norden und etwa Offenburg im Süden erstreckt. Bis in neuere Zeit hinein gab es gerade im Norden noch einzelne Dünen, die ein Charakteristikum ihrer großen „Geschwister“ in den meisten Wüsten dieser Erde zeigten, nämlich zu wandern.

Diese geologische Besonderheit einer derartigen Sandlandschaft entstand erst vor rund 13 bis 10.000 Jahren gegen Ende der letzten Eiszeit. Gewaltige Schmelzwasserabflüsse aus den Alpen transportierten gigantische Sedimentmassen durch das Rheintal. Je nach Wassermenge grub sich der Rhein bzw. sein Vorläufer immer wieder in die spärlich bewachsenen Schotterflächen ein. Heftige Winde aus Südwest bliesen die feinen Sedimentbestandteile, wie Sand und Staub, aus und verfrachteten sie nach Osten. Das staubige Material „flog“ in den Kraichgau und bildet heute dort den fruchtbaren Löß. Dieser war dann auch eine der Hauptursachen für die bereits im 6. Jahrtausend v. Chr. einsetzende Besiedelung mit den ersten jungsteinzeitlichen Kulturen.

Im Rheintal setzte sich der ausgewehte Sand recht schnell wieder fest, nämlich am Westrand der damals offenen Kinzig-Murg-Rinne. Diese Randsenke am Fuß von Schwarzwald und Kraichgau nahm damals die aus diesen Gebieten abfließenden Flüsse und Bäche auf. Bei gefüllter Senke gab es immer wieder ungeregelte Durchbrüche durchs randliche Sandgebiet zum Tiefgestade hin. Langgestreckte Mulden, noch gut erkennbar in Waldgebieten, die sog. „Schluten“, lassen dieses Geschehen auch heute noch erkennen.

Nach dem Siedlungsvakuum nach Ende der Römerherrschaft wurden in einer ersten Welle die sich über die sumpfige Kinzig-Murg-Rinne erhebenden Schwemmfächer der Kraichgau- und Schwarzwaldabflüsse besiedelt. Danach erst wurden die „hügeligen“ Bereiche der Sandlandschaft in Beschlag genommen.

Auch heute noch erscheint unsere Landschaft leicht wellig zu sein, wenngleich die jahrhundertelange Landbewirtschaftung große Flächen fast eingeebnet hat. Dagegen sind in den Wäldern noch ausgedehnte Dünenzüge zu erkennen, gerade auch im Hardtwald bei Friedrichstal.

Da kein Fleckchen Erde unbesiedelt bleibt, hat sich auch im Sandgürtel der Rheinebene eine auf derartig heiße und trockene Umgebung spezialisierte Fauna und Flora entwickelt. Diese Spezialisierung geht so weit, dass viele dieser Arten auf Sandlebensräume regelrecht angewiesen sind. Umso wichtiger und für den Artenschutz relevant ist es, derartige Bereiche zu erhalten und zu schützen, wie im Natur- und Landschaftsschutzgebiet „Wilhelmsäcker“ in Spöck oder an passender Stelle neu zu schaffen.

Eine solche Stelle findet sich im Kreuzungsbereich der K 3575 mit den Bahntrassen bei Friedrichstal. Im Zuge der Umsetzung neuer Baugebiete wurde dort als baurechtliche Ausgleichsmaßnahme eine neue Dünenlandschaft geschaffen.

Einzelheiten zu den Hintergründen dieser Maßnahme und ihrer Realisierung, zu den geologischen Gegebenheiten der Region und zur ökologischen Bedeutung des neuen Lebensraumes gibt es bei einer Exkursion am Sonntag, 22. September 2019, 10 Uhr, vor Ort zu erfahren. Das Gelände befindet sich am südlichen Ende der Kirschenallee in Friedrichstal, Zufahrt über die Berliner Allee. Parkmöglichkeiten bestehen im Bereich der P&R-Anlage an der Haltestelle Saint-Riquier-Platz Von dort geht es zu Fuß zur Düne. Dort ist Parken nicht möglich.

Der bisherige Leiter der Stabsstelle Umwelt bei der Stadt Stutensee, Reiner Dick und der ausgewiesene Pflanzenspezialist Bernhard Rapp aus Friedrichstal leiten die Exkursion und versprechen spannende Einblicke in eine besondere Welt.

Quelle: Agenda "Natur und Umwelt" Stutensee

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