“Auch mein Leben war geprägt von der Trennung zwischen Ost und West”

Von Olaf Matthei-Socha | 07.11.2019 18:00 | Keine Kommentare

1989 – 2019. 30 Jahre Mauerfall (Beate Hauser)

2019 jährt sich der Fall der Berliner bereits zum 30. Mal. Nur kurze Zeit später waren die DDR und West-Berlin ein Stück Geschichte. Schon im August beschloss die Volkskammer den Beitritt der Deutschen Demokratischen Republik zur Bundesrepublik Deutschland, der kurze Zeit später am 3. Oktober 1990 vollzogen wurde.

meinstutensee.de hat seine Leserinnen und Leser gefragt, wie sie sich an diesen bedeutenden Abend erinnern. Wo waren sie damals? Auf welcher Seite der Grenze? Welche Gedanken gingen ihnen damals durch den Kopf, welche Gefühle hatten sie?

Heute ein Beitrag von Beate Hauser.


Beate Hauser

“Aufgewachsen bin ich in Heidelberg mit einem sehr politischen Großvater, der in der DKP aktiv war. Er wurde des öfteren in den Osten eingeladen und bekam immer die besten Seiten der DDR zu sehen. 1974 lernte ich durch meine Schwiegereltern die andere Seite kennen. Mein Schwiegervater war aus Neugersdorf und seine Eltern sowie Verwandtschaft lebten dort. Von aufregenden Besuchen mit Angst an der Grenze wurde erzählt. Jedes Jahr wurden mehrere Päckchen (nach Wunschzettel beispielsweise Kaffee, Nylonstrumpfhosen, Obst und so weiter) an Weihnachten versandt.

Dasselbe erlebte ich dann später auch in Büchig. Dort war ich eingesetzt als Springerin in Weingarten und Stutensee am Schalterdienst Post bei Frau Lußberger. In der Weihnachtszeit wurde eine Flut von Päckchen und Pakete in die DDR versandt. Nach dem Mauerfall allerdings ließ das rapide nach. Es war eine bewegende Zeit ich durfte Begrüßungsgeld auszahlen hatte sehr viele schöne Momente und Gespräche. Ich werde die Freude der Menschen über ihre neu gewonnene Freiheit nie vergessen. Sie kamen freudig mit ihrem Pass und ließen sich 100 DM pro Person auszahlen. Viele waren hier zu Besuch bei Verwandten oder Freunden.

Beate Hausers Tochter Natalie und Gastkind Kathrin Anfang der 1990er Jahre

In den Sommerferien 1990 war unsere Tochter Natalie in Spielberg zu einer mehrwöchigen Freizeit angemeldet, von der AWO (Arbeiterwohlfahrt), glaube ich, und es wurden für die Wochenenden Gastfamilien gesucht, die bedürftige Kinder aus dem Osten aufnahmen. Die Kinder sollten sich hier mal richtig erholen. Wir hatten Kathrin aus Halle. Sie ist links auf dem Foto unsere Natalie rechts… beide 7 Jahre alt. An den Wochenenden haben wir Ausflüge gemacht wie aufs Heidelberger Schloss und sind mit der Bergbahn gefahren. Kathrin war sehr glücklich und zum Schluss bekam sie die gebrauchten Inliner und Spielsachen sowie Kleider unserer älteren Tochter mit nach Hause, die ihr so gut gefielen. Die Mutter hatte sich brieflich damals bedankt, leider ist der Kontakt relativ schnell abgebrochen.”

(Beate Hauser ist in Heidelberg geboren und zog 1984 nach Stutensee, wo sie die Wendezeit erlebte)

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