“Vom Begrüßungsgeld habe ich mir meine erste Kassette gekauft”

Von Olaf Matthei-Socha | 04.11.2019 18:00 | Keine Kommentare

1989 – 2019. 30 Jahre Mauerfall (Conny L.)

2019 jährt sich der Fall der Berliner bereits zum 30. Mal. Nur kurze Zeit später waren die DDR und West-Berlin ein Stück Geschichte. Schon im August beschloss die Volkskammer den Beitritt der Deutschen Demokratischen Republik zur Bundesrepublik Deutschland, der kurze Zeit später am 3. Oktober 1990 vollzogen wurde.

meinstutensee.de hat seine Leserinnen und Leser gefragt, wie sie sich an diesen bedeutenden Abend erinnern. Wo waren sie damals? Auf welcher Seite der Grenze? Welche Gedanken gingen ihnen damals durch den Kopf, welche Gefühle hatten sie?

Heute ein Beitrag von Conny L.


Conny L. zur Wendezeit (Führerscheinfoto)

“Als die Mauer geöffnet wurde war ich 18. An diesem Tag habe ich das Ereignis mit Freunden in der Diskothek gefeiert. Alle haben dort das Lied „Freiheit“ von Marius Müller-Westernhagen gesungen. Ein Mädchen aus meinem Nachbarort ist dabei vor Freude in Tränen ausgebrochen. Ich meinerseits habe mich zu diesem Zeitpunkt nicht so gefreut – ich dachte, dass die Grenze bald sowieso wieder zugemacht wird. Das ist dann aber zum Glück nicht passiert. Ein paar Tage später haben wir uns dann Eschwege in Hessen angeschaut. Da sind wir noch durch den Schlecker gelaufen und haben gestaunt, weil es den bei uns nicht gab. Die Verkäuferin hat sich wahrscheinlich innerlich kaputtgelacht, als sie uns so gesehen hat. Dann kann ich mich noch daran erinnern, dass ich mir von den 100 Mark Begrüßungsgeld meine erste Kassette gekauft habe. Das war, glaube ich, Alphhaville.

Später hat mein Mann, der aus Gera kommt, in Mannheim Arbeit gefunden und ich bin dann zu ihm gezogen. Dort habe ich vier Jahre gearbeitet, wir haben geheiratet und dann bin ich mit meiner Tochter schwanger geworden. Später sind wir in einen kleineren Ort in der Nähe von Mannheim gezogen und mein Mann hat angefangen, am KIT Campus Nord zu arbeiten. Da ihm der Arbeitsweg zu lang geworden ist und meine Tochter sowieso aufs Gymnasium wechseln sollte, sind wir dann nach Stutensee gekommen.“

(Zur Wendezeit lebte Conny L. in Mülverstedt im heutigen Unstrut-Hainich-Kreis)

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